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350 Jahre Stadt Arnis : Offa – Mystischer Ort der Heilung?

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Aus der Redaktion des Schlei-Boten

Der Quelle in Arnis an der Schlei werden heilende Kräfte nachgesagt.

shz.de von
erstellt am 10.Jun.2017 | 06:47 Uhr

Arnis | Die Stadt Arnis feiert in diesem Jahr ihren 350. Geburtstag. In einer losen Reihe würdigt Schlei Bote dieses Ereignis und stellt Besonderheiten der kleinsten Stadt Deutschlands vor.

Er soll blind und stumm gewesen sein. Und auch von Lähmungen und krummen Gliedern ist die Rede bei Offa, dem Sohn Wermunds, einem mittelalterlichen König der Angeln im nördlichen Schleswig-Holstein. Dass er rechtzeitig gesund und stark wurde, um zu kämpfen und das Land zu verteidigen – das hat er der Sage nach einer Quelle zu verdanken, die in Arnis bis heute noch sprudelt. Aber was ist dran an der angeblichen Heilkraft der Offa-Quelle?

Früher lag sie im Uferbereich, durch Landabbrüche entspringt sie inzwischen auf dem Grund der Schlei, nahe des Ufers. Ein Stein aus dem das Wasser sprudelt erinnert an die Offa-Quelle, eine kleine Tafel erklärt sie und die Geschichte, die sich um sie rankt:

Die Sage


König Wermund war schon betagt und seine Augen wurden schwächer, als ein Fürst der Holsteiner seinen Sohn zum Kampf herausforderte. Wermund war besorgt, denn Offa war gebrechlich und zum kämpfen nicht in der Lage. „Da erfuhr der König von einer Quelle an den Ufern der Schlei, deren Wasser eine wundersame Kraft haben sollte. Wer in dieser Quelle alle sieben Jahre im Banne des Sirius bei Vollmond bade, der würde von allen Leiden geheilt und in der Lage sein, jeden Feind im Zweikampf zu besiegen.“ So steht es in „Die Wikinger, Holzkunst aus Angeln“. Der Königssohn kämpfte auf der Eiderinsel und überwältigte seine Gegner. „So schützte Offa sein Land gegen die Holsteiner und hat es später ebenso getan gegen einen König der Dänen, der Alewig hieß und damals für den trefflichsten aller Männer galt.“ So überliefert es Karl Müllenhoff in „Märchen, Sagen und Lieder“.

Der Wissenschaftler


„Angeln ist die Landschaft der Quellen – so beschreibt es schon Jensen in seinem Buch ,Angeln’ von 1844“, berichtet Dr. Klaus Hans Nachtigall. Er wohnt nicht nur in unmittelbarer Nachbarschaft zur Offa-Quelle, er war auch jahrelang im geowissenschaftlichen Dienst der Landesregierung für die Erforschung der unterirdischen Wasservorkommen zuständig und hat sich auch mit der Offa-Quelle beschäftigt. Eine Quelle ist ein Ort, an dem durch zu viel Überdruck Grundwasser auf natürliche Weise an der Geländeoberfläche austritt. Es gebe viele Quellen an der Schlei, sagt der Experte. „Das kann man im Winter besonders gut sehen. Das Grundwasser hat eine mittlere Jahrestemperatur von plus 8 Grad Celsius, da friert das Wasser nicht zu.“ Wie viele Quellen es sind, das vermag aber auch der Fachmann nicht zu sagen. Nachtigall betrachtet die Sage um König Wermund und seinen Sohn, wie sie auch im Widsith- oder dem Beowulf-Epos überliefert wurden, mit Interesse, aber eher nüchtern mit dem Auge des Naturwissenschaftlers. „Unsere Altvorderen hatten ein großes Interesse am Grundwasser und seinen Geheimnissen. Woher kommt es? Wo geht es hin? Das hatte viel mit Glaube, aber auch mit Aberglaube zu tun. Das ist kein Wunder, gab es doch kaum Bildung und Erkenntnisse über naturwissenschaftliche Zusammenhänge. Aber gerade das Geheimnisvolle ist es ja, was die Menschen interessiert und zu weiteren Untersuchungen anregt.“ Nachtigall berichtet auch von Überlegungen der Stadt vor einigen Jahrzehnten, die Offa-Quelle als Heilwasser deklarieren zu lassen. In diesem Zusammenhang wurde die Wasserqualität der Offa-Quelle untersucht. „Als Heilwasser wenig geeignet: Es ist eine Stahl-Quelle, hieß es am Ende, sehr eisenhaltig.“

Die Stadtführerin


Von diesen Untersuchungen in den 60-er Jahren berichtet auch Erika Kotenbeutel. Die ehemalige Küsterin der Arnisser Schifferkirche, die heute noch Führungen durch das Gotteshaus und die Stadt macht, kennt viele historische Fakten, aber auch Sagen rund um die Schlei. Sie erzählt von einem Osterbrauch, der mit dem Quellwasser und seiner sagenumwobenen Wirkung in Verbindung stehen könnte.

„Am Ostersonntag, wenn der erste Sonnenstrahl auf ein fließendes Gewässer fällt, wurde das Wasser geholt. Die jungen Mädchen, alles Jungfrauen, durften dabei nicht reden oder lachen und auch nicht gestört werden. Natürlich haben die Jungs sich einen Spaß daraus gemacht, sie zu erschrecken“, berichtet Erika Kotenbeutel und erinnert sich selbst noch lebhaft. Sie ist in Grödersby aufgewachsen und immer zum Bach im Hüholz gegangen. „Das Wasser wurde nach Hause gebracht und bei Augenleiden oder anderen Gebrechen aufgetragen“, erzählt sie. Ihre Großmutter Berta wollte es immer für ihre schwächer werdenden Augen haben, den Rest bekam das Vieh, damit es gesund durch das Jahr kam. „Oder, wie bei Oma Berta, die Katzen und die Hühner“. Ein spannender Brauch, aber Erika Kotenbeutel ist nicht bekannt, ob er heute noch praktiziert wird. „So etwas verliert sich mit der Zeit. Ich glaube, ich gehörte zur letzten Generation.“ Aber so genau könne man es nicht wissen, denn diese Bräuche wurden oft im Geheimen praktiziert. „Darüber sollte man ja eigentlich auch nicht sprechen, und natürlich hat das auch etwas mit dem Glauben zu tun oder damit, woran der Mensch glauben will. ,Das tut mir gut’ – diese Einstellung hat bei vielem geholfen“. Die Offa-Quelle – ja, die sei den Menschen in Arnis ein Begriff, erklärt Erika Kotenbeutel. „Und an jeder Sage ist doch immer auch immer etwas Wahres dran“, sagt sie und lacht.

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