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Arnisser Segel-Club : Nach 85.000 Seemeilen wieder zu Hause

vom
Aus der Redaktion des Schlei-Boten

ASC-Mitglied Helmut Siebrecht brach 1999 zu einer Segelreise auf – und kehrte am Wochenende zurück.

shz.de von
erstellt am 18.Sep.2017 | 07:00 Uhr

Sie waren nicht zu übersehen und auch nicht zu überhören. Und beides war absolut gewollt und mindestens ebenso angebracht. Wie bitte schön soll man auch sonst jemanden zu Hause willkommen heißen, der fast 20 Jahre lang in der Weltgeschichte unterwegs war? Das geht doch nur laut und deutlich. Am Sonnabendnachmittag kurz vor 14 Uhr segelten Helmut Siebrecht und Kerstin Neermann mit ihrer „Lop To“ durch die Schleibrücke und machten wenig später an der Brücke des Arnisser Segel-Clubs (ASC) fest. An eben der Stelle war Siebrecht 1999 aufgebrochen. Dass seine Reise so lange dauern würde, ahnte er damals nicht. Auch nicht, dass er 18 Jahre später von so vielen Menschen wieder empfangen werden würde.

Vor Maasholm hatten etwa 20 ASC-Boote die beiden Weltumsegler kurz nach zwölf getroffen, die letzten Seemeilen legten sie im Korso zurück und zwar über die Toppen geflaggt. Als der Tross zur Brückendurchfahrt in Kappeln ansetzte, die „Lop To“ natürlich vorne weg, machten sich die Clubmitglieder, die auf der Brücke standen, mit einer Konfettikanone bemerkbar. Und von überall her dröhnten Signalhörner. Und am ASC-Steg wartete schon die nächste Überraschung: Der ASC-Chor empfing die Heimkehrer musikalisch. Das alles wirkte auf Kerstin Neermann und Helmut Siebrecht derart überwältigend, dass ihr Anlegemanöver etwas länger dauerte als geplant. Siebrecht erklärte das hinterher mit einem Lachen so: „1000 Meilen geradeaus auf dem Ozean sind kein Problem, aber eine Kurve ist schwierig.“

Schwierige Momente hatte mitunter auch die 18 Jahre lange Reise. Der schwerste sieben Jahre nach dem Start: Helmut Siebrechts Ehefrau Claudia erkrankte und verstarb. „Ich habe dann aber entschieden, weiterzufahren“, sagte er am Sonnabend. Zwei Jahre war der heute 66-Jährige allein unterwegs, merkte aber, „dass es schöner ist, wenn man das mit jemandem teilen kann“. Über ein Inserat lernte er Kerstin Neermann kennen, die ihn seit 2008 auf seiner Reise begleitete – und, das erzählte der ASC-Vorsitzende Peter Boltz bei der Rückkehr der beiden – seit einer guten Woche ebenfalls ASC-Mitglied ist.

Trotzdem: Dass die Tour am Ende fast zwei Jahrzehnte dauern würde, war nicht geplant. Helmut Siebrecht sagte: „Als wir losfuhren, wussten wir nur, dass wir künftig unser Leben an Bord leben wollten. Eine Weltumseglung war nie das Ziel.“ Gleichwohl reihte sich Etappe an Etappe, Station an Station, Land an Land. England, Niederlande, Frankreich, Portugal, Panama, Fidschi, Neuseeland, Malaysia, Thailand, Vietnam, Sri Lanka, Mauritius, Malediven. Der schönste Ort? „Madagaskar ist wirklich einmalig“, sagte Siebrecht. „Die Freundlichkeit der Menschen ist toll.“ Beeindruckend auch der Südpazifik mit seiner Inselwelt. „Wenn man Blauwassersegeln will, ist das das schönste Revier dafür“, sagte der Mann, der 85.000 Seemeilen zurückgelegt hat – und das überwiegend in wärmeren Gefilden. Auch deshalb hatte Peter Boltz ein passendes Willkommensgeschenk mitgebracht. „Wir haben zwei ASC-Fleecepullis für euch, um euch auf den Winter vorzubereiten“, sagte Boltz, bevor der ASC-Ehrenvorsitzende Thies Kölln Siebrecht und Neermann eine eindrucksvolle Sammlung an Club-Zeitschriften überreichte, in denen in den vergangenen Jahren Berichte über ihre Weltumseglung erschienen waren. Und Kölln konnte es sich anschließend nicht verkneifen, die beiden mit einem Augenzwinkern darauf hinzuweisen, dass sie nun wieder „im schönsten Segelrevier der Welt“ angekommen seien. Übrigens eines, das hatte Peter Boltz noch festgestellt, das offenbar prädestiniert dafür ist, mutige Segler hervorzubringen. Boltz: „Der ASC entwickelt sich langsam zum Zentrum der Weltumsegler.“ Immerhin seien schon Mitglieder zu zwei-, sechs-, zwölf- und jetzt eben 18-jährigen Reisen aufgebrochen.

Dass Helmut Siebrecht und Kerstin Neermann so lange durchgehalten haben, begründeten beide in erster Linie mit ihrer 30 Jahre alte und 38 Fuß langen „Lop To“. Neermann sagte: „Sie hat die Hauptleistung vollbracht.“ Erst kurz vor Ende der Reise spielte die Ankerwinde nicht mehr mit. „Und da wir auch ein bisschen Heimweh nach der Ostsee hatten, haben wir entschieden, dass 18 Jahre eigentlich auch reichen“, sagte Kerstin Neermann. Für die beiden endete am Sonnabend ein prägender Lebensabschnitt, der nächste soll nun in Flensburg beginnen, wo sich Helmut Siebrecht und Kerstin Neermann schon von unterwegs eine Wohnung gemietet haben. Ihre „Lop To“ bleibt im ASC liegen, soll aber durchaus wieder zu der ein oder anderen – kurzen – Reise aufbrechen – „sofern“, sagte Siebrecht noch und lächelte, „ich sie wieder aus der Box kriege“. Kurven sind eben auch im schönsten Segelrevier der Welt eine echte Herausforderung.


> Noch mehr Reiseeindrücke gibt es unter www.sailblogs.com/member/lopto/

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