Flensburg : Nachwuchssorgen bei den Fischern

Seltene Zunft: Marcel Gniosdorz, Bernhard Chluba und Björn Jürgensen auf ihrem Kutter (v.l.n.r.).
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Seltene Zunft: Marcel Gniosdorz, Bernhard Chluba und Björn Jürgensen auf ihrem Kutter (v.l.n.r.).

Drei Auszubildende lernen den Beruf des Fischwirts, aber niemand will ihn hauptberuflich ausüben.

shz.de von
06. Januar 2015, 17:30 Uhr

Drei Auszubildende lassen sich in Flensburg derzeit zum Fischwirt ausbilden – dennoch bleiben die Nachwuchssorgen groß. In den vergangenen 20 Jahren haben sich nur insgesamt sieben Männer für diese Ausbildung entschieden. Vorher durfte man auch ohne Schulung fischen. Genau da sieht der Vorsitzende des Fischereivereins Horst-Dieter Hansen das Problem: Die Ausbildung sei neben dem eigentlichen Beruf zu aufwendig. Sie dauert drei Jahre, mit bereits abgeschlossener Berufsausbildung in einem anderen Bereich immerhin noch zwei. Jeden zweiten Sonnabend fahren die Lehrlinge für sechs Stunden nach Neustadt im Kreis Ostholstein zu einem pensionierten Ausbilder für den Praxisunterricht. Zusätzlich sind die Auszubildenden an jährlich 70 Tagen auf dem Wasser unterwegs. Weitere 14 Schulungstage im Jahr sind für die Theorie vorgesehen. „Außerdem kann man in Flensburg vom Fischen nicht leben“, fügt Hansen hinzu. Hauptberuflich fischt deshalb in der Flensburger Förde schon seit 15 Jahren niemand mehr. Die Auszubildenden können aber auf einem größeren Boot einsteigen, zum Beispiel in Kappeln oder Maasholm. Ausbilder Horst Sorge sagt: „Die verdienen noch ihr Geld.“

Trotzdem möchte Bernhard Chluba nach seiner Ausbildung nur nebenberuflich fischen. Eigentlich arbeitet der 22-Jährige als Maschinenschlosser. Ihm mache das Fischen einfach Spaß, sagt er und ergänzt: „Den Nervenkitzel hat man im normalen Berufsleben nicht.“ Die Fächer Wetterkunde und Vermarktung gefallen Chluba am besten – „damit ich den Fisch auch loswerde“. Außerdem stehen Navigation auf See, Netzbau und Biologie auf dem Stundenplan.

Der gelernte Zimmerer Björn Jürgensen ist schon als Kind gern mit seinem Vater zum Fischen aufs Meer gefahren. Jetzt studiert er Maschinenbau. Trotzdem hat der 22-Jährige noch Zeit für die Lehre zum Fischer. „Die Ausbildung kann man neben dem Studium gut bewältigen“, sagt er. Marcel Gniosdorz fällt es hingegen etwas schwerer, das volle Programm durchzuziehen. Seine Familie findet es gut, dass er die Ausbildung macht, seine Freundin ist aber nicht so begeistert. „Da muss sie sich noch dran gewöhnen“, sagt er. Auch Jürgensen und der 20-jährige Gniosdorz möchten den Beruf erstmal nur nebenbei ausüben. Horst-Dieter Hansen weiß: „Man kann später immer noch einsteigen. Man weiß ja nie, was kommt.“

Seit einigen Jahren sieht es schlecht aus für die Fischer. Ausbilder Horst Sorge ist überzeugt: „Das größte Problem in Flensburg ist der Fischbestand. Man muss sich die Förde vorstellen wie einen Blinddarm – da kommt nicht mehr viel an.“ Außerdem darf nur eine bestimmte Menge an Fisch aus dem Wasser geholt werden. Hansen bestätigt: „Der Dorsch ist knapp.“ In ganz Schleswig-Holstein dürfen jährlich nur 85 Tonnen von dieser Fischart gefangen werden. „Und das muss dann noch durch alle Fischereibetriebe geteilt werden“, fügt er hinzu. Neben Dorsch sind auch Heringe und Schollen bei den Flensburger Fischern beliebt.

Ein weiteres Problem ist, dass das Wasser in der Förde im Sommer wärmer wird und die Felder im Meer landen. Das vertreibt die Fische. Mit der Fischzucht aus anderen Gegenden habe der schwierige Stand der Fischer aber nichts zu tun. Bernhard Chluba sagt: „Unser Fisch ist günstiger und dazu auch noch frisch.“

Ganz pessimistisch ist Horst-Dieter Hansen indes nicht. „Zum Glück hat auch die Stadt Flensburg gemerkt, dass wir gebraucht werden“, sagt er. Ein neuer Pachtvertrag für das Vereinsgelände an der Hafenspitze sei schon so gut wie durch. Nach 142 Jahren, so hofft er, wird dann auch die Ära des Plumpsklos zu Ende gehen. Stattdessen sollen richtige Toiletten gebaut werden. Sorge betont allerdings: „Wir schreien aber nicht nach Subventionen.“

Die Fischer sind sich einig: Sie sind wichtig für die Flensburger Bevölkerung und den Tourismus. Hansen bestätigt: „Das ist Tradition und ein Kulturgut.“ Deshalb hofft er auch, dass in Zukunft das Interesse am Beruf des Fischers wieder wächst.

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