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Nach Razzia: Disco-Betreiber bestreiten Verstoß gegen Jugendschutzgesetz

vom
Aus der Redaktion des Schlei-Boten

von
erstellt am 08.Apr.2014 | 16:56 Uhr

Nach der Razzia im „Vineta“ fühlen sich die Disco-Betreiber zu Unrecht an den Pranger gestellt. „Ich bin mir keiner Schuld bewusst. Wir arbeiten immer nach den Richtlinien“, beteuerte Chefin Ingrid Kruse (43) gestern. Gemeinsam mit ihren Mann Helmut (61) sowie den Töchtern Fabienne (25) und Kimberley (22) ist sie mit schweren Vorwürfen konfrontiert. Bei der „Kornnacht“ am vergangenen Freitag sollen sie in ihrer Diskothek im Busdorfer Gewerbegebiet Wikingerland Spirituosen an Minderjährige ausgeschenkt haben. Bei der nächtlichen Razzia hatten Polizei, Jugend- und Ordnungsamt nach eigenen Angaben 152 Jugendliche aufgegriffen. Viele der Jungen und Mädchen sollen zum Teil stark alkoholisiert gewesen sein (wir berichteten).

„152 Leute – das ist so etwas von an den Haaren herbeigezogen“, echauffiert sich Ingrid Kruse. Die Zahl sei viel zu hoch gegriffen. Die meisten Jugendlichen seien längst nicht mehr in der Disco gewesen oder hätten sich ohnehin nur draußen auf dem Parkplatz aufgehalten.

Doch wie viele Jugendliche waren am Freitagabend in der Disco? Der „Vineta“-Angestellte Jürgen Petersen-Will, zugleich bester Freund der Betreiber-Familie, weiß die Antwort: „Wir hatten am ganzen Abend etwa 250 Gäste und vielleicht 100 Ausweise liegen. Als die Razzia stattfand, hatten wir die Hälfte schon längst an die Jugendlichen zurückgegeben.“ Auch seien die Beamten bereits eine Viertelstunde nach Mitternacht da gewesen und nicht erst um 1 Uhr. „Ich war gerade dabei, die Minderjährigen rauszufischen“, erklärt Petersen-Will. Auch seien diesmal – anders als bei der letzten Razzia im Jahr 2010 keine Unter-16-Jährigen da gewesen.

Zum Hintergrund: Minderjährige Besucher des „Vineta“ müssen am Eingang ihre Ausweise abgeben. Und ohne Ausweis gibt’s am Tresen nur Bier, Sekt und Wein – aber keinen Schnaps. Soweit die Theorie.

Jugendliche „Vineta“-Gäste behaupten, dass die Kontrollen des Tresenpersonals eher lax seien. „Das stimmt definitiv nicht“, kontert Ingrid Kruse. „Das Tresenpersonal fragt jedes Mal nach dem Ausweis.“

Das meiste Hochprozentige, da ist sich Familie Kruse sicher, tränken die Jugendlichen bereits vor dem Discobesuch – beim „Vorglühen“ zu Hause oder auf dem Parkplatz. Deswegen kann Ingrid Kruse auch nicht den Vorwurf der Behörden nachvollziehen, dass sie sich aus Profitgier über die Jugendschutzbestimmungen hinwegsetzen würde.

Die Razzia in Busdorf hat landesweit hohe Wellen geschlagen. Sogar die Vorsitzende des Kinderschutzbundes Schleswig-Holstein, Irene Johns, fordert, dass der Disco-Betreiberin die Lizenz entzogen wird. Im zehnten Jahr nach der Eröffnung des „Vineta“ steht Ingrid Kruse mit dem Rücken zur Wand. „Mein ganzes Vermögen steckt in dieser Diskothek. Mein Mann und meine Töchter arbeiten hier. Und dann kommt so was. Das ist rufschädigend“, sagt sie.


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