Musik, Verse, Kerzen rühren das Publikum

Feierten in Kappeln Premiere: Erstmals traten Pianistin Alina Kabanova und Cellist Fjodor Elesin gemeinsam mit Rezitatorin Karin Renate Niemuth (von links) auf.
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Feierten in Kappeln Premiere: Erstmals traten Pianistin Alina Kabanova und Cellist Fjodor Elesin gemeinsam mit Rezitatorin Karin Renate Niemuth (von links) auf.

„Beethoven Duo“ und Rezitatorin Karin Renate Niemuth präsentierten Pjotr Tschaikowskis „Jahreszeiten“-Zyklus

shz.de von
25. Januar 2015, 11:46 Uhr

Pianistin Alina Kabanova und Cellist Fjodor Elesin haben Kappeln in ihr Herz geschlossen: Bereits zum vierten Mal traten sie als „Beethoven Duo“ am vergangenen Freitagabend in der Koslowski-Halle auf und wollen gerne wiederkommen. Diesmal glänzte das musizierende Ehepaar mit den „Jahreszeiten“ von Pjotr Tschaikowski in einer eigenen Bearbeitung für ihre Instrumente, die sie partnerschaftlich mit viel russischer Seele zum Klingen brachte. Dritte im Bunde dieses besonderen „Jahreszeiten“-Konzertes war als Rezitatorin Karin Renate Niemuth aus Ahrensburg. Kammermusik mit Lesung – das kam bei den Besuchern an.

Kennengelernt haben sich das Duo und die Rezitatorin auf einem Kreuzfahrtschiff auf der Ostsee. Bald war beschlossen, dass „wir etwas gemeinsam machen wollen“. Dafür bot sich nun der Kappelner Auftritt an. Karin Renate Niemuth trug die die Musik begleitende Lyrik sowie Gedichte namhafter russischer Dichter wie Tolstoi, Puschkin, Nekrasow, Maikow oder Fet vor – entsprechend der Jahreszeiten. Die Pianistin und der Cellist stimmten instrumental mit ein.

Für die Rezitatorin war dies ihr erster Kappeln-Auftritt überhaupt – sie war angetan von der Atmosphäre der Veranstaltungshalle, von dem sichtlich angerührten Publikum, das aufmerksam lauschte, sich gut unterhalten fühlte und schließlich mit Beifall nicht sparte.

Wie Niemuth, Mitglied der Kantorei in Großhansdorf, am Rande des Konzertes erzählte, nimmt sie Gesang- und Sprechunterricht bei der mittlerweile 89-jährigen Opernsängerin Maria Helm. Deren Ziel war es vor 15 Jahren, ihre Schülerin als Sopran-Solistin auf die Bühne zu bringen. Doch die heute 66-jährige Rezitatorin fühlte sich, wie sie sagte, dafür nicht mehr jung genug. Sie ist eine Frau des gesprochenen Wortes und hat es darin zu viel gebracht. Über Tschaikowski sagte Niemuth: „Er bietet viel melodischen Charme.“

Dabei gab es von ihr Lob für das „Beethoven Duo“. Ein neues Arrangement der „Jahreszeiten“, eines der berühmtesten Werke der klassisch-romantischen Musikliteratur, sei an sich ein gewagtes Unterfangen. Doch dem Duo gelang dieses Novum. In ihrem Arrangement schaffen sie es nicht nur, die Cello- und Klavierpartien gleichermaßen zu positionieren, sondern auch die unterschiedlichen Klangfarben der beiden Instrumente zu einer prägnanten Vervollständigung des musikalischen Stoffes zu nutzen. Dazu Niemuth: „Ich bin froh, ergänzend dazu den schönen Versen meine Stimme leihen zu dürfen.“ So wanderten die „Jahreszeiten“ sehr poetisch und klangschön durch den Jahreskreis.

Kaminfeuer und Kerzenlicht vermittelten einmal mehr eine anheimelnde Atmosphäre, die Ulf Schirmer und Annette Hausotter aus Stoltebüll als Besucher zu schätzen wissen. So unterschiedlich die Veranstaltungen in der Koslowski-Halle auch seien, die Eheleute kommen regelmäßig. Schirmer und Hausotter lassen sich gerne verzaubern und loben die in der Veranstaltungshalle herrschende Atmosphäre, in der sie sich jedesmal wohlfühlen.

Zum ersten Mal Besucherin eines Konzertes in Kappeln war Jutta Kreuziger aus Bohnert. Als die Stoltebüller sie fragten, ob sie mitkommen wolle, sagte sie gerne zu, denn: „Ich liebe klassische Musik.“ Ihr habe der Abend, wie sie hinzufügte, sehr gut gefallen. Sie wolle gerne wieder nach Kappeln kommen.

„Im Winter haben wir Zeit für Kultur“, so war es von Gabriele und Wolf-Dieter Frank aus Olpenitz zu hören und sie sagten auch, warum: „Dann haben wir mit unserem Campingsplatz Winterpause.“ Die Atmosphäre bezeichneten die Eheleute als lauschig. Das gefalle ihnen, und sie fügten hinzu: „Klassik ist uns sehr lieb“. Mit Blick auf die Bühne bescheinigten die Franks dem „Beethoven Duo“ eine große Souveränität. Gabriele Frank: „Wie die beiden ihre Instrumente zum Leben und Klingen bringen, ist meisterhaft.“

Vor vier Jahren hat Marion Wittwer ihren Lebensmittelpunkt von Baden-Württemberg nach Kappeln verlegt. Hier erlebte sie das „Beethoven Duo“ nun schon zum zweiten Mal und war sich sicher, dass sie nicht zum letzten Mal in die Koslowski-Halle gekommen ist. Auf der einen Seite die anheimelnde Atmosphäre, auf der anderen Gedichte und Lyrik sowie Musik mit viel Temperament. Wittwer: „Gut, dass es diese Veranstaltungshalle gibt.“

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