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Deutsch für Flüchtlinge in Kappeln : Mohammed und der Genitiv

vom
Aus der Redaktion des Schlei-Boten

Helga Ramge initiierte 2014 Deutschunterricht für Flüchtlinge. Zehn Ehrenamtler engagieren sich zweimal wöchentlich.

Kappeln | Sie sitzen an mehreren Tischen im Klassenzimmer verteilt. Dittmer Heil geht mit Besatt Goytom aus Eritrea verschiedene Begrüßungsformen durch. Joachim Ramge unterrichtet am Nebentisch Babet Abdalla und Kamar Zyaz aus Syrien – sie fangen ganz vorne an und lernen die Ausspache einzelner Buchstaben. Helga Ramge guckt Mohammed Rahmani aus Afghanistan über die Schulter. Er versucht sich gerade an den Aufgaben des Tests für die erste Prüfung: A1.

„Er macht das sehr gut, nur ein Fehler bis jetzt“, sagt Helga Ramge. Im September 2014 hat sie begonnen, Flüchtlingen Deutschunterricht zu geben. Ehrenamtlich investiert die pensionierte Lehrerin und Germanistin viel Zeit und Herzblut. Inzwischen sind zehn ehrenamtliche Lehrkräfte im Einsatz. So sind die Gruppen entsprechend klein, und es kann gut individuell auf den Einzelnen eingegangen werden. Die Schüler, die in einem Raum der Gorch-Fock-Schule unterrichtet werden, kommen aus Syrien, Eritrea und Somalia, dem Iran und Kosovo. Auch aus dem Jemen waren schon welche dabei. Mehr als 90 Flüchtlinge haben den Kurs schon durchlaufen – einige mit großem Erfolg, andere gab es aber auch. Insgesamt 21 Menschen kommen in Moment in den Unterricht und bekommen damit das erste Handwerkszeug an die Hand, das sie brauchen, um Integrationskurse, erste Prüfungen oder weiterführende Sprachkurse belegen zu können. Zwei Mal in der Woche heißt es für sie „Deutsch als Zweitsprache“. „Wir haben hier schon sehr vielen Menschen den Einstieg ins Deutsche ermöglicht“, sagt Helga Ramge. Und wenn sie hört, dass ihre Schüler in den Integrationskursen gut voran kommen und es heißt, dass die, die aus den Kappelner Kursen kommen, besonders gut vorbereitet sind, freut sie sich über das positive Feedback. Am Anfang haben sie und ihre Mitstreiter all die aufgefangen, die auf den amtlichen Unterricht warten mussten oder die, die noch keinen Anspruch darauf hatten. Das klappt zwar inzwischen alles viel besser und schneller, dennoch ist die Nachfrage groß.

Von den Lehrern gehen auch drei in Familien oder Lerngruppen, zum Beispiel in eine Familie mit vielen sehr kleinen Kindern. Oder nach Rabenkirchen-Faulück, dort haben die Schüler Schwierigkeiten mit dem Fahrrad nach Ellenberg zu kommen.

Mohammed kommt gut voran mit dem Text. „Er ist im Moment mein Star-Schüler“, berichtet Helga Ramge und lacht. Mohammed könne es nicht schnell genug gehen, jetzt wolle er unbedingt den Genitiv lernen, verrät sie. Bei jedem Wetter kommt er mit dem Fahrrad aus Stenderup zum Unterricht. Und Mohammed spricht schon gut. Er habe in Syrien als Landwirt und im Landschaftsbau gearbeitet, erklärt er. „Ich habe viele Apfelbäume in der Nähe von Wardak“, sagt er. Und nicht nur das – auch eine Frau und sechs Kinder. Zur Schule gegangen sei er in seiner Heimat nicht. Jetzt möchte er ganz viel lernen und hier arbeiten. Die Fälle und die Artikel, das sei für ihn das Schwerste. „Aber ich habe eine gute Lehrerin“, erklärt er und lächelt.

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erstellt am 27.Feb.2017 | 06:27 Uhr

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