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KAPPELN : Nach der Wahl: Traulsen reicht seinen Kritikern die Hand

vom
Aus der Redaktion des Schlei-Boten

Bürgermeister hofft auf gute Zusammenarbeit mit allen Stadtvertretern und räumt auch eigene Fehler ein.

Der Wahlkampf ist vorbei. Einen Tag nach der Bürgermeister-Wahl hat der mit großem Vorsprung wiedergewählte Amtsinhaber Heiko Traulsen versöhnliche Signale an seine Kritiker in der Stadtvertretung gesandt.

Die Nacht nach dem Sieg war kurz. Bereits um kurz nach sieben war Heiko Traulsen am Montagmorgen in der Stadt unterwegs, um seine Wahlplakate einzusammeln. Nach dem bemerkenswerten Ergebnis, das der Bürgermeister bei der Wahl am Sonntagabend eingefahren hatte (wir berichteten), war nun also der Zeitpunkt gekommen, um aufzuräumen.

Und dieses Aufräumen möchte Traulsen offenbar nun auch im Rathaus fortsetzen. „Nachdem der Wahlkampf von persönlichen Angriffen geprägt war, hoffe ich, dass jetzt wieder Ruhe einkehrt und alle in der Wirklichkeit ankommen“, sagte er gestern. Er danke LWG, Grünen und SSW, die zu ihm gehalten hätten, wie auch den Wählern „für den enormen Vertrauensbeweis“. Doch ein halbes Jahr sei die Stadtentwicklung in weiten Teilen durch den Wahlkampf gelähmt gewesen. „Das reicht jetzt aber auch“, fand der wiedergewählte Bürgermeister.

Zur künftigen Zusammenarbeit mit der Stadtvertretung sagte Traulsen, er wolle Brücken bauen, unabhängig davon, wer sie eingerissen habe. Dabei räumte der 57-Jährige auch eigene Fehler ein. „Ich habe die Bedeutung der Feuerwehrbauten über die Informationspflicht gegenüber der Stadtvertretung gestellt. Und ich wollte alles Negative sammeln und auf einmal zusammenfassen. Das war nicht gut“, sagte Traulsen und sprach in diesem Zusammenhang von einem Fehler, der ihm so schnell nicht noch einmal passiere. Noch im Wahlkampf hatte Traulsen sein Verhalten in dieser Angelegenheit zwar als verbesserungswürdig angesehen, doch bewusst von keinem Fehler gesprochen. Nun klingt das anders. Der Bürgermeister rechnet daher in der von zahlreichen Stadtvertretern eingereichten Dienstaufsichtsbeschwerde auch mit einer Rüge seitens der Kommunalaufsicht. Traulsen: „Ich bitte um Bestrafung – hart, aber gerecht.“ Künftig wolle er darauf achten, das Primat der Politik noch mehr anzuerkennen. „Das ist eine Lehre, die ich daraus mitnehme“, sagte der Wahl-Gewinner vom Sonntag. Allerdings forderte er gleichzeitig die Politik auf, Verwaltungshandeln ebenso anzuerkennen. Das Ganze sei keine Einbahnstraße.

„Ich bin zu Gesprächen mit den Stadtvertretern bereit,“ sagte Traulsen. Der Bevölkerung solle bewusst werden, dass Stadtvertreter und Bürgermeister anfangen, sich zu bewegen. Die Chancen auf eine vernünftige Zusammenarbeit mit der Stadtvertretung schätzte Traulsen bei der überwiegenden Mehrheit der Mandatsträger als hoch ein. „Wir sind nicht gewählt, um uns zu zerhacken, sondern um die Stadt voranzubringen“, betonte er.

Schon in der nächsten Woche soll zudem wieder die Projektlenkungsgruppe zusammentreten, die sich mit der Umsetzung der Organisationsanalyse beschäftigt. Darin ist neben dem mangelnden Informationsfluss von Verwaltung zur Politik auch die Kommunikation innerhalb des Rathauses als verbesserungswürdig aufgeführt worden. Die Arbeit der Gruppe war während des Wahlkampfes aufgrund der angespannten Stimmung ausgesetzt worden. Jetzt soll sie auch ohne den Bürgermeister möglichst zügig ihre Aufgaben wieder wahrnehmen.

Parallel dazu stehen nach Ansicht Heiko Traulsens ohnehin viele Projekte an, die es umzusetzen gelte – etwa die Breitbandversorgung, die Entwicklung der Innenstadt, die Gewerbegebietsausweisung oder die Schleiterassen. Beim letztgenannten Großprojekt setzt der Bürgermeister darauf, dass der städtebauliche Vertrag noch in diesem Jahr abschließend erarbeitet wird. „Es gibt also genug zu tun, und die Bedingungen sind gut“, meinte Traulsen.

Nur die Flüchtlingsproblematik sei nicht berechenbar. Die Zahlen stiegen ständig bei einer Anerkennungsquote von 94 Prozent. Dies sei für die Stadt eine Herausforderung in Sachen Wohnungsbeschaffung, Sprache, Schule und Gesundheit. Hier entstünden Kosten, von denen noch nicht geklärt sei, wer dafür aufkomme.

„Wie gesagt, ich will mit allen zusammenarbeiten, sofern sie es mit mir wollen“, sagte der Bürgermeister. Vorher will Traulsen aber erst einmal mit seiner Frau Karin Urlaub machen. Mit dem Fahrrad geht es an die Weser. „Ich möchte jetzt einmal den Kopf frei kriegen und neue Kräfte sammeln für das, was kommt.“

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erstellt am 29.Sep.2015 | 08:00 Uhr

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