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TSV Kappeln : Nach sechs Jahren ist der Anbau fertig

vom
Aus der Redaktion des Schlei-Boten

Der TSV Kappeln hat seinen 330.000 Euro teuren Sanitärbereich eingeweiht.

shz.de von
erstellt am 02.Okt.2017 | 07:00 Uhr

Das ist wohl das, was man ein echtes Gemeinschaftsprojekt nennen kann. Der Anbau an das bestehende Vereinsheim des TSV Kappeln wurde am vergangenen Freitagabend feierlich eingeweiht, und immer wieder betonten sämtliche Anwesende den großen ehrenamtlichen und umfassenden Einsatz des Vereins während des insgesamt sechs Jahre dauernden Projekts. Kein Wunder also, dass der Vorstand bei Sekt und Suppe gut gelaunt durch den Abend führte und ganz nebenbei einen rund 130 Quadratmeter großen Trakt präsentieren konnte, der hell, funktional und zeitgemäß daherkommt.

Vor sechs Jahren also fiel eine Fliese von der Wand. Vermutlich irgendwo zwischen den kargen Duschköpfen oder hinter der hölzernen Tür der einzigen Damentoilette. Das nämlich war die braun-beige Realität der Sanitäranlagen des TSV Kappeln. Die Zeit war überreif für etwas Neues. Sechs Jahre später verfügt der Verein nun nicht nur über eine neue Heizung, eine neue Küche, einen renovierten Bewegungsraum und neue Türen. Vor allem hat er endlich einen vorzeigbaren Sanitärtrakt: Von einem langen hellen Flur gehen vier große Umkleiden ab, von denen sich je zwei eine Nasszelle teilen. In jeder dieser Nasszellen ist Platz für sechs moderne Duschen und ein Waschbecken. Zusätzlich gibt es vier WCs, eins davon barrierefrei und mit einer weiteren großen Dusche. Für den Schiedsrichter ist zudem an einen Technikraum gedacht worden. 330.000 Euro hat der Anbau gekostet, hinzu kommen 42.000 Euro für Heizung, Küche und weitere genannte Arbeiten im Bestandsbau.

„Wir haben es tatsächlich geschafft“, war dann auch der erste Satz, den die TSV-Vorsitzende Dagmar Ungethüm-Ancker an ihre Gäste richtete – eine Aussage, die ihre ganz eigene Kraft hatte, wenn man bedenkt, dass der Verein erst Anfang 2013 jahrelange Verbindlichkeiten abgelöst hatte. Dank einer Bürgschaft der Stadt, der der Vereinsgrund gehört, sowie Zuschüssen des Landessportverbandes und etlicher Sponsoren, aber auch dank des bemerkenswerten Einsatzes des Vereins selbst konnte der Anbau Wirklichkeit werden – wenn man sich zwischendurch allerdings auch gefragt hatte, das räumte Ungethüm-Ancker ein: „Überfordern wir den Verein finanziell? Überfordern wir das Ehrenamt?“ Außerdem sollte der sportliche Betrieb unter der selbst auferlegten Aufgabe eines Neubaus nicht leiden.

Die Pläne von Architekt Thomas Molt, der das Projekt aufgrund einer beruflichen Veränderung nicht beenden konnte, fanden in TSV-Mitglied Bernhard Gummert jedoch einen guten Abnehmer. Der gelernte Bauzeichner war erst Ende 2015 nach Kappeln gezogen, fand aber schon kurz danach offenbar seine Herzensaufgabe: Ehrenamtlich übernahm Gummert die Bauleitung des Projekts, das, so nannte es Dagmar Ungethüm-Ancker, auf diese Weise eben auch „dein Baby ist“. Als Dank für seine „große Professionalität“ und seinen immensen zeitlichen Aufwand erhielt Gummert eine Marzipantorte und eine Wochenendreise mit der „Color Line“ nach Oslo. Und Bernhard Gummert selber dankte dem Verein für das Vertrauen, das man ihm entgegengebracht habe.

Stellvertretend für den Kreis Schleswig-Flensburg lobte Kreispräsident Ulrich Brüggemeier den entstandenen Neubau: „Das zeigt, dass man, wenn man gemeinsam an eine Sache herangeht, ganz viel hinbekommt.“ Auch Brüggemeier stellte die ehrenamtlichen Helfer heraus, die er die „tragende Säule des sportlichen Geschehens“ nannte. Ähnlich argumentierte Architekt Thomas Molt, der an die Eigenleistung des Vereins während der Bauphase erinnerte und ihm einen „unermüdlichen Eifer“ attestierte. Kappelns Bürgermeister Heiko Traulsen richtete derweil anerkennende Worte an die TSV-Vorsitzende. „Ohne Sie, Frau Ungethüm-Ancker, gäbe es das alles hier gar nicht“, sagte er. Und für den Kreissportverband warf der Vorsitzende Rainer Detlefsen schon einen Blick in die Zukunft, als er sagte: „Wir freuen uns, dass hier ein Sportzentrum wächst, denn hier ist noch Potenzial für mehr.“

Dass im Sport ohnehin mehr Potenzial steckt, machte im Anschluss Malena Kittmann vom Landessportverband (LSV) deutlich. Sie stellte eine Bildungsaktion des LSV vor, die anhand ausdrucksstarker Bilder Attribute vermittelt, die der Sport lehrt, die aber auch darüber hinaus von Bedeutung sind. So symbolisiert etwa ein Ringeturner das Durchhaltevermögen, ein Footballspieler die Demut, zwei Fechter symbolisieren die Fähigkeit, Entscheidungen zu treffen. Die Bilder schmücken zudem den Flur des neuen TSV-Anbaus.

Eine Schließanlage, ein paar Regale und Hakenleisten, außerdem Mülleimer und Bänke für den Außenbereich – das ist es, was dem TSV jetzt noch fehlt, um endgültig einen Strich unter das Gemeinschaftsprojekt ziehen zu können. Der alte Sanitärbereich wird zum Lager umgebaut. Und ob dort dann eine Fliese von der Wand fällt, spielt nur noch eine Nebenrolle.

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