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Hasselberg / Rabel : Mitschüler haben Colin immer im Blick

vom
Aus der Redaktion des Schlei-Boten

In der Grundschule Kieholm lernen die Klassenkameraden des sechsjährigen Diabetikers den Umgang mit seiner Krankheit.

shz.de von
erstellt am 01.Feb.2014 | 07:45 Uhr

Der sechsjährige Colin aus Rabel, seit Beginn des Schuljahres 2013/14 einer von 19 Erstklässlern der Grundschule Kieholm, ist ein fröhlicher Junge – so wie die übrigen Kinder des ersten Schuljahrs. Doch es gibt einen Unterschied: Als Colin zwei Jahre alt war, wurde bei ihm Diabetes mellitus Typ 1 festgestellt. Seitdem lebt er mit dieser Krankheit, die zu den häufigsten Stoffwechselerkrankungen gehört.

„Allein in Deutschland leben mit dieser Krankheit 30 000 Kinder im Alter bis zu 19 Jahren“, sagt Diabetes-Beraterin Nicole Lindemann vom Universitätsklinikum Schleswig-Holstein in Kiel. Lindemann betreut in Kindergärten und Schulen 160 Diabetes-kranke Jungen und Mädchen. Bereits zu Beginn des Schuljahres war sie, die auch Kinderkrankenschwester ist, in die Grundschule Kieholm mit aktuell 83 Schülern gekommen, um die Lehrer zu informieren, was es mit dieser Krankheit auf sich hat und was sie tun müssen, wenn sich bei Colin eine Unterzuckerung einstellt – das heißt, wenn er zu zittern beginnt, übermäßig schwitzt, wenn er wackelig auf den Beinen ist, kurzum: Wenn er „auffällig“ wird. Nun war Nicole Lindemann erneut da, um auch Colins Mitschüler auf den Fall des Falles vorzubereiten: Eine Diabetes-Schulung im Klassenzimmer.

Emmelie, Devin, Jonas, Madeleine und Lasse haben sich um Colin geschart. Der hält den Stoff-Löwen „Lenny“ in Händen und demonstriert, wie das mit der am Körper angebrachten Insulin-Pumpe funktioniert. Die Mitschüler sind beeindruckt und wissen, dass Colin ein solches Gerät ständig an seinem Körper trägt. Auf der Leinwand sehen die Jungen und Mädchen, wie an Diabetes erkrankte Kinder ihren Alltag bewältigen. Dazu gehört das Messen des Blutzuckers – morgens, mittags, abends und zwischendurch: Insgesamt sechs Mal und das an 365 Tagen im Jahr. Doch damit nicht genug. Die jeweiligen Messwerte sagen aus, wie es um den Blutzucker bestellt ist. Ist er abgesackt, muss schleunigst etwas dagegen getan werden, damit Colin nicht „umkippt“. Die Botschaft von Nicole Lindemann an die Mitschüler: Immer einen Blick auf Colin haben.

Zwar weiß Colin im Prinzip, was zu tun ist, doch sei es, so Nicole Lindemann, wichtig, dass auch die Mitschüler wissen, wie es ihm geht. Sackt der Blutzucker beispielsweise durch sportliche Betätigung rasant ab, müssen sie als gute Freunde ihn dazu anhalten, zu essen – Traubenzucker – und Saft zu trinken, damit er neue Energie erhält. Wenn's schlimmer wird, sollten sie Hilfe durch Erwachsene holen. Wichtig ist der Diabetes-Beraterin auch, den Kindern zu vermitteln, dass Diabetes nicht ansteckend ist. Dass sich in der Schule Kieholm so engagiert mit dieser Thematik auseinandergesetzt wird, findet bei Nicole Lindemann viel Anerkennung.

Klassenlehrerin Maren Lorenzen, die in der Vergangenheit bereits zwei Diabetes-Kinder begleitete, weiß um ihre und die Verantwortung ihrer Kollegen. Schließlich verbringt auch Colin viel Zeit in der Schule. Um für den Fall des Falles gerüstet zu sein und helfen zu können, gibt es im Klassenzimmer eine Notfall-Box, deren Inhalt Colins Mutter zusammengestellt hat. Dazu gehören ein Taschenrechner, um die gemessenen Werte schneller multiplizieren zu können, ein Tagebuch, in dem Besonderheiten eingetragen werden, ein Katheter, eine Mess-Tasche, flüssiger und fester Traubenzucker und eine Flasche Saft. Auf Frage von Nicole Lindemann nach einer anstehenden Klassenfahrt, antwortet die Lehrerin, dass es vielleicht eine Fahrt nach Amrum gebe. Wie Lorenzen hinzufügt, kam seinerzeit, als sie zwei Diabetes-Kinder in ihrer Klasse hatte, eine Mutter mit auf Klassenfahrt und kümmerte sich speziell um die beiden. Diese Auskunft aufgreifend, macht sich die Beraterin für entsprechende Schulbegleiter stark. Diabetes, erklärt sie den Kindern, sei eine chronische Krankheit, die noch nicht heilbar ist. Aber wenn man wisse, was wann zu tun sei, lasse es sich mit ihr leben.

>Für weitere Informationen steht Nicole Lindemann von der Deutschen Diabetesgesellschaft (DDG) zur Verfügung; erreichbar ist sie unter Telefon: 0431/ 59 73 050.

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