Interview: Podcast Hey DJ : Nis Rieger und Dennis Angermann: „Die Geschichten sind sehr persönlich und informativ“

Nis Rieger und Dennis Angermann arbeiten selbst nebenberuflich als DJs und wünschen sich, dass Clubs, Restaurants und Veranstaltungsräume bald wieder öffnen dürfen.
Nis Rieger und Dennis Angermann arbeiten selbst nebenberuflich als DJs und wünschen sich, dass Clubs, Restaurants und Veranstaltungsräume bald wieder öffnen dürfen.

Nis Rieger und Dennis Angermann lassen in ihrem Podcast Menschen aus der Veranstaltungsbranche ihre Geschichte erzählen.

Avatar_shz von
29. Dezember 2020, 00:00 Uhr

Kappeln/Süderbrarup | Sie kennen sich schon seit der Schulzeit, und sie haben ein gemeinsames Hobby: Dennis Angermann (26) und Nis Rieger (27) legen in ihrer Freizeit Musik auf – sie sind DJs aus Leidenschaft. Sie leiden unter den Einschränkungen, die Corona für die Veranstaltungs- und Kulturbranche mit sich gebracht hat, vor allem aber fühlen sie mit denen, die beruflich abhängig sind von offenen Clubs und Restaurants, großen Partys, Konzerten und Festen. Seit dem 9. November geben sie diesen Menschen mit ihrem Podcast „Hey DJ“ eine Plattform. Die Zuhörer hören Geschichten, aus einem Berufszweig, der sich eigentlich bereits seit März durchgängig im Lockdown befindet. Zu Gast bei „Hey DJ“ waren zum Beispiel auch die Kappelner John Vorbringer (NCE Veranstaltungstechnik) und Lars Agger (Cameo). Im Interview sprachen Dennis Angermann und Nis Rieger jetzt mit Schlei Bote-Redakteurin Doris Smit.

Dennis Angermann, Nis Rieger, Sie arbeiten normalerweise beide als DJ. Wo hat man Sie bisher getroffen?

Nis Rieger: Ganz unterschiedlich, ich mache viel Musik auf Privatfesten, aber zum Beispiel auch im Ela-Ela in Schleswig.

Dennis Angermann: In Kappeln kennt man uns zum Beispiel aus dem Goosbusters. Wir haben auch vier Jahre lang den Abiball in Kappeln begleitet. Aber als DJ kommt man einfach viel rum in der Region.

Wie ist es nun zu dem Podcast „Hey DJ“ gekommen?

Dennis Angermann: Ich habe mit einem Freund schon etwas länger den Comedy-Podcast „WGN.“.

Nis Rieger: Ich habe mit dem Podcast „Hey DJ“ ebenfalls mit einem Freund schon erste Erfahrungen gesammelt. Aber das war etwas eingeschlafen. Nun hatte ich die Idee, nicht nur aus dem Nachtleben zu berichten, sondern von Menschen, die besonders unter der Corona-Pandemie zu leiden haben. Dennis war sofort dabei. Wir möchten etwas machen um zu zeigen, wie schlecht es der Branche geht, weil viele sich gar nicht vorstellen können, wie es wirklich für diese Menschen aussieht und was in ihnen vorgeht. Dennis weiß genau, wie man einen Podcast produziert, wie man aufnimmt, schneidet und verbreitet. So sind wir zusammen gekommen.

Wie bereiten Sie sich auf so ein Interview vor?

Dennis Angermann: Es gibt einen kleinen Fragenkatalog, aber meistens entwickelt sich das Gespräch einfach.

Nis Rieger: Wir stecken ja selbst drin im Thema, nur dass wir eben nur nebenberuflich als DJ arbeiten und es uns nicht so hart trifft. Die Geschichten, die wir hören, sind mal traurig und ergreifend, mal aber auch voller Kreativität und Positivismus, in jedem Fall aber sehr persönlich und informativ. Und sie müssen einfach mal erzählt werden.

Wer war schon zu Gast, wer wird noch kommen?

