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Nach „Christian“ und „Xaver“ : Neue Flügel für die Mühle „Charlotte“

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Aus der Redaktion des Schlei-Boten

Das 1826 erbaute Wahrzeichen der Geltinger Birk wurde nach Schäden durch Wind und Wetter repariert.

Sie heißt „Charlotte“, und keine andere Holländer-Mühle in Angeln kann sich rühmen, als Wahrzeichen eines großen Naturschutzgebietes zu fungieren und darüber hinaus die Aufnahme in ein Gemeindewappen geschafft zu haben. Das Prachtstück „Charlotte“, teilweise noch mit einem Gerüst am „Body“, steht am Eingang zur Geltinger Birk. Alljährlich flanieren Zehntausende von Wanderern an der betagten Dame vorbei. Allerdings hatten immer wieder Wind und Wetter an ihr gezerrt und gerüttelt – nicht nur der wilde „Christian“. So musste sich der private Eigentümer Alfred-Uwe Anders, Unternehmer in Bad Oldesloe, notgedrungen dafür entscheiden, im Herbst 2013 das Reetdach zu erneuern und jetzt dem markanten Gebäude neue Flügel zu spendieren.

Der Niebyer Bürgermeister Volker Lippert und seine Vorgängerin Renate Mielenz, Vorsitzende des Fördervereins der Integrierten Station „Geltinger Birk“, sind hoch erfreut über den aktuellen Zustand des neu beflügelten Gebäudes. „Es ist doch eine heraldische Selbstverständlichkeit, dass wir dieser schönen Mühle einen Platz in unserem Wappen überlassen haben“, sagt Lippert.

Das denkmalgeschützte Bauwerk befindet sich also wieder in einem Top-Zustand – dank des Eigentümers Anders, der unter der Bezeichnung „Forsthaus“ drei große Förderwerkstätten für Pflege und Therapie in Bad Oldesloe, Tremsbüttel und Grande sowie eine Baumschule in Bargteheide betreibt. Er hatte schon frühzeitig mit hohem finanziellen Aufwand den Innenteil der Mühle „Charlotte“ für sich und seine Familie in ein komfortables Wohn- und Ferienhaus verwandelt. Allerdings findet Anders nur relativ selten Zeit, mit seinen Angehörigen nach Nieby zu kommen. Die Folge: Das Anwesen ist meistens verschlossen, und Passanten werden aufgefordert, das Grundstück nicht zu betreten.

Gleich neben der Mühle befindet sich eine Schleuse samt Schöpfwerk. „Charlotte“ und Geltinger Birk gehören zusammen, bilden eine Einheit. Es wird berichtet, dass diese Landschaftsform auf einer Halbinsel erst 1821 durch Eindeichung des Großen Noores, einer Nebenbucht der Ostsee, entstand. Den Annalen ist zu entnehmen, dass der damalige Geltinger Rittmeister von Hobe die Mühle im Jahre 1826 erbauen ließ – für rund 9700 Reichsthaler. Benannt wurde das Bauwerk auf dem so genannten „Goldhöftberg“ nach der Oberstallmeisterin Charlotte von Plessen, einer geborenen Herzogin von Mecklenburg. Sie war 1822 auf Schloss Gelting verstorben.

Die Besonderheit der attraktiven Windmühle: Sie diente hauptsächlich nicht dem Mahlen von Getreide, sondern setzte mit einer Windkraft von 40 PS eine so genannte Wasserschnecke in Gang, mit deren Hilfe das Oberflächenwasser aus den nach der Eindeichung trockengelegten Niederungen ins Noor gepumpt wurde. Bei Windstille startete der Müller einen Elektromotor. Die Regulierung des Wasserstandes erstreckte sich auf damals 333 Hektar landwirtschaftlich genutzter Fläche.

Der jetzige Chef des Wasser- und Bodenverbandes Beveroe, Siegfried Baron von Hobe-Gelting, hat seit seinen jungen Jahren die „Charlotte“ nicht aus den Augen gelassen. Er weiß, dass 1938 der letzte Müller seinen Arbeitsplatz am Rande der Birk verlor. Zeitweise geriet die stillgelegte Mühle in einen lädierten Zustand. Doch die ehemaligen Eigentümer von Schloss Gelting renovierten die „Patientin“ 1970 für 120.000 DM und leisteten damit einen wichtigen Beitrag zu ihrem Erhalt.

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erstellt am 05.Jan.2014 | 17:24 Uhr

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