Aus der Reihe „Originale“ : Ohne Antje Jöns läuft in Mohrkirch nichts

Immer Verantwortung übernehmen: Antje Jöns setzt sich seit über 50 Jahren für das Allgemeinwohl ein.
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Immer Verantwortung übernehmen: Antje Jöns setzt sich seit über 50 Jahren für das Allgemeinwohl ein.

Die 77-Jährige prägt seit mehr als 50 Jahren das Leben im Dorf und der Umgebung mit – und will es auch weiter tun.

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05. Juli 2014, 14:45 Uhr

  Sie sorgen nicht unbedingt für Schlagzeilen, sind aber in ihrer Heimat bekannt wie ein bunter Hund: In unserer neuen Serie porträtieren wir gemeinsam mit der Fotografin Susanne Panozzo Menschen, die auf ihre ganz eigene Art unverwechselbar sind. Weil sie echte Typen sind – Originale eben.

„Mich interessiert das öffentliche Leben und das, was um uns herum passiert. Ich will Bescheid wissen und da, wo es geht, Einfluss nehmen.“ Mit dieser Einstellung hat Antje Jöns aus Mohrkirch schon immer gelebt – und das will sie auch mit ihren 77 Jahren und nach dem Tod ihres Ehemanns beibehalten. Ihre Anwesenheit bei allen öffentlichen Veranstaltungen ist inzwischen so selbstverständlich, dass man sich in Mohrkirch und Umgebung große Sorgen machen würde, wenn sie zu einem offiziellen Termin nicht erscheint.

„Mitverantwortung sollte bei den Menschen eine große Rolle spielen“, sagt Antje Jöns. Denn wenn Gott einem Menschen schon etwas Grips gegeben habe, dürfe er ihn auch gerne einsetzen.

Ihre Startbedingungen waren alles andere als berauschend. Nur gegen das Versprechen, später in den landwirtschaftlichen Familienhaushalt einzutreten, durfte sie das Abitur machen. Nach einem Jahr unter den Fittichen ihrer Mutter wechselte sie auf eine andere Lehrstelle und machte den Abschluss in ländlicher Hauswirtschaft. Ihr Herzenswunsch, Lehrkraft an der Landwirtschaftsschule zu werden, erfüllte sich jedoch nicht: Der damalige Zeitgeist ließ es einfach nicht zu, dass eine Bäuerin auch noch einen Beruf ausübte.

„Heute hätte ich es anders gemacht, die Ausbildung fortgesetzt und wäre berufstätig geworden“, sagt Antje Jöns. Zumal ein zusätzliches Einkommen bei fünf Kindern und einem 20-Hektar-Betrieb dringend notwendig gewesen wäre. Erst die Umstellung des Betriebs auf die Erdbeerproduktion brachte schließlich den wirtschaftlichen Erfolg.

Dem eigenen Anspruch von der Mitverantwortung wurde Antje Jöns schon früh gerecht. Bereits mit 15 Jahren gründete sie zusammen mit anderen eine Landjugendgruppe. 16 Jahre war sie Kreisvorsitzende der Landfrauen und machte in dieser Zeit noch ihren Meister in ländlicher Hauswirtschaft. „Bei den Landfrauen haben mich die Themen gereizt und das Miteinander“, klärt Jöns über die prägendste Zeit in ihrem Leben auf. In der Gemeinschaft anderer Frauen habe sie schöne kulturelle Dinge und auch Reisen erlebt.

Ihre politische Heimat ist die CDU, für die sie zwei Jahre im Kreistag saß. 13 Jahre war sie Gemeindevertreterin und 14 Jahre lang Ortsvorsitzende. Die Schlüsselposition in Vereinen und Verbänden ist für sie die des Schriftführers. „Das scheint ein Posten zu sein, der für Aufstieg steht“, meint sie lächelnd. Sie selbst ist dafür das beste Beispiel. Jede ihrer Führungspositionen begann mit dem Verfassen von Protokollen.

Das Schreiben war auch Ausgangspunkt für eine Aufgabe, die sie in jedem Haushalt Mohrkirchs präsent macht – auch wenn sie nicht persönlich da ist. Die dem Dorfleben eng verbundene Frau gibt eine Informationsschrift heraus, die zwar auch einen offiziellen Namen hat, aber generell nur als „Antjes Blättchen“ bezeichnet wird. Auf vier DIN-A4 Seiten berichtet sie über die Sitzungen der Gemeindevertretung (bei der sie nie fehlt), listet Veranstaltungen auf und gibt Termine bekannt. Besonders beliebt sind ihre Gedichte, die sie je nach Jahreszeit auswählt. „Es ist ein absolut ungefährliches Blättchen und greift niemanden an“, erklärt Antje Jöns. Wann immer es geht, berichtet sie positiv und anerkennend.

Im Dorf sieht sie noch Potenziale. Die Kulturszene besteht aus Theatergruppe und Museum. „Aus diesem Bereich ließe sich noch mehr machen“, erklärt sie. Aber dazu bedürfe es eines Machers oder einer Macherin, die sich in diese Aufgabe mit Herzblut hineinknien. Denn sie selbst habe ihre Talente auch nur durch die Anforderungen ausleben können, die ihr der Lebensweg gegeben habe.

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