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HSV-Fanclub in Steinfeld : „Ohne Sarkasmus hält man es kaum aus“

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Aus der Redaktion des Schlei-Boten

Der Vorsitzende des HSV-Fanclubs „Schlei-Raute“, Werner Gabriel, spricht über die wohl schwerste Krise seines Lieblingsvereins.

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erstellt am 17.Apr.2015 | 12:30 Uhr

Sie leiden, die unzähligen HSV-Fans, die es auch in Angeln und der ganzen Region gibt. Zwar sind sie seit Jahren Kummer gewöhnt. Was ihnen ihr Lieblingsclub aber in dieser Saison zumutet, ist selbst für die leidensfähigsten Anhänger nur noch schwer zu ertragen. Wie sehr der drohende erste Abstieg des Traditionsvereins aus der ersten Fußball-Bundesliga an der Fan-Seele nagt, weiß Werner Gabriel aus eigener Erfahrung nur zu genau. Im Interview mit unserem Schleswiger Redaktionsmitglied Sven Windmann erzählt der Vorsitzende des Steinfelder HSV-Fanclubs „Schlei-Raute“, was ihn am meisten verzweifeln lässt – und was ihm jetzt noch Hoffnung macht.

 

Herr Gabriel, Sie zeigen gerne auch in der Öffentlichkeit, dass der HSV Ihr Verein ist. Wie schwer fällt Ihnen dieses Bekenntnis, wenn man ständig Häme einstecken muss?

Ich trage meine HSV-Jacke auch weiterhin. Und in meinem Garten weht auch immer noch die Fahne – und zwar nicht auf Halbmast. Da ist es mir egal, wie es um den Verein steht. Die Häme der Leute allerdings, etwa wenn man beim Kaufmann angesprochen wird, ist in letzter Zeit immer mehr in Mitleid umgeschlagen. Und das ist noch viel schlimmer.

 

Reagieren Sie darauf mit Erklärungsversuchen oder neigt man als leidgeprüfter HSV-Fan dann doch eher zum Sarkasmus?

Ich verteidige den Verein schon noch. Aber Sarkasmus muss immer dabei sein, sonst hält man es kaum aus. Dass gegenüber von uns aber ausgerechnet ein Bayern-Fan wohnt, der die Siege seiner Mannschaft gerne auch auskostet, macht es nicht immer einfach.

 

Als Vorsitzender eines Fanclubs kennen Sie viele Menschen in der Region mit ähnlichen Sorgen. Macht es das erträglicher? Nach dem Motto: Geteiltes Leid ist halbes Leid?

Wir schauen uns die Spiele immer mit bis zu 50 Fans in unserem Clubheim in Steinfeld gemeinsam an. Vorher und nachher wird natürlich alles rund um den HSV verhackstückt und ausdiskutiert. Wenn der dann wieder verloren hat, ärgern sich alle zwei Tage lang und hoffen, dass am nächsten Spieltag alles besser wird. Und dann geht alles von vorne los.

 

Dennoch halten die meisten Mitglieder sowohl dem HSV als auch Ihrem Fanclub weiter die Treue, oder?

Ja, man kann seinen Verein ja nicht einfach wechseln. Das geht nicht. Und was unseren Fanclub betrifft, haben wir momentan zwar nicht gerade viele Neuanmeldungen. Es gibt aber auch nur ganz wenige Abmeldungen. Ein Mitglied aber ist ausgeschieden. Er meinte, er könnte sich mit dem aktuellen Spielstil des HSV nicht mehr identifizieren. Was unabhängig davon auch auffällt: Momentan hat von uns kaum einer Lust, mal wieder ins Stadion zu fahren. Das will sich offenbar niemand mehr antun.

 

Was hat denn Ihrer Meinung nach zu diesem Absturz des Vereins geführt?

Ich denke, es waren einfach zu viele Trainerentlassungen in den letzten Jahren. Und in dieser Saison hat die Vereinsführung auch einige entscheidende Fehler gemacht. Die Mannschaft hat aber auch selbst Schuld. Denn das Mindeste, das man als Fan verlangen kann, ist doch wohl, dass die Spieler kämpfen. Aber auch daran fehlt es. Die Herren scheinen oft zu vergessen, dass wir Fans es möglich machen, dass sie so ein schönes Leben haben.

 

Glauben Sie denn, dass der neue Trainer Bruno Labbadia neues Leben in die Truppe bringen und damit die Wende zum Guten schaffen kann?

Das hoffe ich zumindest. Er war ja selbst guter Fußballer und ein Kämpfer. Außerdem kann er motivieren. Vielleicht erkennt Labbadia auch endlich, auf wen von den aktuellen Spielern man sich wirklich verlassen kann.

 

Und wenn es am Ende doch in die Zweite Liga runtergeht?

Da müssten wir dann wohl oder übel mit leben. Ich habe mich mit dem Gedanken sehr wohl befasst, tue mich aber weiterhin schwer damit. Keine Ahnung, was dann passieren würde und ob der Verein gleich wieder aufstehen würde.

 

 

 

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