Kappeln : Neuer Hausherr in der Koslowski-Halle

Die Schlüsselgewalt über die Koslowski-Halle liegt künftig bei Stefan Lenz (li.). Rainer Koslowski hat seinen Veranstaltungsort an das St. Nicolaiheim verkauft.
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Die Schlüsselgewalt über die Koslowski-Halle liegt künftig bei Stefan Lenz (li.). Rainer Koslowski hat seinen Veranstaltungsort an das St. Nicolaiheim verkauft.

Das St. Nicolaiheim kauft die Veranstaltungshalle im Bahnhofsweg. Die Öffentlichkeit soll bei der Nutzung künftig stärker zum Zuge kommen.

shz.de von
28. März 2017, 07:00 Uhr

Ein paar Mal wollte er die Halle schon abschließen. Ein paar Mal hatte er schon den Mut verloren, wollte hinschmeißen. Soll doch jemand anders weitermachen. Aber immer wenn er kurz davor war, hat Rainer Koslowski sich einmal kurz gedanklich geschüttelt – und eben doch nicht aufgegeben. Vom Aufgeben ist er auch heute noch weit entfernt, trotzdem hat er diese Halle, die seinen Namen trägt, zum 1. April verkauft. Der 75-Jährige sitzt im Sessel vor dem kalten Kamin mitten in der Koslowski-Halle. Und er wirkt irgendwie leichter. Gelöst. Beruhigt. „Es reicht jetzt auch“, sagt er dann und lächelt. Nicht nur mit dem Mund, auch mit den Augen. Derjenige, der an dieser Leichtigkeit nicht ganz unschuldig ist, sitzt ihm gegenüber. Stefan Lenz, Geschäftsführer des St. Nicolaiheims und der Kappelner Werkstätten – und neuer Eigentümer der Koslowski-Halle. Der bisherige Eigentümer sagt: „Ich hätte nicht an jeden verkauft.“

Es ist knapp 20 Jahre her, dass Rainer Koslowski das frühere Sägewerk am Bahnhofsweg gekauft hat. 500 Quadratmeter Fläche, Innenhof, dunkle, freistehende Balken, Fenster bis zum Boden. Lang schlummerte es ungenutzt vor sich hin, 2009 dann startete er seine erste Veranstaltungsreihe: Comedy, Konzerte, Lesungen. Mal konnte er sich vor Besuchern kaum retten. Mal hätte auch sein Wohnzimmer gereicht, um das Publikum unterzubringen. Koslowski investierte in Schallschutz, in Brandschutz, ließ neue Fensterscheiben einsetzen, zog eigenhändig einen Windfang ein. Das war 2014. Damals fühlte er sich getragen von mehr als 3600 Menschen, die sich mit ihrer Unterschrift für den Erhalt der Halle stark gemacht hatten. Heute sagt er: „Irgendwann war ich dann schon enttäuscht, dass die große Mehrzahl trotzdem nicht zu Veranstaltungen erschienen ist.“ So blieb jedes Konzert, jeder Comedy-Abend eine Zitterpartie. Aber Rainer Koslowski sagt auch: „Es gab Ärger, natürlich gab es den. Aber es hat überwiegend Spaß gemacht.“

Dass sich der Spaß auch für Stefan Lenz einstellt, davon geht der neue Eigentümer fest aus. Und er verbindet mit dem Kauf der Halle eine ganz bestimmte Botschaft. „Wir, das St. Nicolaiheim, möchten damit auch zeigen, dass wir uns, genauso wie Rainer Koslowski, verantwortlich für die Region fühlen und ihr etwas bieten möchten“, sagt Lenz. Denn auch wenn der Trägerverein der Kappelner Werkstätten sich gut vorstellen kann, den Raum für eigene Zwecke zu nutzen, ist Lenz vor allem eines wichtig: „Es ist ein Veranstaltungsort für die Öffentlichkeit. Das ist unsere klare Präferenz.“ Auch für private Feiern soll die Halle weiterhin zur Verfügung stehen. Und um Comedy und Musik soll sich künftig ein externes Veranstaltungsbüro kümmern, das den Raum vom St. Nicolaiheim mieten kann; dort laufen derzeit Gespräche. „Was das betrifft, kennen wir uns einfach zu wenig aus“, sagt Lenz. „Da muss ein Profi ran.“ Allerdings erst im nächsten Jahr, das laufende Jahr wird ein wenig ausplätschern – unter anderem mit noch von Rainer Koslowski organisierten drei festen Veranstaltungen – und den Verantwortlichen genug Luft für einen guten Übergang bieten. Aber Stefan Lenz betont: „Wenn wir Kultur in der Koslowski-Halle behalten wollen, dann sind alle gefordert. Stadt, Tourismus, Wirtschaft, aber auch die Bevölkerung – jeder muss dazu beitragen und vor allem auch hingehen.“ Es soll Leben in die Halle und so ein kultureller Mittelpunkt der Stadt entstehen, mehr noch als es bislang der Fall war. Sonst nämlich könnte der noch in Aussicht stehende Veranstaltungsmanager ganz schnell wieder weg sein.

Über den Kaufpreis haben beide Seiten Stillschweigen vereinbart, Stefan Lenz spricht allerdings von einem „fairen Preis“. Und davon, der Halle gerne einen neuen Namen geben zu wollen. Welchen ist noch offen. Und Rainer Koslowski? Der sagt: „Ich habe an den Richtigen verkauft, es ist ein sehr gutes Gefühl.“ Da ist sie wieder, die neue Leichtigkeit des Rainer Koslowski. Abschließen muss er übrigens auch nicht mehr. Den Schlüssel hat er bereits Stefan Lenz übergeben.

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