Zeitreise : Mit Stine und Kuddel in das alte Eckernförde

'Hest mi leev, min lütt Schietbüddel?' Fischer Kuddel (Hans Willomitzer) mit Frau Stine (Christel Fries) und antikem Handwagen. Foto: peters
"Hest mi leev, min lütt Schietbüddel?" Fischer Kuddel (Hans Willomitzer) mit Frau Stine (Christel Fries) und antikem Handwagen. Foto: peters

Neue Stadtführung in historischen Gewändern verspricht großen Erfolg

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13. April 2013, 08:39 Uhr

eckernförde | In Kappeln ist erst im vergangenen Jahr die historische Stadtführung bis auf Weiteres eingestellt worden. In Eckernförde wird eine solche nun aus der Taufe gehoben. Ein erster Rundgang offenbarte interessante Geschichten aus der Vergangenheit jenseits des offiziellen Protokolls.

Sie hat zu Zeiten gelebt, als noch 300 Fischer in Eckernförde ihrem Tagewerk nachgingen. Als der letzte Stadtbauer noch seine Schweine durch die Altstadt trieb und Holz, Kohle und Salz noch mit dem Frachtschiff angelandet wurden: Stine heißt die Figur von Stadtführerin Christel Fries, die in historischem Gewand fast 40 Interessierte durch die Innenstadt führte und aus ihrem Leben vor 100 Jahren berichtete. Immer dabei war ihr Mann, der Fischer Kuddel (Hans Willomitzer).

Die neue Stadtführung beginnt am Rundsilo am Hafen. Hier weiß Kuddel gleich etwas zu berichten, denn dort, wo 1931 der Silo gebaut wurde, stand vorher das Lokal "Colosseum", besonders bei den Fischern als Tanzlokal und Rotlichtmilieu beliebt. Eines Tages ließ der Wirt über Ausrufer in der Stadt verkünden, dass am Abend "swatte Deerns ut Afrika mit fast nix an" tanzen würden - so voll war der Laden noch nie. Doch als die Fischer erfuhren, dass es gar keine "swatten Deerns" gab, nahmen sie kurzerhand das Lokal auseinander. 1901 schloss das Etablissement und wurde bis zum Silobau als Getreidelagerstätte genutzt.

Es sind Geschichten wie diese, die auch den Eckernfördern noch etwas Neues über ihre Stadt erzählen. 6000 Einwohner zählte die Stadt damals, wusste Stine zu berichten, die als Op steckfru in einer Räucherei arbeitete, wo sie die Sprotten auf die Räucherspieße steckte. Sie berichtete von ihrer Arbeit in einer der 35 Räuchereien. Oft trugen die Frauen eine Tasche aus Aalhaut unter dem Rock, in der ab und zu verbotenerweise Fischreste für die eigene Familie verschwanden.

Ballastberg, Marie-Luisen-Bad und Yachtmatrosen - leicht und locker vermittelten die beiden Originale auf Platt die Geschichte von Eckernförde - auch die von der Schlacht am 5. April 1849, als die Eckernförder das größte dänische Kriegsschiff in der Bucht zusammenschossen. Eine Kanonenkugel von damals ist noch zu bewundern in der Wand eines Hauses am Jungfernstieg. Nach Hafen, Altstadt und Promenade landete die Gruppe in der künftigen Museumsräucherei, wo es noch "Kieler" Sprotten und einen Küstennebel gab.

"Die Idee zu der Führung ist Werner Pötzsch und mir in Bierlaune gekommen", sagt Christel Fries. Weil Pötzsch als Fischer Fiete verhindert war, sprang nun Hans Willomitzer ein. Die historischen Kleider und die vielen kleinen Döntjes am Rande prognostizieren der Führung eine erfolgreiche Zukunft.

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