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Schlei-Bote

16. August 2017 | 22:17 Uhr

Kappeln : Neuer Schwung für Südhafen?

vom
Aus der Redaktion des Schlei-Boten

Die Stadt will einen eigenen B-Plan für die Cremilk aufstellen – das soll die Planung für das gesamte Areal voranbringen.

Überlegungen zur Entwicklung des Südhafens gibt es schon einige Jahre. Fast ein Jahr ist es nun her, dass die Stadt eine Veränderungssperre über das Gebiet des Südhafens und des Südspeichers verhängt hat. Doch was hat sich in der Zwischenzeit getan? Der Bauausschuss unter Vorsitz von Volker Ramge (CDU) wollte dazu in der jüngsten Sitzung des Gremiums einen Sachstandsbericht des beauftragten Planungsbüros AC Planergruppe aus Itzehoe hören. „Der Südhafen wird bei den Bürgern einhellig als Schandfleck empfunden. Wir haben die Pflicht das zu ändern, aber auch ein Gesamtkonzept zu entwickeln“, umriss Ramge die Ausgangslage. Auch wenn es noch kein Gesamtkonzept gibt, kommt nun durch eine neue Idee Bewegung in die Sache.

Doch zunächst ein Blick zurück. Unmittelbarer Anlass für die Veränderungssperre war damals ein Plan für hochwertige Wohnbebauung auf dem Gelände der seit vielen Jahren leer stehenden Kruse-Hallen. Hier sahen Politik und Verwaltung Konfliktpotenzial mit dem benachbarten Cremilk-Werk. Damit die Stadt das Areal insgesamt überplanen und einer stimmigen Nutzung zuführen kann, erließ sie im Oktober vergangenen Jahres die Veränderungssperre.

Auf der jüngsten Bauausschusssitzung wurde nun bekannt, dass die Stadt einen eigenen Bebauungsplan, nämlich den B-Plan 80, für die Cremilk auf den Weg bringen will, denn der Milchpulverhersteller mit seinen rund 200 Mitarbeitern ist weder über den B-Plan Nr. 71 für den Südhafen noch über den B-Plan Nr. 73 für den Südspeicher erfasst. Für CDU-Fraktionschef Matthias Mau war dieser Punkt von hoher Bedeutung. „Es gibt auch eine Schutzbedürftigkeit des Betriebes gegenüber der Nachbarschaft. Schließlich geht es hier um Arbeitsplätze“, sagte er. Für Mau ist es daher ein „öffentliches Planungsziel“, dass die Cremilk nicht in Not gerät. Michael Arendt (LWG) bestätigte diese Ansicht: „Wir wissen um die Dringlichkeit des B-Plans 80.“

Obwohl die Cremilk nicht von der Veränderungssperre betroffen ist, da sie weder Bestandteil des B-Plans 71 noch des B-Plans 73 ist, bestritt Geschäftsführer Jens Ramsl konkrete Erweiterungspläne seines Unternehmens auf der Fläche der ehemaligen Kleingartenanlage „Nestlé“. „Es gibt nichts Konkretes, es ist nichts in der Planung, aber mit diesem Grundstück haben wir wieder richtige Gedankenfreiheit“, sagte Ramsl auf Anfrage unserer Zeitung. Überdies pflege man eine friedliche und partnerschaftliche Koexistenz mit den Anliegern.

Doch wurde im Bauausschuss auch deutlich, dass einer künftigen Wohnbebauung in unmittelbarer Nähe der Cremilk Grenzen gesetzt sind. So etwa bezeichnete Corinna Graunke die Lage der Kruse-Hallen wegen ihrer Wassernähe als gut. „Doch es wird schwierig, hier eine weitere schutzwürdige Bebauung zur Cremilk zu errichten“, sagte die CDU-Parteivorsitzende. Landschaftsarchitekt Martin Stepany von der AC-Planergruppe stimmte ihr zu: „Eine Wohnnutzung der Kruse-Hallen geht nicht oder nur mit Einschränkung.“

Indes betonte Christian Andresen (SSW), dass es die Cremilk, aber ebenso auch die Museumsbahn und den Yachthafen abzusichern gelte. Damit deutete Andresen indirekt auch die schwierige Gemengelage in dem Areal an mit verschiedenen Eigentümern unterschiedlicher Nutzung und anderen Interessen. Hinzu kommt die ungewisse Zukunft der Museumsbahn. Gleichwohl äußerte sich Andresen unzufrieden über den bisherigen Verlauf. „Wir haben den Auftrag 2012 vergeben. Bis jetzt haben wir gewartet, dass sich was tut. Doch bis jetzt ist nichts geschehen“, sagte er. Und der SSW-Fraktionsvorsitzende machte deutlich, dass er vom Planungsbüro Ideen erwartet. Ramge nahm diese Kritik auf, sprach allerdings von Versäumnissen der Verwaltung. Arendt stellte indes klar: „Wir müssen unsere Ideen konkretisieren, doch dazu brauchen wir auch planerische Hilfe.“

Matthias Mau kann sich in der Ecke etwas unter dem Titel „Freizeit und Gewerbe“ vorstellen. „Wir könnten dort bezahlbaren Wohnraum und eventuell auch bezahlbare Gewerbeflächen entwickeln“, meinte der CDU-Fraktionschef angesichts der in der Stadt knapper werdenden freien Gewerbeflächen. Für luxuriöses Wohnungen sieht Mau keine Möglichkeiten. Auch Mau hat kein Gesamtkonzept für das Areal – „doch vielleicht könnte diese Diskussion ein kleiner Start sein, sich damit intensiver zu befassen“. Bauamtsleiter Erich Reuter ist sich derweil sicher, dass die Veränderungssperre nicht über die maximale Zeit von vier Jahren aufrecht erhalten wird. „Das will kein Mensch“, sagte er. Reuter glaubt vielmehr, dass mit dem B-Plan Nr. 80 für die Cremilk die ganze Angelegenheit an Dynamik gewinnt. Bereits auf seiner nächsten Sitzung am 21. September könnte der Bauausschuss den Aufstellungsbeschluss für den B-Plan fassen und damit vielleicht die dringend benötigte Dynamik gewinnen, um dem „Schandfleck“ in absehbarer Zeit den Garaus zu machen.

 

 

 

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erstellt am 29.Aug.2015 | 08:30 Uhr

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