Nis Rieger: Unser erster Gast war Christos. Er ist DJ und Betreiber des Bootshauses in Flensburg, dann besuchten wir John Vorbringer, ehemaliger DJ und mittlerweile Meister für Veranstaltungstechnik in Kappeln. In Folge 3 waren wir bei DJ Helly. Anfang Dezember haben wir Lars Agger, Betreiber des Cameo in Kappeln, befragt. Beim Podcast vom 20. Dezember war Showbarkeeper Sazha Gross unser Gesprächspartner.

Dennis Angermann: Die nächste Folge produzieren wir am Sonntag, 3. Januar, mit Marcel Müller, der in diesem Jahr mit Flair & Sound Musik in viele Gemeinden gebracht hat. Außerdem werden wir noch mit DJ Diamond, das ist Kevin Kalder aus Heide, und Elvis PA von der Firma Schultz Messe & Event aus Jardelund sprechen.

Wo nehmen Sie die Interviews auf? Gibt es ein Studio?

Dennis Angermann: Nein, wir besuchen eigentlich die Gesprächspartner am Ort des Geschehens – soweit das zurzeit möglich ist.

Nis Rieger: Der geplante Podcast mit Kevin Kalder wird vielleicht der erste sein, der online entsteht. Die Gäste, die wir haben, sind meist alle technisch versiert und gut ausgestattet. Da ist vieles möglich.

Sie sind ja inzwischen Profis, aber haben Ihre Gäste auch mal Hemmungen so offen vor dem Mikro zu sprechen? Gibt es die Möglichkeit, anschließend etwas herauszuschneiden?

Nis Rieger: Die Menschen, die wir bis jetzt befragt haben, kommen ja alle aus derselben Branche. Bis jetzt kennen wir die meisten persönlich, und die Gespräche waren alle sehr offen.

Dennis Angermann: Aber wir bieten immer an zu schneiden, falls mal etwas rausrutscht, was nicht für die breite Öffentlichkeit gedacht ist. Aber bis jetzt mussten wird das zum Glück noch nicht tun.

In welchen Abständen werden die Podcast-Folgen veröffentlicht?

Dennis Angermann: Wir nehmen einmal pro Woche auf, meist an einem Freitag. Meistens ist die Folge dann ein, zwei Tage später auf Sendung. Es muss schnell gehen, und bei diesem Thema kann man auch nichts vorproduzieren, weil sich die Lage so schnell ändert.

Wo ist der Podcast zu hören?

Nis Rieger:Eigentlich sind wir bei allen bekannten Anbietern zu hören, wie Spotify, Deezer, Amazon Music, Google Podcasts oder Apple Podcast.

Kann man damit eigentlich Geld verdienen?

Dennis Angermann: Nein, wir zahlen monatlich an den Anbieter „Podigee“, bei dem wir die Daten hochladen. Geld kann man mit Podcasts nur verdienen dann, wenn man Werbeverträge eingeht. Das wollen wir nicht. Oder mit einem Exklusivvertrag – aber das sehe ich bei uns nicht (lacht).

Nis Rieger: Wir machen das, weil es uns Spaß macht. Wenn wir damit auch überregionalen Erfolg haben, freuen wir uns – für uns selbst, vor allem aber freuen wir uns für die Leute, die zu Wort kommen und gehört werden.

Können Sie etwas zu den Zahlen sagen? Wie viele Menschen hören „Hey DJ“?

Dennis Angermann: Wie viele Hörer wir haben, hängt auch mit der Bekanntheit unserer Gäste zusammen. Aber darum geht es uns nicht. Es ist egal, ob jemand 40 Facebook-Freunde oder 40 000 Instagram-Follower hat. Es geht uns um die Geschichte, die er zu erzählen hat.

Nis Rieger: Wir können aber sagen, dass die Zahlen stetig steigen und monatlich inzwischen im vierstelligen Bereich liegen. Das freut uns natürlich.

Und wenn Corona vorbei ist? Endet dann auch der Podcast?

Nis Rieger: Nein, warum denn? Dann werden wir fragen, wie es nach der Krise weitergeht, fragen, ob jemand vielleicht sogar davon profitiert hat, weil er eine kreative Idee hatte oder warum der eine oder andere Club schließen musste. Es wird in der Veranstaltungsbranche auch nach Corona viele erzählenswerte Geschichten geben.

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen