Schleischifffahrt : Noch einmal durchgewischt und los

Juliane und Jan Ole Sebode haben in den vergangenen Tagen die MS „Stadt Kappeln“ noch komplett gestrichen und gereinigt.
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Juliane und Jan Ole Sebode haben in den vergangenen Tagen die MS „Stadt Kappeln“ noch komplett gestrichen und gereinigt.

Die MS „Stadt Kappeln“, der Raddampfer „Schlei Princess“ und die MS„ Wikinger Princess“ starten morgen in die Saison.

shz.de von
31. März 2017, 07:00 Uhr

Das Sonnendeck strahlt in frischer Farbe, und das Dach sieht aus wie neu – in den vergangenen Tagen hat das Motorschiff „Stadt Kappeln“ einen fast komplett neuen Anstrich erhalten. „Rund 90 Liter Farbe habe wir verbraucht“, berichtet Juliane Sebode, Inhaberin und Kapitän des Schiffes. Den ganzen Februar hat es in der Werft gelegen, damit der Unterboden erneuert werden konnte. Seit Anfang März hat sie mit ihrem Team gestrichen und geputzt. Ein gründlicher Frühjahrsputz steht zwar jedes Jahr an, aber einen neuen Anstrich gibt es nur nach Bedarf – „so alle zwei bis drei Jahre“, verrät Frau Kapitän. Jetzt kann die neue Saison starten. Und für MS „Stadt Kappeln“ beginnt sie schon morgen.

Am 1. April geht es los. „Und das ist kein Aprilscherz“, sagt Sebode und lacht. Regelmäßig bietet sie jetzt wieder fast täglich Touren über Maasholm nach Schleimünde an. Dazu kommt immer am Freitag die Fahrt nach Schleswig, von Mai bis September zusätzlich noch am Dienstag. Einen freien Tag gibt es für die Unternehmerin dann bis Ende Oktober nicht mehr. In den Wintermonaten kann das Schiff für Feiern – mit oder ohne Ausfahrt – gechartert werden. Und eben auf Vordermann gebracht werden. Wie die vergangene Saison war? Zahlen stehen zwar in den Büchern, interessieren die 54-Jährige aber weniger: „Es gibt Wichtigeres.“ Das Geld soll am Ende stimmen. „Die letzte Saison war nicht super toll, aber in Ordnung. Das Wetter war durchwachsen“, sagt sie und blickt nach vorn. Sie packt auf dem ehemaligen russischen Motorschiff überall mit an. 100 Gäste passen rauf. „Die meisten sind Touristen, aber ich habe auch einheimische Stammgäste“, berichtet Sebode. „Zum Beispiel die Frau aus Ellenberg. Der Eiergrog an Bord schmeckt ihr so gut. Und sie bringt oft ihre Urlaubsgäste mit.“ Aber nicht nur der Eiergrog macht von sich reden, Juliane Sebode sorgt auch sonst für deftige Verpflegung. Neu in der kommenden Saison werden die herzhaften, selbst gemachten Kartoffel-Waffeln, die je nach Wunsch mit Sour Cream, Matjes, Käse oder Speck serviert werden.

Für die Kinder ist die Schatzsuche eine große Attraktion: Auf der Lotseninsel bekommen sie einen Lageplan mit auf den Weg und werden dann als Abenteurer aktiv. „Das ist einmalig“, ist Sebode überzeugt. Auch das Seemannspatent, das Kinder bekommen, wenn sie das Schiff einmal gesteuert haben, ist beliebt. Beide Angebote sind kostenfrei.

Seit 1994 fährt Juliane Sebode mit der MS „Stadt Kappeln“ auf der Schlei, begonnen hatte sie acht Jahre vorher mit der „Bente“. Wie wird man Frau Kapitän? „Mein Vater, Onkel, Opa, Uropa – alle sind zur See gefahren. Ich habe so viele Geschichte darüber gehört, da wollte ich das weiter machen“, sagt die gebürtige Flensburgerin. Ihr Sohn Jan Ole (31) ist schon als kleines Kind mitgefahren. Inzwischen hat er das große A-Patent und möchte das Geschäft seiner Mutter irgendwann weiterführen.

Der andere Anbieter von Schleifahrten ist der Reisedienst von Gerda Müller, der mit der MS „Wikinger Princess“ und dem Raddampfer, der „Schlei Princess“, von Kappeln aus in See sticht. Auch hier startet die Saison am morgigen Sonnabend. Allerdings stehen für beide Schiffe noch spannende Neuerungen an: Die „Wikinger Princess“ bekommt ein Cabrio-Dach“, verrät Jürgen Ehrich, im Betrieb seit mehr als 20 Jahren zuständig für Marketing und Organisation. 200 Personen passen auf das Ausflugsschiff, das neben dem Hauptsalon auch zwei Decksalons bietet. Aber bisher konnten nur 50 Gäste draußen sitzen. „Und bei schönem Wetter wurde es dann eng“, so Ehrich weiter. Der ehemalige Kapitän Wolf Wenzel hatte die Idee: Ein Schiebedach, ähnlich einer Schwimmbadüberdachung, kann mehr als 100 Menschen ein windgeschütztes Frischlufterlebnis bescheren. Zwei Fliegen mit einer Klappe, findet Ehrich, der von dem Vorhaben „restlos begeistert“ ist. Mehr Licht und Freiluft bei Bedarf: „Alles andere wäre komplizierter und teuer gewesen“, sagt er. Der Umbau steht vor der Tür und soll vor Beginn der Hauptsaison ab Mai fertig werden.

Die „Schlei Princess“ ist startklar für morgen. Das Schiff, das erst 2014 in den Dienst gestellt wurde, soll in den nächsten Wochen aber auch noch etwas komfortabler werden: Das Freideck unter der sogenannten Flybridge soll mit Fenstern, die bei schönem Wetter aufgeklappt werden können, ausgestattet werden: „So sitzen die Passagiere draußen, sind aber gegen die Unbilden des Wetters geschützt.“ Trotzdem nimmt die „Schlei Princess“ den Betrieb nach Fahrplan auf, und ab dem 23. April sind auch die Kombinationsfahrten mit der Angelner Dampfeisenbahn wieder buchbar. „Jubliäum – die Möglichkeit gibt es jetzt seit zehn Jahren. Sie ist sehr beliebt bei Touristen und auch mit dem Fahrrad möglich“, erklärt Ehrich. Stolz sei er auf die Familienkarten, die für Paare mit drei Kindern („es müssen nicht die eigenen sein“) gelten. An Alleinerziehende wird mit den Single-Familienkarten gedacht. An Bord macht das Piratenschiff dem Nachwuchs Spaß. „Und sorgt für entspannte Eltern“, so der Mitarbeiter weiter. Auch die Schiffe des Reisedienstes Müller fahren Maasholm und Schleimünde, Lindaunis und Schleswig an. In Zusammenarbeit mit dem Verein „Jordsand“ werden in Schleimünde kurze Führungen durch das Vogelschutzgebiet angeboten. Die Aufenthaltsdauer an den Anlegestellen können die Passagiere flexibel gestalten.


>www.schlei-ausflugsfahrten.de

>www.schleiraddampfer.de

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