Traditionssegler : Neue Sicherheitsrichtlinie: Fassungslosigkeit im Museumshafen Kappeln

Carsten Deinert, stellvertretender Vorsitzender des Museumshafenvereins in Kappeln, ist skeptisch.
1 von 2
Carsten Deinert, stellvertretender Vorsitzender des Museumshafenvereins in Kappeln, ist skeptisch.

Im Museumshafen befürchtet man, die Traditionssegler würden mit der Sicherheitsrichtlinie verschwinden.

shz.de von
16. November 2017, 06:31 Uhr

Kappeln | Im Museumshafen Kappeln ist man fassungslos. Aus dem Verkehrsministerium wurde bekannt, dass die neue Schiffssicherheitsverordnung für Traditionsschiffe noch in dieser Woche von Bundesverkehrsminister Christian Schmidt unterzeichnet werden soll. Fassungslos sind die Segler deswegen, weil sich alle Betroffenen darüber einig sind, dass die meisten deutschen Traditionssegler aus dem Kappelner Hafen verschwinden werden, wenn die Verordnung so in Kraft tritt, wie sie bisher formuliert ist. Denn viele der vorgesehenen Anforderungen kommen aus der Berufsschifffahrt und setzen ganz andere Bedingungen voraus, als sie an Bord eines Traditionsschiffes gegeben sind. So werden kostspielige Seminare für die Besatzung, die größtenteils ehrenamtlich arbeitet, ebenso gefordert, wie aufwendige bauliche Veränderungen an den Schiffen selbst. Das sei einfach nicht zu leisten.

Eigentlich sollte am 20. November ein Gespräch zwischen Ministerium und der Gemeinsamen Kommission für Historische Wasserfahrzeuge, dem Dachverband der deutschen Traditionsschiffe, über die Inhalte der Verordnung stattfinden. „Wenn Schmidt jetzt seine Unterschrift unter die Verordnung setzt, wird diese Verabredung über den Haufen geworfen“, sagt Carsten Deinert, stellvertretender Vorsitzender des Museumshafens Kappeln. Er selbst ist Skipper des Traditionsseglers „Fortuna“, der im Sommer in Kappeln seinen Liegeplatz hat und vorwiegend mit behinderten Jugendlichen unterwegs ist. „Wir haben den Eindruck, dass im Ministerium dem amtierenden Bundesminister diese Richtlinie untergejubelt werden soll – nach dem Motto: Wir haben jetzt so lange daran gearbeitet, jetzt ziehen wir das noch schnell durch, ehe die neue Regierung gebildet wird. Und Schmidt kennt ja die Materie gar nicht.“ Der Landwirtschaftsminister ist erst seit ein paar Wochen auch für Verkehrsfragen zuständig.

Nun hat Deinert im Namen des Museumshafens Kappeln an den Minister geschrieben: „Wir bitten Sie nachdrücklich, die Verordnung nicht vor dem Gespräch am 20. November zu unterzeichnen“, heißt es in dem Brief. Sicherheit werde auf den Traditionsschiffen groß geschrieben. Die Schiffe werden umsichtig und in begrenzten Fahrtgebieten betrieben. Unfälle mit Personenschäden habe es bisher nicht gegeben. Viele der neuen Anforderungen werden den Bedingungen auf einem Traditionsschiff einfach nicht gerecht, heißt es in dem Schreiben weiter. Einer der umstrittenen Punkte der Verordnung ist die verpflichtende Teilnahme an Lehrgängen zur maritimen Medizin, zur Sicherheit auf See, zur Brandbekämpfung sowie die Überprüfung der Seediensttauglichkeit der Besatzungsmitglieder. „Diese Lehrgänge müssen teilweise alle zwei Jahre gemacht werden und kosten sehr viel Geld. Das wird kein ehrenamtlicher Helfer investieren wollen“, ist sich Deinert sicher. „Die Bootsleute sind teilweise nur ein paar Wochen im Jahr an Bord und arbeiten ehrenamtlich. Und die Schiffseigner können das auch nicht für die vielen Helfer bezahlen.“ Dazu kommen viele konstruktive und technische Anforderungen, die gar nicht umsetzbar sind und teilweise die Sicherheit der Schiffe eher beeinträchtigen würden, als sie zu verbessern.

In den vergangenen Monaten haben die betroffenen Bootsleute und Skipper durch vielfältige Aktionen versucht, auf ihre Situation aufmerksam zu machen. Es begann mit einem Fragenkatalog zu der Verordnung, der im Dezember 2016 an den ehemaligen Verkehrsminister Alexander Dobrindt übermittelt wurde. Zahlreiche Demonstrationen, Berlinreisen und Gespräche folgten. Das Ministerium hat sich dennoch keinen Zentimeter bewegt. Inhaltlich wurde trotz aller Versprechungen nichts an dem Wortlaut der Richtlinie verändert. Immerhin wurde sie nicht, wie geplant, am 1. Juli in Kraft gesetzt. Der Termin wurde verschoben, um nochmal miteinander zu sprechen, wie es hieß. Da gab es Hoffnung bei den Traditionsschiffern. Ein Gesprächstermin wurde für den 20. November angesetzt.

„Wir sind in großer Sorge“, sagt Deinert. „Wenn die Verordnung jetzt tatsächlich noch vor dem zugesagten Gespräch so unterschrieben wird, wie sie vorliegt, dann bedeutet das das Aus für die meisten deutschen Traditionsschiffe und damit für viele Schiffe, die bisher den Museumshafen Kappeln besucht haben. Wir geben die Hoffnung noch nicht auf, aber es wird knapp. Auch die soziale Arbeit auf der „Fortuna“ wäre dann zu Ende.“

zur Startseite
Karte

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen