Bäderregelung in Kappeln : Olpenitz darf sonntags öffnen

So könnte das Feriendorf aussehen, wenn es fertig ist. Die Hafenstraße verläuft im Süden des Geländes an der Hafenkante entlang.
So könnte das Feriendorf aussehen, wenn es fertig ist. Die Hafenstraße verläuft im Süden des Geländes an der Hafenkante entlang.

Geschäfte, die an der Hafenstraße im Feriendorf entstehen, fallen künftig unter die Bäderregelung. Drei Bereiche in Kappeln werden gestrichen.

shz.de von
26. Mai 2018, 12:00 Uhr

In dieser Woche hat Schleswig-Holsteins Wirtschaftsminister Bernd Buchholz die neue Bäderverordnung vorgestellt. Das Papier regelt die Befreiung vom Verkaufsverbot an Sonn- und Feiertagen für Kur-, Erholungs- und Tourismusorte in der Zeit vom 15. März bis zum 31. Oktober. Für die meisten betroffenen Städte brachte die neue Verordnung praktisch keine Veränderung mit sich – für Kappeln schon. Erstmals wird eine Straße im Ostseeresort Olpenitz in der Regelung berücksichtigt, gleichzeitig verlieren drei Bereiche in der Stadt, die bislang unter die Verordnung fielen, ihren Status. Sowohl beim Hauptinvestor des Resorts als auch in der Verwaltung und im Wirtschaftskreis Pro Kappeln trifft diese Entscheidung der Landesregierung auf positive Resonanz.

Es ist die Hafenstraße im Olpenitzer Feriendorf, an der künftig – und zwar vorerst für die kommenden zehn Jahre – Geschäfte, die sogenannte Waren des täglichen Ge- und Verbrauchs verkaufen, auch sonn- und feiertags öffnen dürfen. Nun ist die Zahl der Geschäfte, die an eben dieser Stelle ab Ende Juni, wenn die Verordnung voraussichtlich in Kraft treten wird, davon einen Nutzen haben kann, aktuell überschaubar. Ein großer Lebensmittelmarkt ist im Entstehen, ein weiteres Gebäude, das Platz für Gewerbe hat, soll zum Jahresende fertig sein. Trotzdem: Es ist die Verlässlichkeit dieser Entscheidung, die Per Barlag Arnholm, geschäftsführender Gesellschafter der Helma Ferienimmobilien GmbH, Hauptinvestor im Resort, zu schätzen weiß. „Wir haben das Instrument des Sonntagsverkaufs bislang nicht für die Vermarktung genutzt, und das wollen wir auch künftig nicht“, sagt er. „Aber wenn ein Käufer danach fragt, können wir ihm jetzt etwas versprechen.“ Dabei räumt Arnholm ein, in die Gespräche, die die Kappelner Politik und Verwaltung mit dem Wirtschaftsminister zum Thema zu Jahresbeginn geführt hat, nicht unmittelbar involviert gewesen zu sein – „deshalb hat uns diese Entscheidung jetzt fast ein bisschen überrascht“. Die Zusammenarbeit mit der Verwaltung habe jedoch an dieser Stelle funktioniert. Arnholm: „Wir freuen uns auf jeden Fall darüber, denn die Chance, sieben Tage zu öffnen, ist notwendig im Resort.“

Dass eben das auch für Verwaltung und Politik ein ausschlaggebender Grund war, verdeutlicht Matthias Mau, in dieser Woche amtierender Bürgermeister. „Für Kappeln ist das eine gute Meldung“, sagt Mau. Und ähnlich wie Arnholm: „Die Notwendigkeit, sonntags öffnen zu dürfen, ist in Olpenitz größer als sonst irgendwo in Kappeln.“ Mau ist froh über die Einigung, die das Land gemeinsam mit Gewerkschaft und Kirche erarbeitet hat und erinnert an das Gespräch, das er sowie Rainer Moll in Funktion der stellvertretenden Bürgermeister, Bürgermeister Heiko Traulsen und Bürgervorsteherin Dagmar Ungethüm-Ancker im Januar mit dem Wirtschaftsminister im Rathaus geführt haben. Damals habe man Bernd Buchholz das Erfordernis einer Sonntagsöffnung im Feriendorf geschildert und gleichzeitig angeboten, dafür auf andere Straßenzüge in der Stadt, die bislang sonntags öffnen dürfen, zu verzichten. Konkret ging es dabei um Grauhöft, Nestléweg und Weidefelder Strand. Wolfhard Kutz aus der Verwaltung sagt dazu: „Wir konnten nicht einfach eine Forderung stellen, ohne einen Tausch anzubieten.“ Die Wahl sei auf diese drei Bereiche gefallen, da dort bislang ohnehin kein Geschäft des täglichen Bedarfs existiere und auch künftig nicht geplant sei.

Aus eben diesem Grund kann auch Stefan Lenz gut damit leben. Der Vorsitzende des Wirtschaftskreises Pro Kappeln spricht von einer „sinnvollen Entwicklungschance“ für das Ostseeresort, führt aber gleichzeitig einen anderen Wunsch an: „Wir wollen ja schon lange, dass die Wassermühlenstraße in die Bäderregelung einbezogen wird. Das ist leider immer noch nicht passiert.“ Auf diese Weise aber könne man einheimischen Betrieben die Möglichkeit eröffnen, vom Sonntagsverkauf zu profitieren.

Sorge, dass Gäste des Resorts nun sonntags nicht mehr nach Kappeln fahren, um einzukaufen, hat weder Stefan Lenz noch Matthias Mau. Mau sagt: „Es sind andere Angebote, die in der Stadt und in Olpenitz vorgehalten werden.“ Und Lenz findet: „Die Stadt steht für ein echtes Shopping-Erlebnis. Deshalb werden offene Geschäfte in Olpenitz die Leute nicht davon abhalten, nach Kappeln zu fahren.“ Mau knüpft derweil noch einen anderen Gedanken an die Sonntagsöffnung. „Die Rahmenbedingungen im Resort sind jetzt optimal“, sagt der amtierende Bürgermeister. „Und ich hoffe, dass das Projekt dadurch noch ein bisschen mehr Schwung erhält und den Ansporn, das Gelände mit Leben zu füllen.“

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