Op Platt: Erinnerungen an "richtige Winter"

Wer sich beim Plattdeutsch-Klönschnack  ins Hochdeutsche verirrt, muss, so wie Kalle Theet-Meints (sitzend rechts), das Sparschwein von 'Baas' Wolfgang Jensen (sitzend links)  füttern.  Foto: uk
Wer sich beim Plattdeutsch-Klönschnack ins Hochdeutsche verirrt, muss, so wie Kalle Theet-Meints (sitzend rechts), das Sparschwein von "Baas" Wolfgang Jensen (sitzend links) füttern. Foto: uk

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15. Januar 2011, 03:59 Uhr

Gelting | Im besten Angelner Platt berichtete Jürgen Petersen von einem amüsanten Winter-Erlebnis beim "Plattdeutschen Klönschnack". Er war mit seinem Hund "Carlos" bei Schnee und Eis am Strand von Wackerballig unterwegs und stürzte. "Ick leeg asn Maikäfer op de Rüch un keem nich wedder op de Been." Statt Herrchen aufzuhelfen, warf "Carlos" sich auf ihn und wollte "kuscheln". Obwohl dem Geltinger sämtliche Knochen weh taten, nahm ers mit Humor und rappelte sich schließlich aus eigener Kraft auf.

Diese Episode passte bestens zum jahreszeitlich bedingten Thema "Wintertied", das sich die Plattdeutsch-Freunde für ihre jüngste Zusammenkunft mit "Baas" Wolfgang Jensen gestellt hatten. Seit 2002 treffen sich die Plattdeutschen aus dem Alt-Amt Gelting jeden zweiten Montag im Monat, um zu erzählen. Dabei ist Hochdeutsch verpönt und wird mit je einem Euro Strafgebühr geahndet.

Die Geltinger sprachen von einem aus ihrer Sicht "ganz normalen Winter". Sie kennen es aus ihrer Kinder- und Jugendzeit extremer. Schlittschuhlaufen auf zugefrorenen Überschwemmungen - das gab es bisher noch nicht.

"Weest du noch 1963 ?", fragte Wolfgang Jensen in die Runde. Da türmten sich die Eisschollen bei Schleimünde zu einem Berg auf, erfolgte in Kappeln der Lieferverkehr über die Schlei. Von der Schule gab es für die Kinder den Auftrag, Wasservögel zu füttern. Da lag Schnee noch bis Anfang Mai hinter den Knicks - das war alles nicht einfach, aber eine Katastrophe war das nicht, sondern einfach nur Winter.

Und auch an die sogenannte Schneekatastrophe 1978/79 erinnerte sich die Runde. Wegen des Stromausfalls schafften sich viele Menschen Notstromaggregate an. Seitdem stehen sie "in de Eck un waren nicht bruukt". Ob sie heute noch anspringen - die Plattdeutschen hegen Zweifel.

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