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Neues Instrument für St. Nikolai : Orgelbauer zieht alle Register

vom
Aus der Redaktion des Schlei-Boten

Eine Woche noch, dann erhält St. Nikolai sein Instrument zurück. In einem Festgottesdienst wird die Orgel geweiht. Derzeit legt Orgelbaumeister Reinalt Klein noch letzte Hand an.

Die Einladungen sind verschickt, der Termin ist fix, ein Zurück ausgeschlossen. Nach dem zweiten Adventssonntag und nach Ostermontag ist Pfingstsonnabend nun der dritte Anlauf, die neue Orgel der Nikolaikirche wieder zum Klingen zu bringen. Unterm Strich also hat der Neubau des gigantischen Instruments ein halbes Jahr länger gedauert, als ursprünglich angenommen. Und trotzdem ist – zumindest sichtbar – niemand in Panik verfallen, niemand hat rücksichtslos aufs Tempo gedrückt, niemand irgendeine Unruhe nach außen getragen. Weil alle von einer Sache überzeugt waren: Der Lohn des geduldigen Wartens würde für jede verschobene Vereinbarung, für jedes abgesagte Konzert entschädigen. Denn am Ende wird eine bis ins winzigste Detail überzeugende und durchdachte Kirchenorgel stehen, ein Instrument, das nicht einfach funktioniert, sondern dem Gotteshaus zu einem intensiver erlebten Wesen verhelfen und, bei aller emotionalen Bedeutsamkeit nicht ganz unwichtig, einen schlicht umwerfenden Klang haben wird.

Reinalt Klein strahlt. Mal wieder. Denn eigentlich tut er das immer, wenn er über seine Orgel sprechen darf. Das Instrument ist natürlich eines für die Kappelner, aber es wird seinen Namen tragen. Reinalt-Klein-Orgel. Der Lübecker Orgelbaumeister ist, das ist inzwischen allen klar, ein Perfektionist, ein im besten Sinne Besessener. Seine Triebfeder? „Ich will Seele und Herz ansprechen“, sagt er. „Nicht den Kopf.“ Klein hat sich eindeutig für die schwierigere Variante entschieden.

Zum letzten Pressetermin vor dem Festgottesdienst verfügt die Orgel noch nicht über alle 37 Register. Aber schon jetzt sagt Klein: „Fast jedes Register kann mit jedem anderen gemischt werden. Und es gibt immer einen neuen Klang.“ Es ist eben diese Vielfalt, die sich künftig vor allem Organist Thomas Euler eröffnen wird. Von weich bis scharf, von satt bis mager ist jede tonale Schattierung machbar. Und Klein weiß: „Jedes Mal gibt es eine andere Aussage.“

Allerdings eine, die der Kirchenraum auch hätte verfälschen können, wenn Reinalt Klein nicht so eisern darauf geachtet hätte, dies zu vermeiden. „Der Raum neigt dazu, Klänge zu egalisieren“, sagt der Orgelbauer. Helle Frequenzen verstärke er, tiefe Frequenzen trage er dagegen kaum oder aber er verfremde sie zu dunklen, bulligen Klängen. Kleins Aufgabe: Er muss beim Intonieren der Orgelpfeifen jenen Punkt finden, der das Ideal aus beiden Klangwelten vereint. „Und das Spektrum“, sagt er, „ist minimal“.

Es ist davon auszugehen, dass er es finden wird. Immerhin hat er auch das teils über 200 Jahre alte Pfeifengut wieder zum Klingen gebracht. „Am Anfang kam dort nur heiße Luft raus“, erinnert sich Klein. Einen ganzen Tag habe er damit zugebracht, ehe die Pfeifen aus den 1790 bis 1793 wieder einen Ton von sich gaben. Er hat sie ausgebeult, Löcher zugelötet, scharfe Knicke rausgedrückt, stabilisiert – und jetzt eineinhalb Register der neuen Orgel damit bestückt. Klein strahlt sein Strahlen als er sagt: „Und jetzt klingt es ganz schön.“

Die Besucher des Festgottesdienstes, der am Pfingstsonnabend, 7. Juni, um 15 Uhr in der Nikolaikirche beginnt, werden diesen allerdings trotzdem zunächst ohne Orgel feiern. Erst nimmt Landesbischof Gerhard Ulrich die Weihe des Instrumentes vor, dann darf Thomas Euler in die Tasten greifen. Im Anschluss an den Gottesdienst ist ein Empfang und ab 19 Uhr ein Orgelkonzert mit Professor Arvid Gast aus Lübeck vorgesehen. Das für heute geplante Orgelkonzert anlässlich der Heringstage entfällt.

Und Reinalt Klein? Steht in Latzhose und Karohemd auf der Leiter in seiner Orgel, in die er Jahre investiert hat und die er bald loslassen wird. Ist er erleichtert? „Es ist eher Befriedigung als Erleichterung“, sagt er. „Darüber, eine schwere Aufgabe mit Erfolg gelöst zu haben. Jetzt muss ihr Klang nur noch die Menschen erfreuen.“ Der Beweis folgt Pfingsten, wenn über die Kappelner nicht nur der Heilige Geist, sondern eben auch jede Menge Musik ausgeschüttet wird.

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erstellt am 31.Mai.2014 | 08:00 Uhr

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