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Zukunftsfähig oder nicht? : Museumsbahn am Scheideweg

vom
Aus der Redaktion des Schlei-Boten

Laut einer Machbarkeitsstudie ist der Betrieb zukunftsfähig. Voraussetzung ist allerdings eine Anschubfinanzierung in Millionenhöhe.

Gute 40 Seiten umfasst das Schicksal der Angelner Dampfeisenbahn. Hopp oder Topp – das ist zwar nicht der offizielle Titel dieser Machbarkeitsstudie, aber es ist das, was in so ziemlich jeder Zeile, jeder Zahl mitschwingt. Seit einer gefühlten Ewigkeit kämpft der Trägerverein der Bahn, die Freunde des Schienenverkehrs Flensburg, um den Erhalt seines Babys. Immer wieder müssen Vorstand und Geschäftsführung bei Städten und Gemeinden um finanzielle Unterstützung bitten – wahlweise für Lok oder Gleise. Auf 40 Seiten soll nun deutlich werden, wie dieses regelmäßige Gesuch ein Ende haben und die Bahn zumindest ihre Betriebskosten auf Dauer alleine stemmen kann. Voraussetzung dafür ist allerdings, das steht schon auf Seite 22, ein Investitionsaufwand von mehr als zwei Millionen Euro. Und dennoch ist der Satz, den die an vorderster Front Beteiligten sprechen, identisch – er lautet: „Es ist machbar.“

Im Auftrag des Amtes Süderbrarup hat das Hamburger Unternehmen Inspektour GmbH, laut eigener Website ein deutschlandweit tätiges, praxis- und umsetzungsorientiertes Büro im Bereich Tourismus, Freizeit und Regionalentwicklung, diese Machbarkeitsstudie erstellt. Finanziert wurde das rund 22.000 Euro teure Papier von den Ämtern Süderbrarup und Kappeln-Land, der Stadt Kappeln, der Gemeinde Süderbrarup, der Aktivregion Schlei-Ostsee, der Museumsbahn selber und vom Wirtschaftskreis „Pro Kappeln“. Dessen Vorsitzender Stefan Lenz – gleichzeitig ein großer Verfechter der Dampfeisenbahn und ein absoluter Realist, was deren Zukunft betrifft – schickt vorweg: „Wir brauchen ein klares Pro der Region für die Bahn.“

Das erste sendet Lenz gleich selber. „Diese Studie garantiert das Überleben der Bahn nicht. Aber sie liefert Anknüpfungspunkte dafür.“ Knackpunkt stellen vier Module dar: Instandsetzung der Strecke, Marketingausbau, Bau eines Lokschuppens, touristische Aufwertung des Lokschuppens. „Wir wollen weg von diesem Stückwerk“, sagt Lenz. „Immer rumzulaufen und um Geld zu betteln, funktioniert auf Dauer nicht.“ Jetzt also das große Ganze. Und die Bahntrasse ist mit Abstand das teuerste Element des Projekts: 14.500 Meter Gleis, acht Weichen, 22.000 Schwellen. Die Studie geht davon aus, dass das komplette Netz innerhalb von sechs Jahren zu erneuern ist. Allein dieses Vorhaben verschlingt nach grober Kalkulation mehr als 1,6 Millionen Euro. „Aber“, sagt Lenz, „nur mit dieser Investition schaffen wir eine wirtschaftliche Grundlage für die Zukunft“.

Aus dem gleichen Grund ist der Lokschuppen erforderlich – im Idealfall auf dem Bahngelände in Süderbrarup. Das gut 1500 Quadratmeter große und seit Langem brachliegende Gelände könnte die Gemeinde erwerben. Ein Schuppen hätte für die Bahn einen ganz pragmatischen Zweck: Er dient dazu, Loks und Waggons geschützt unterzustellen, den Arbeitern bietet er die Chance, bei Reparaturen nicht Wind und Wetter ausgesetzt zu sein. Süderbrarups Bürgermeister Friedrich Bennetreu betont, dass durch die Stärkung des Bahn-Standorts Süderbrarup der Kappelner Bahnhof keinesfalls geschwächt werden soll. „In Kappeln ist einfach kein Platz für einen Schuppen“, sagt Bennetreu. „Die Entwicklungsmöglichkeiten der Bahn am Südhafen sind stark eingeschränkt.“ Trotzdem bleibe Kappeln allein schon aufgrund des Rundreise-Angebots mit Bus, Bahn und Schiff touristischer Dreh- und Angelpunkt. Hinzu kommen Abstell- und Umlaufgleis, auf die die Bahn ebenfalls angewiesen ist.

Das betont auch Peter Hamisch, Vorsitzender des Trägervereins. Und auch er sieht das Umland in der Pflicht. „Die gesamte Region muss touristisch gemeinsam auftreten“, sagt Hamisch. „Wir möchten dabei einer von mehren besonderen Teilen sein.“ Er weiß, dass die Bahn vor allem beim Gruppenreise-Segment nachlegen muss und kann und kündigt an: „Nach einer gewissen Anlaufzeit muss die Bahn ihre Betriebskosten aus eigenen Mitteln erwirtschaften.“ Eben das ruft auch die Machbarkeitsstudie als Ziel aus, hat allerdings die bereits erwähnte Anschubfinanzierung als erstes Hindernis davorgesetzt. Woher das Geld kommen soll, ist noch offen. Denkbar sind EU-Töpfe, Sponsoren oder Arbeitsmarktmittel. Und ein erneuter, einmaliger Zuschuss der Gemeinden. Hamisch sagt: „Wenn der Wille nicht da ist, das Geld zu akquirieren, wird der Verein alleine die Bahn nicht mehr halten können.“ Stefan Lenz formuliert einen noch deutlicheren Satz. „Ohne die Anschubfinanzierung ist die Bahn tot“, sagt er. Und dabei spuken in seinem Kopf so viele Ideen, was man aus einer lebendigen Bahn alles machen kann. Lenz spricht von Veranstaltungen, einem Bahn-Café, einem barrierefreien Umbau, einer neuen Streckenführung – alles Zukunftsmusik, die jedoch nicht einmal in Ansätzen erklingen wird, wenn das Geld nicht da ist. „Die Bahn ist ein Kleinod“, sagt Lenz. „Man würde so etwas heute nicht mehr bauen können. Aber der wichtigste Baustein für eine Perspektive ist die Wirtschaftlichkeit.“

Kappelns Bürgermeister Heiko Traulsen ist bewusst, dass ohne die große Vorab-Summe die Bahn eigentlich schon Vergangenheit ist. „Die Frage ist: Wie kriegen wir das Geld zusammen, um die Bahn auf vernünftige Füße zu stellen?“, sagt Traulsen und prognostiziert einen langjährigen Prozess. Er sagt aber auch: „Es ist realistisch.“ Sein Süderbraruper Pendant pflichtet ihm bei: „Aus meiner Sicht ist es machbar“, sagt Friedrich Bennetreu. Es bleibt viel Aufwand für eine Eisenbahn. Die Region wird zeigen müssen, was sie ihr wert ist.

 

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erstellt am 21.Aug.2014 | 07:30 Uhr

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