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Schlei-Bote

20. August 2017 | 06:34 Uhr

Neuer Anlauf für Hochwasser-Analyse

vom
Aus der Redaktion des Schlei-Boten

Verein stellt Konzept für eine Untersuchung über mögliche Schäden vor / Gemeinden wollen erneut beraten

Der Meeresspiegel wird auch an der Ostsee steigen. Als Folge davon wird es zu Verlusten und Schäden auf den Überflutungsflächen kommen. Wie viele Menschen davon betroffen sind und um welche Schadenssummen es sich handelt, dass soll eine Schadenspotenzialanalyse ans Licht bringen. Realisieren möchte dies der noch junge Verein Schlei-Informations- und Erlebniszentrum Weseby (SIEZ), der jetzt sein Konzept rund 25 Vertretern aus fast allen Gemeinden des Amtes Schlei-Ostsee im Amtsgebäude vorstellte.

Die Erstellung einer solchen Analyse war bereits im Winter 2013 in den Gemeinden des Amtes intensiv beraten worden, dann aber wegen hoher Kosten sowie der geringen Erwartung einzelner Gemeinden, mit der Analyse mehr Chancen auf Zuschüsse für die Realisierung von Küstenschutzbauten zu haben, abgelehnt worden.

Der Verein bietet den Gemeinden für eine Spende von 950 Euro an, mikroskalierte (metergenaue) Karten zu erstellen, auf denen die zu erwartenden Hochwasserstände markiert sind und so detailgenaue Aussagen zu betroffenen Gebäuden und Anlagen ermöglichen. Ausgerüstet mit den Karten und geschult durch den Verein, seine Fachleute und in Zusammenarbeit mit der Uni Kiel, könnten dann Gemeindevertreter oder Ehrenamtliche in den Gemeinden die Wertermittlung der potenziell durch Hochwasser bedrohten Anlagen erfassen, erläuterte Karl Walther, Vorsitzender des Vereins. Mit dem Verfahren würden die Gemeinden in ihre eigene Region investieren und zugleich eine Analyse erhalten, die den Anforderungen der Landesministerien entspräche. Dafür sorge der Verein. Man stehe in engem Kontakt zum Umweltministerium, zur Uni Kiel und verfüge mit Vorstandsmitglied Jeppe Scheidt vom NV-Verlag über ein Büro, dass in der Lage wäre, die Rohdaten für die Karten zu verarbeiten. Ein Großteil der Arbeiten würden ehrenamtlich erbracht „wir wollen damit nichts verdienen“, so Walther.

Insgesamt begrüßten die Bürgermeister und Gemeindevertreter das große Engagement des Vereins und seine Bemühungen, das Thema Schadenspotenzialanalyse wieder anzufassen. Dennoch, bei aller Zustimmung blieben Zweifel bestehen, dass das Gutachten dazu führe, dass das Land neue Deiche oder Küstenschutzbauten realisiere, oder den Gemeinden und Wasser- und Bodenverbänden Fördermittel gebe. So stellte der Waabser Bürgermeister Udo Steinacker fest, dass es in all seinen Gesprächen mit dem Ministerium hieß, dass alle Bauten im Hochwasserbereich der Ostsee sich dort auf eigenes Risiko befänden. Von Küstenschutzbauten war da keine Rede.

Dennoch warb Hartmut Keinberger, Bürgermeister von Kosel und Vorstandsmitglied des SIEZ, für Unterstützung. Wenn alle gemeinsam eine solche Analyse erarbeiteten, dann würden sie damit auch eine Lobby schaffen und die Bedeutung des Meeresspiegelanstiegs in der Bevölkerung bekannt machen. Eine solche Analyse könne nur ein erster Schritt sein, zugleich bekämen die Gemeinden und ihre Akteure vor Ort ein Gefühl dafür, was alles passieren könne, wenn das Meer steigt oder verstärkt Stürme die Ostsee und die Schlei aufstauen. „Ohne Analyse besteht sicher keine Chance auf Fördermittel“, so Keinberger. Den Gedanken griff Christian Schlömer, Gemeindeoberhaupt in Brodersby, auf. Schlömer erinnerte daran, dass man einen langen Atem haben müsse, wenn Gemeinden Zuschüsse vom Land für Küstenschutz haben wolle. Brodersby habe vier Jahre um Fördermittel für die Erneuerung des Deckwerks in Nordhagen gekämpft.

Eingangs hatte Svend Duggen, Geowissenschaftler und Vorstandsmitglied des neuen Vereins über den Meeresspiegelanstieg der letzten 100 Jahre berichtet. Danach war die Ostsee bis heute um rund 20 Zentimeter gestiegen. Doch der Anstieg endet nicht, so Duggen. Ursachen sind die Hebung Nordskandinaviens und gleichzeitige Senkung der südlichen Ostseeküste als Ergebnis der letzten Eiszeit. Ein weiterer Beitrag des künftigen Anstiegs resultiert aus der Erwärmung der Ozeane, infolge dessen sich das Wasser ausdehnt.

Ebenso kommt es durch Abschmelzen der Eismassen vor allem auf Grönland zum Anstieg. Duggens Fazit war, dass mit einem Meeresspiegelanstieg zwischen 40 und 100 Zentimetern in den nächsten 100 Jahren zu rechnen sei. Die Zahl der hohen Wasserstände durch eher häufigere Stürme würden zu einer zunehmenden Gefährdung der Ostseeküste und der Schlei führen.

Ein Stimmungsbild pro oder contra gaben die Teilnehmer nicht ab. Das Thema werde in den Gemeindegremien aufgegriffen, hieß es. Die Veranstalter teilten mit, dass sie auch Gemeinden nördlich der Schlei ihr Angebot machen werden.

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erstellt am 08.Mai.2014 | 13:40 Uhr

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