Vortrag bei den Nautikern : Mit der „Peking“ in alte Zeiten zurücksegeln

Die „Peking“ liegt heute als Touristenattraktion im East River von New York.
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Die „Peking“ liegt heute als Touristenattraktion im East River von New York.

Der Nautische Verein startet ins neue Jahr mit der Vorführung eines 86 Jahre alten Films über die Sturmfahrt des berühmten Rahseglers um Kap Hoorn.

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13. Januar 2015, 12:30 Uhr

Es war das erste Mitgliedertreffen des Nautisches Vereins Kappeln-Schlei in diesem Jahr. Und mit der „Sturmfahrt des Rahseglers ‚Peking‘   um Kap Hoorn“ hatten die Nautiker im Clubsaal des ASC-Restaurants „Landgang“ ein Thema ausgewählt, das auch nach über 85 Jahren nichts von seiner Faszination verloren hat. Bestes Indiz dafür war der große Besucherandrang. Bei der Begrüßung durch den Vorsitzenden Rainer Gause war der Raum brechend voll. Nicht nur viele Mitglieder, auch neun Besucherinnen waren zu der Veranstaltung gekommen.

Den Film über die Sturmfahrt hatte der Segelabenteurer Irving McClure Johnson 1929 im Alter von 24 Jahren aufgenommen. Den Streifen hatte Vereinsmitglied Dr. Günther Hencken bei einem seiner Auslandsaufenthalte in Connecticut (USA) auf einer DVD erworben. Allerdings hat der Film keinen Ton. Daher übernahm Kapitän Uwe Schneidewind, ehemaliger Schiffsjunge auf der „Pamir“ und späterer Kapitän auf der „Lilli Marleen“, sehr kompetent die Kommentierung.


Die Arbeit auf dem Windjammer war ein knochenharter Job


Die „Peking“ war damals mit 115 Metern über alles – zum Vergleich: das heutige Schulschiff „Gorch Fock 2“ ist 89 Meter lang – das größte Segelschiff der Welt. Die „Peking“ konnte 32 Segel setzen und 5300 Tonnen Cargo transportieren.

Doch so majestätisch die Ausstrahlung dieses Großseglers auch ist – die Arbeit an Bord war für die Crew meist ein knochenharter Job. Davon gab der Film eindrucksvoll Auskunft. So gab es keine maschinelle Unterstützung. Alles musste von Hand erledigt werden. Der Frachtsegler war von der berühmten Hamburger Reederei Laeisz zur Salterfahrt in Auftrag gegeben worden.

Die Hintergründe dazu erläuterte Hencken in einem Vorbericht zum Film. Deutschland litt demnach zu Beginn des 19. Jahrhunderts unter Hungersnot. Die Böden waren ausgezehrt. In dieser Zeit wurde von den Engländern in der Wüste vor Chile Salpetererde (Caliche) mit Natriumnitrat, ein wichtiger Dünger, entdeckt. Aus Chile stammten in der Zeit rund die Hälfte aller von der Landwirtschaft verbrauchten stickstoffhaltigen Handelsdünger. Und dort kam die „Peking“ ins Spiel, die eigens für den Chile-Salpeter-Transport gebaut wurde. Bis 1932 zählte sie zur berühmten Flotte der Flying P-Liner. Das „P“ stand dafür, dass ihre Namen fast ausschließlich mit dem Buchstaben „P“ begannen – andere Schiffe der Serie hießen „Pommern“, „Pinguin“, „Pamir“ oder „Priwall“. Und „Flying P-Liner“ wurden sie genannt, weil ihre Schnelligkeit und Zuverlässigkeit legendär waren. Viele Segelrekorde gingen auf die Rahsegler aus Hamburg zurück.

1932 wurde die „Peking“ verkauft. Heute liegt die Viermastbark in einem US-amerikanischen Museumshafen in New York und rottet als Museumsschiff vor sich hin. Das Schiff soll nach Hamburg verschenkt werden. Doch dazu müsste es für den Transport nach Europa aufgerüstet werden. Dafür fehlen allerdings 30 Millionen Euro. Ein Förderverein bemüht sich, dieses Geld zu beschaffen, um das Schiff vor dem Untergang zu bewahren.


Der Filmemacher machte bei Seegang Kopfstand auf dem Mast


Als das Schiff noch gut in Schuss war, begleitete der Segler und Dokumentarfilmer Irving Johnson es 1929 auf seiner Reise nach Chile rund Kap Hoorn. Kapitän war damals Heinrich Jürgen Jührs. Der Film zeigt mit welcher Intensität Johnson sich auf diese Tour vorbereitet hatte. Und auch das, was er danach filmisch festgehalten hat, ist sensationell. Er zeigt nicht nur die seemännische Arbeit an Bord bei Schönwetter. Er turnt auch bei Sturm durch die Wanten an den vier Masten. Er turnt auch bei Sturm durch die Seile an den vier Masten. Und dass er topfit ist, zeigt er mit einem Kopfstand in schwindelerregender Höhe auf einem Mast bei starkem Wellengang. Auch von den Produktionsorten des Caliche und den dort entstandenen Fabriken berichtet der Film.

Alles war so spannend und gut gemacht, dass die Besucher am Ende lautstark applaudierten. Rainer Gause bedankte sich am Schluss der Veranstaltung in gewohnter Weise bei Günther Hencken und Kapitän Uwe Schneidewind für den gelungenen Abend jeweils mit einem Aal von Föh.  

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