zur Navigation springen
Schlei-Bote

19. Oktober 2017 | 15:04 Uhr

Kappeln : Museumsbahn sucht Rettungsweg

vom
Aus der Redaktion des Schlei-Boten

Der Geschäftsführer der Angelner Dampfeisenbahn spricht über die Zukunft der Bahn – und könnte auf ein Gleis im Kappelner Bahnhof verzichten.

shz.de von
erstellt am 09.Mär.2016 | 12:00 Uhr

Ein bisschen muss sich Iver Andreas Schiller vorgekommen sein wie auf dem heißen Stuhl. Der Geschäftsführer der Angelner Dampfeisenbahn gGmbH sprach am Montagabend vor dem Hauptausschuss über nichts Geringeres als die Zukunft der Museumseisenbahn, die ganz offenbar an einem dünnen Faden hängt. Und auch wenn die Stadt Kappeln zwar durchaus gewillt ist, beim Fortbestand der Bahn mitzuhelfen, pocht sie gleichzeitig auf eine konkrete Perspektive des touristischen Highlights, denn: Die Entwicklung der Bahn ist unmittelbar mit einem Fortschritt am Südhafen verknüpft. Und so war für Schiller am Ende des Abends klar: Bis zum Sommer muss er der Stadt eine langfristige Planung für seine Bahn vorlegen.

Zunächst aber bereitete Hauptausschussvorsitzender Matthias Mau (CDU) das Feld vor, indem er sagte: „Die Bahn hat’s schwer.“ Dann aber betonte er schnell die Bedeutung des Südhafens für die Stadt, den man „irgendwann entwickeln“ wolle. Iver Schiller fasste danach den in der jüngsten Vergangenheit schwankenden Investitionsbedarf der Bahn zusammen: Demnach sei man ursprünglich von 62.500 Euro für 500 neue Schwellen ausgegangen. Eine Streckenbereisung habe aber ergeben, dass nur 300 Schwellen abgängig, also 37.500 Euro erforderlich seien. Gut 9000 Euro davon wollte die Bahn selbst tragen. Ein kaputter Torbogen (6000 Euro) habe jedoch kurzfristig ersetzt werden müssen, hinzu kämen inzwischen weitere 10.000 Euro, um Gräben an der Strecke zu entwässern. „Aber“, sagte Schiller, „der Kreis investiert nicht mehr“. Und: „Man sieht klar, dass sich der Kreis von der Infrastruktur trennen will.“ Gleichwohl habe man über die Freien Wähler für die nächste Kreistagssitzung einen erneuten Förderantrag vorbereitet. Schiller: „Wenn der Kreis nein sagt, hängt es an den Gemeinden. Wir können zwar den Betrieb verlustfrei wuppen, aber nicht die Infrastruktur.“ Auf Nachfrage erläuterte der Bahn-Geschäftsführer, dass in den kommenden drei Jahren jeweils 37.500 Euro fällig würden, um Schwellen zu tauschen, die dann allerdings mehrere Jahrzehnte halten würden. „Wenn wir die Schwellen nicht tauschen, ist Schluss“, sagte er – ungeachtet dessen seien die Fahrzeuge alle „tiptop“. Auf den erneuten Hinweis von Michael Arendt (LWG) auf das „absolut nötige Zusammenspiel“ von Stadt und Bahn beim Südhafen, sagte Schiller: „Wir können uns vorstellen, uns in Kappeln um ein Gleis zu verkleinern. Dann müssten wir aber Abstellfläche in Süderbrarup bekommen.“ Der Lokschuppen aber müsse in Kappeln bleiben.

Für das laufende Jahr kündigte Schiller an, gemeinsam mit der Ostseefjord-Schlei GmbH (OFS) das Marketing anzukurbeln. „Die OFS muss die Bahn wesentlich mehr in den Vordergrund rücken“, forderte er. Schillers Rechnung: Besseres Marketing = mehr Fahrgäste = mehr Einnahmen = weniger öffentliche Zuschüsse. Allerdings machte Matthias Mau deutlich, dass die OFS nicht das alleinige Werbeinstrument und Marketing ohnehin nur ein Baustein auf dem Rettungsweg für die Bahn sein könne. Auch den Kreis wollte Mau nicht aus dessen Pflicht zur Förderung der Bahn entlassen, „denn seine Aufgabe können wir nicht gänzlich übernehmen“. Gleichzeitig kündigte er an, sich gut vorstellen zu können, einen Teil der Reparaturkosten des Torbogens zu tragen. In Richtung Schiller sagte Mau: „Im Juni treffen wir uns wieder.“ Bis dahin erwartet die Stadt eine schlüssige Erklärung zur Zukunft der Bahn.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen