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Kappeln : Nach Brand: Viel Hilfe für Schiffbauer

vom
Aus der Redaktion des Schlei-Boten

Jann Janssen, Jochen Renkhoff und ihre Mitarbeiter müssen viel improvisieren – und liegen bei ihren Aufträgen dennoch voll im Plan.

shz.de von
erstellt am 21.Mai.2016 | 08:30 Uhr

Am Sonnabend, 2. April, brannte die 500 Quadratmeter große Werfthalle von Yachtbau Janssen und Renkhoff bis auf die Grundmauern nieder. Es war der schwerste Tag in der 23-jährigen Firmengeschichte und zugleich auch ein Tag der Hoffnung.

„Noch am gleichen Tag haben wir uns mit allen Mitarbeitern in einem Café getroffen. Und danach stand fest: Wir machen weiter“, sagt Jochen Renkhoff. Dabei wusste der Geschäftsführer und Mitinhaber zu diesem Zeitpunkt wohl selbst nicht so genau, wie das eigentlich aussehen sollte: Die Halle war abgebrannt und mit ihr das gesamte Werkzeug. Der Festnetzanschluss funktionierte nicht. Und die Versicherung hat bis jetzt noch nicht für den Brandschaden gezahlt, der laut Polizei durch einen technischen Defekt hervorgerufen wurde. Eine führende Segelzeitschrift hatte nach Angaben der Inhaber sogar schon das vorzeitige Aus für die Werft verkündet.

Doch es kam anders. Das Netzwerk an befreundeten Firmen, an der Spitze Ancker-Yachting, funktionierte. „Am Montag, dem ersten Arbeitstag nach dem Feuer, konnten wir den Partyraum von Ancker zum Interimsbüro machen“, so der andere Geschäftsführer und Mitinhaber Jann Janssen. „Am Sonnabend hat es gebrannt, am Montag arbeiteten wir weiter“, sagt Renkhoff. Dann reißt ihn ein Kunden-Anruf auf dem Handy aus dem Gespräch.

Schon wenige Tage nach dem Brand konnten die beiden Geschäftsführer samt ihrer sieben Angestellten in eine zwei Jahre alte Halle von Ancker-Yachting ausweichen, die zuvor als Lagerhalle diente. In dieser um 250 Quadratmeter kleineren Halle herrscht ein anderer Arbeitsablauf, und auch die Planung der nächsten Aufträge hat sich verändert. Die Maschinen sind größtenteils geliehen, statt eines Festnetzes hält ein Handy die Verbindung zur Außenwelt, und statt E-Mails gibt es Postsendungen. Mit Eigenmitteln kauften die Inhaber Regale und Werkzeuge. Bei Yachtbau Janssen & Renkhoff heißt es seit dem 2. April improvisieren.

„Eine Tsunami-Welle der Hilfsbereitschaft rollte über uns“, sagt Jann Janssen. Dann ist er es, der auf dem Handy den Anruf eines Kunden entgegennimmt. Die Firma ist wieder gut im Geschäft, obwohl der Festnetzanschluss auch vier Wochen nach Verlegung der Leitung nicht funktioniert.

Ob Geld, Räumlichkeiten oder Beschäftigung von Mitarbeitern, die befreundeten Firmen versuchten zu helfen. „Bei den vielen Maschinen, die uns angeboten wurden, hätten wir einen Handel damit aufmachen können“, sagt Janssen, der erneut an das alte Prepaid-Handy muss. In Kürze will der Telefonanbieter den Festnetzanschluss reparieren, solange dient das Handy als Firmenanschluss. Buchhalterin Ute Renkhoff, Ehefrau des Mitinhabers, sagt über die große Anteilnahme: „Vielleicht kriegen wir hier etwas zurück. Ich glaube, das ist ein Zeichen von Wertschätzung für uns.“

Auch dieser Hilfsbereitschaft ist es zu verdanken, dass bis auf eine Aushilfskraft kein Mitarbeiter entlassen wurde. Die Kunden zeigen ebenfalls großes Verständnis und Mitgefühl für die Bootsbauwerft an der Schlei. Aufbauende Grüße und Hilfsangebote erhält die Werft dutzendweise. „Und immer erkundigen sich die Kunden zuerst nach uns und nicht nach ihrem Boot“, betont Ute Renkhoff. Für Jann Janssen ist Yachtbau Vertrauenssache. Und dieses Vertrauen scheinen die Kunden der Firma auch in dieser schweren Zeit entgegenzubringen.

Trotz des Brandes und aller Einschränkungen ist die Firma bei ihren Aufträgen nicht in Verzug geraten. „Das klingt schon fast makaber, aber durch die abgebrannten Boote haben wir vier Aufträge verloren und liegen daher bei den anderen voll im Terminplan“, sagt Janssen. Doch durch das Feuer hat die Werft auch neue Aufträge erhalten. Ein Ehepaar, dessen Yacht bei dem Brand in Mitleidenschaft gezogen wurde, hat die Reparatur bei Yachtbau Janssen und Renkhoff in Auftrag gegeben, obwohl es dafür sogar auf eine ganze Segelsaison verzichten muss.

Die mittelständische Werft plant mittlerweile schon wieder für die Zukunft. In einem Jahr wollen die Inhaber ihre Halle neu aufbauen. „Wir sind allen Geschäftspartnern, Freunden, Mitarbeitern und vor allem der Feuerwehr, sehr sehr dankbar“, sagen Renkhoff und Janssen mehrfach. Und das betonen sie auch am Schluss des Gespräches noch einmal. Dann klingelt wieder das Handy.

 

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