Kappeln : „Mitternacht hören Sie keinen Ton“

Dicht an dicht: In den Häfen der Stadt Kappeln sind bei diesem Wetter Liegeplätze rar gesät. Fotos: Bürger
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Dicht an dicht: In den Häfen der Stadt Kappeln sind bei diesem Wetter Liegeplätze rar gesät. Fotos: Bürger

Jörg Bahnsen ist Hafenmeister beim ASC – auf einige Dinge des Alltags hat er trotzdem keinen Einfluss.

shz.de von
04. August 2018, 13:00 Uhr

Wer in Kappeln mit dem Boot anlegen will, kann das an vielen verschiedenen Stellen tun. Mehr als 100 Liegeplätze hält der Arnisser Segel-Club (ASC) für seine Mitglieder und Gäste bereit. Regeln gibt es in jedem Hafen, Hafenmeister Jörg Bahnsen kennt die meisten. Schlei-Bote-Mitarbeiter Axel Bürger sprach mit Bahnsen über den Alltag in der Hauptsaison.

Ein Yachthafen ist ein speziell für Motorboote, Segelschiffe und Yachten ausgerüstetes und angelegtes Gebiet. Herr Bahnsen, herrscht abends Ruhe an den Liegeplätzen?
Bahnsen: Wir haben keine offiziellen Regeln, aber ich kann mich nicht an größeren Lärm erinnern. Grundsätzlich sehe ich unsere Mitglieder und Gäste als gemütliches Publikum, hier reißt keiner den Ghettoblaster auf.

Unter 15 PS braucht kein Mensch am Steuer eines Bootes auf der Schlei eine Lizenz. Erkennen Sie die Könner beim Manöver genauso wie die Anfänger?
Strömung und Wind können einen beim Anlegen und Einfahren in unseren Hafen fordern. Aber den Leuten Tipps zuzurufen, ist nicht üblich. Frauen stehen oft vorn, denn die Männer lassen die Frauen weniger oft ans Ruder.

Ist Segeln weiterhin eine Männerdomäne?
Es gibt ohne Frage einige Frauen, die sehr gute Manöver fahren und perfekt ausgebildet sind. Aber auf den meisten Booten haben immer noch die Männer das Steuer in der Hand. Vielleicht auch, weil für den Segelsport, wenn man nicht für jede Frage einen Fachmann rufen will, eine gewisse handwerkliche Begabung sinnvoll ist. Und da sehen sich eher die Männer vorn.

Kommen wir mal zu den heiklen Themen: Mülltrennung. Welche Erfahrungen machen Sie hier an der Anlegestelle?
Die Dänen trennen beispielsweise ihren Müll sehr selten, die kennen es aus der Heimat allerdings auch nicht anders. Die Deutschen trennen. Oft werden Säcke auch einfach in den Restmüllcontainer geworfen. Dabei bieten wir unterschiedliche Container für gelbe Säcke, Glas und Papier an. Manchmal legen die Leute auch Batterien einfach auf die Erde, weil sie sie nicht in den Restmüll werfen wollen. Das ganze Thema Mülltrennung ist allerdings nicht neu.


Und wie sieht es mit den Fäkalien aus?
Neuere Schiffe müssen einen Fäkalientank haben. Wir kontrollieren hier natürlich niemanden, das ist auch nicht unsere Aufgabe. Es gibt in Kappeln eine Entsorgungsstation, ob es da wegen der vielen Boote einen Stau gibt, weiß ich allerdings nicht.


Gibt es Gewohnheiten in so einem Liegehafen?
Die Dänen grillen gern hier auf der Rasenfläche neben unserem Gebäude, andere laufen direkt nach dem Frühstück aus, der nächste steht gern in der ersten Reihe, wieder andere kochen kaum und gehen in Kappeln gern essen. Alles ist so verschieden wie die Menschen sind. Die meisten Gäste bleiben nur eine Nacht, das lässt sich sicherlich sagen.

Und alle schlafen natürlich an Bord?
Da können Sie von ausgehen. Da das Schiff dauerhaft in leichter Bewegung ist, muss man sich daran gewöhnen, aber die meisten Segler schlafen sehr gern an Bord. Und um Mitternacht hören Sie hier an den Liegeplätzen keinen Ton mehr.


Was kostet eine Nacht in Kappeln?
Bei uns 16 Euro bei Schiffslängen bis 10,99 Meter, ab elf Meter sind es 19 Euro. Darin enthalten sind alle Gebühren für Strom, Wasser, Müllentsorgung und die Duschräume. Außerdem gibt es kostenloses Wlan. Das ist oft genug die erste Frage von Gästen. Jugendliche fragen sofort nach dem Passwort.

Gibt es Probleme mit der Sicherheit? Wird am Hafen geklaut?
Nein, wir haben wirklich kaum Probleme damit. Neulich wurde aus einem Boot mal ein Einbauradio gestohlen. Kurioserweise haben die Diebe ein altes Radio zurück gelassen.

Haben Sie einen Überblick, was die Yachten und Boote im Sommer so wert sind, die hier in den Hafen fahren?
Das lässt sich pauschal schwer sagen. Es kommen teure Schiffe von X-yachts aus Dänemark, eine Yachtwerft, die sich spezialisiert hat auf Segelyachten für Regatten, aber ein Standard-Boot, das rund 30 Jahre alt ist, hat vielleicht einen durchschnittlichen Zeitwert von 20 000 Euro.

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