Mit offenen Augen durch die Historie

Intensiv hat sich die Klasse 11  a unter anderem mit dem Zwei-Kaiser-Denkmal beschäftigt. Der Lohn: ein dritter Platz unter mehr als 2600 Einsendungen. Foto: Nordmann
Intensiv hat sich die Klasse 11 a unter anderem mit dem Zwei-Kaiser-Denkmal beschäftigt. Der Lohn: ein dritter Platz unter mehr als 2600 Einsendungen. Foto: Nordmann

Wettbewerb der Bundeszentrale für politische Bildung bringt Elftklässern der Klaus-Harms-Schule 1000 Euro für die Klassenkasse

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26. April 2013, 03:59 Uhr

Kappeln | Wer fremde Städte besucht, bleibt häufig vor imposanten Denkmalen stehen oder kommt vor bedeutenden Mahnmalen ins Nachdenken. Seltener passiert dies mit historischen Bauten jedweder Art, die sich vor der eigenen Haustür befinden. Die Klasse 11 a der Klaus-Harms-Schule nahm allerdings einen Schülerwettbewerb der Bundeszentrale für politische Bildung zum Anlass, um eben dieses zu tun. Das Leitmotiv "Denk mal - was soll das Denkmal ?" führte die 21 Gymnasiasten zu zwei Denkmalen nahe der Kappelner Nikolaikirche. Der Lohn für die intensive Auseinandersetzung mit den Bauten: der dritte Platz im Wettbewerb und 1000 Euro für die Klassenkasse.

Aus sechs Themen konnten die Elftklässler wählen, ihr Wettbewerbsbeitrag hätte etwa auch von Alkoholmissbrauch oder der Hoffnung Europa handeln können. "Aber", sagt Cora-Malen Jeß (17), "mit dem Thema Denkmal hatte sich noch keiner von uns richtig befasst, vor allem nicht mit den Hintergründen". Und Phillip Krüger erinnert sich an einen ganz pragmatischen Ansatz. "Wir haben gehofft, dass bei diesem Thema nicht so viele mitmachen und unsere Gewinnchancen höher wären", sagt der

17-Jährige. Mitgemacht haben am Ende übrigens mehr als 52 000 junge Menschen mit knapp 2600 eingereichten Wettbewerbsbeiträgen - da kann sich ein dritter Platz mehr als sehen lassen.

Schon Anfang Oktober hat sich die 11 a ihren Denkmalen genähert. Das Klassenvotum fiel dabei auf das Zwei-Kaiser-Denkmal und die Doppeleiche mit Gedenkstein, beide befinden sich in unmittelbarer Nähe zur Nikolaikirche. Für die Schüler ein Glücksfall, denn der enge Bezug zu ihrer Heimatstadt eröffnete ihnen zuverlässige Recherchemöglichkeiten. Lena-Marie Eloo (18) erinnert sich: "Vor allem das Stadtarchiv und die Bücherei haben uns die Arbeit erleichtert." Eine Arbeit allerdings, die nicht ausschließlich im Unterricht mit ihrer Lehrerin Martina Damm erledigt werden konnte. Hin und wieder war es nötig, dass sich die Schüler auch zu Hause gründlich mit dem Thema beschäftigten. Herausgekommen ist am Ende eine zwölfseitige, optisch durchweg ansprechende Broschüre, deren detailreiche Fließtexte immer wieder durch verschiedene Elemente aufgebrochen werden: Fotos, Grafiken, lehrreiche Randnotizen, Tabellen, Zeichnungen. Das Ergebnis einer intensiven Gruppenarbeit, von deren Ablauf Lehrerin Martina Damm verblüfft war. "Dass die Zusammenarbeit so gut klappt, hat mich schon überrascht", sagt Damm. Problemlos hätten die Schüler Termine eingehalten, ihre Aufgaben nahezu punktgenau erledigt. "Die Schüler haben gelernt, dass sie sich aufeinander verlassen können", sagt Martina Damm. "Und alle haben eine große Geduld bewiesen." Vor allem als es am Ende darum ging, die vollständige Broschüre noch einmal zu überarbeiten, an einzelnen Formulierungen zu feilen und zu akzeptieren, wenn die Mehrheit eine andere Wortwahl bevorzugte. Und Désirée Dombrowski (17) lächelt, als sie sagt: "Es sind immer noch Fehler drin." Tatsächlich haben die Elftklässler zumindest in einem Bereich inhaltliches Neuland betreten: Das Deutsche Kaiserreich (Zwei-Kaiser-Denkmal) ist bereits Unterrichtsthema gewesen, mit der Schleswig-Holsteinischen Erhebung (Doppeleiche mit Gedenkstein) war aber noch keiner in Berührung gekommen.

Hat sich nun der Blick auf ein Denkmal durch die Forschungsarbeit verändert ? Die Schüler nicken geschlossen. Dass sich hinter einem Denkmal eine ganze Geschichte verbirgt, war ihnen schon vorher klar. Und dennoch sind sie früher auch mal blind daran vorbeigelaufen. "Jetzt aber", sagt Phillip Krüger, "bleibe ich stehen und lese nach, was auf der Tafel steht".

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