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Kappelner Werkstätten : Mit Handicap sicher über die Straße

vom
Aus der Redaktion des Schlei-Boten

Kappelner Werkstätten und Landesverkehrswacht Schleswig-Holstein gestalten ein Verkehrstraining für Beschäftigte.

shz.de von
erstellt am 09.Okt.2017 | 15:10 Uhr

Am Ende ist es wohl so etwas wie eine kleine Erfolgsgeschichte, die sich da in den vergangenen Monaten in den Kappelner Werkstätten zugetragen hat. An der Spitze: Rolf Greulich, pensionierter Polizeibeamter aus Grödersby. An seiner Seite: zwölf Beschäftigte der Werkstätten. Ihr gemeinsames Ziel: mehr Sicherheit im Straßenverkehr, vor allem bei der Überquerung einer Straße. Und das Fazit nach monatelangem Training: Die Gefahren und Risiken sind allen Teilnehmern bewusst, viele von ihnen haben sich die Fähigkeit erarbeitet, selbstständig über die Straßen zu gehen, einige sind sogar so weit, nun selber zum Verkehrshelfer zu werden.

Kerstin Jürgens, pädagogische Leiterin der Inklusiven Arbeits- und Bildungsangebote in den Werkstätten, erklärte die Ausgangslage so: „Uns sind Situationen aufgefallen, in denen unsere Beschäftigten einfach unsicher im Straßenverkehr sind.“ Über Rolf Greulich entstand der Kontakt zur Landesverkehrswacht, und ehe sich Kerstin Jürgens versah, hatte Greulich schon seine Theorie parat, wie er die Werkstätten-Beschäftigten fit für den Straßenverkehr machen wollte. Allerdings räumte er ein: „Ob das in der Praxis tatsächlich klappen würde, wusste ich nicht.“

Es sollte klappen, so viel kann verraten werden. Im Mittelpunkt stand der Zebrastreifen, der über die Straße Mehlbydiek führt und den etliche Beschäftigte auf ihrem Heimweg oder von ihrem Arbeitsplatz zum Speisesaal überqueren müssen. Rolf Greulich sagte: „Sicherlich war das Verhalten der Beschäftigten nicht immer optimal, manche liefen einfach los, guckten weder nach rechts noch nach links.“ Aber auch seitens der Autofahrer hatte der ehemalige Polizist einiges zu bemängeln: Manche überholten im Zebrastreifen-Bereich, viele waren zu schnell unterwegs und missachteten die Fußgänger und ihren Vorrang am Zebrastreifen. Greulichs Beobachtung: „Die Verunsicherung der Beschäftigten war groß.“ Vor allem deshalb, weil es ihnen schwerfällt, Geschwindigkeiten und Abstände richtig einzuschätzen.

Vier konkrete Lernziele hat Rolf Greulich daher ausgerufen: Stehenbleiben. Zu beiden Seiten gucken. Handzeichen geben. Vorsichtig und zügig über den Zebrastreifen gehen. „Es ging darum, ihnen Handlungssicherheit zu geben“, sagte er. „Und eine eindeutige Körpersprache.“ Mehr Mobilität. Das Resultat zeigte sich nun gestern, als Kerstin Jürgens eine Reihe von Zertifikaten verleihen konnte: Einigen wird darauf attestiert, künftig selbstständig den Zebrastreifen überqueren zu können, anderen, dass sie vorerst weiterhin auf Begleitung angewiesen sind. Rolf Greulich erklärte dazu: „Das war uns genauso wichtig – herauszufinden, wer trotz der Schulung weiter Unterstützung benötigt.“

Und dann gab es aber auch noch jemanden wie Antonia Birker. „Ich hatte vorher Angst, über die Straße zu gehen“, sagte die Werkstätten-Beschäftigte gestern. Durch die Kurs aber habe sie gelernt, anhand bestimmter Orientierungspunkte die Entfernung eines Autos besser einschätzen zu können. „Und jetzt freue ich mich schon, bald selbst Verkehrshelfer zu werden.“ Und tatsächlich hat Antonia bereits geübt, eine Gruppe über den Zebrastreifen zu führen.

Zwei Kurse mit jeweils sechs Teilnehmern haben bislang stattgefunden, und geht es nach Kerstin Jürgens und Rolf Greulich, ist das erst der Anfang. Auch Elisabeth Pier, Vizepräsidentin der Landesverkehrswacht, versprach gestern: „Es soll keine Eintagsfliege sein, wir bleiben am Ball.“ Und der Geschäftsführer der Werkstätten, Stefan Lenz, erkannte in der Verkehrssicherheit einen „entscheidenden Faktor, um am Leben teilnehmen zu können“. Und dass die Beschäftigten nebenbei auch ganz einfach viel Freude an ihrer Schulung hatten, zeigte sich gestern ebenfalls. Eben die wollen sie nutzen, um die Aufmerksamkeit, die nun bei ihnen gewachsen ist, auch an andere weiterzutragen: Ein Flyer soll dazu beitragen, mit den anliegenden Firmen in Mehlbydiek ins Gespräch zu kommen und auch sie für das Thema Verkehrssicherheit, gerade wenn Schwächere beteiligt sind, zu sensibilisieren.

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