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Arnisser Segel-Club : Mister 100 Prozent geht von Bord

vom
Aus der Redaktion des Schlei-Boten

Thies Kölln gibt den Vorsitz des Arnisser Segel-Clubs nach 16 Jahren auf – und wird Ehrenvorsitzender. Sein Nachfolger heißt Peter Boltz

Sie hätten wohl noch deutlich länger applaudiert, wären noch länger stehen geblieben, wenn er ihnen nicht irgendwann zu verstehen gegeben hätte, dass es nun wirklich genug sei. Er tat das in seiner ganz speziellen Art – ein besonderer Mix aus eindeutiger Bestimmtheit, beeindruckender Ruhe und tiefer Bescheidenheit. Eine Art, die keinen Widerspruch erzeugt, weil sie ihn schlicht überflüssig macht. Der Arnisser Segel-Club (ASC) hat am späten Sonnabendnachmittag schweren Herzens seinen langjährigen Vorsitzenden Thies Kölln verabschiedet. Sein Nachfolger heißt Peter Boltz. Und dessen erstes Votum in diesem Amt hatte gleich Folgen für seinen Vorgänger: Auf Antrag des Vorstandes erhob die Versammlung Thies Kölln zum Ehrenvorsitzenden des ASC und verlieh ihm außerdem den clubeigenen Kommodore-Stander. Das Ende einer Ära.

Dabei hatte die gut zweistündige Sitzung mit den üblichen Formalitäten begonnen. Thies Kölln hielt seinen letzten ausführlichen Jahresbericht und erinnerte unter anderem an das zurückliegende Speckregatta-Wochenende, das dank neu gestalteten Hafenfestes zu Beginn insgesamt wachsenden Zuspruch erhalten habe. Auch die eigentliche Beteiligung an der Regatta mit 67 Booten beurteilte Kölln als gut. Zum Jahresende schloss das ASC-Clubhaus vorübergehend seine Türen, Pächter Arne Raub hatte um Auflösung seines Vertrages gebeten. Die neuen Pächter heißen Lars Agger und Tanja Wallbott, die derzeit die Renovierung des Gebäudes voranbringen – und das, so Kölln, „mit erheblichen Eigenleistungen“. Unter anderem soll das Clubhaus eine neue Decke und einen neuen Fußboden erhalten, die Essensausgabe der Küche wird verlegt, der Zugang zur Terrasse mit einer Schiebetür ermöglicht, Licht- und Soundtechnik werden ebenfalls erneuert. Kölln rechnet mit der Wiedereröffnung für Ende März. Besonderes Lob hatte der scheidende Vorsitzende für Hafenmeister Jörg Bahnsen parat, der 2013 an Gastliegegeldern über 20 Prozent mehr als noch im Jahr zuvor eingenommen hatte. An seine 458 Mitglieder richtete Kölln den Appell, den Clubdienst ernster zu nehmen, denn: „Gerade im Clubdienst bestätigt sich das gemeinsame Interesse zum Erhalt und zur Pflege unserer gesamten Anlage.“

Jugendsprecher Jannis Wischhusen blickte anschließend zurück auf eine sportlich erfolgreiche Saison der ASC-Jugend in der Schleiboot-Liga, die Pfingstgeschwaderfahrt und ein Zeltwochenende in Schleimünde. Einen Dank richtete der junge Mann an Jugendwartin Ulla Eggers sowie Jens Eggers für deren unermüdliches Training und an mehrere Spender, die die ASC-Jugendabteilung im vergangenen Jahr mit 3000 Euro unterstützt hatten. Sportwart Thedje Ancker stellte unter anderem ein neues Projekt des ASC für die kommende Saison vor: Analog zur Arnisser Mittwochsregatta möchte der ASC eine Feierabendregatta etablieren, die vom Clubhaus nach Karschau und zurück führen soll. Geplant sind sieben Wettfahrten, die sich sowohl an erwachsene als an jugendliche Segler richten. Mit einem Augenzwinkern sagte Ancker: „Es ist schwierig eine Ausrede zu finden, weshalb man dabei nicht mitmachen kann.“ Kassenwart Björn Meyborg offenbarte im Anschluss eine solide Kassenlage des Clubs, die teils jedoch auch darauf zurückzuführen sei, dass man einige Großausgaben ins Jahr 2014 verschoben habe. So wird in diesem Jahr unter anderem die Clubhaus-Renovierung mit geschätzten 30.000 Euro zu Buche schlagen, weitere 7300 Euro kalkuliert Meyborg für neue Gitterplatten für die ASC-Brücke ein, 10.000 Euro werden nötig sein, um das Gelände der Jugendabteilung mit Anschlussleitungen für Wasser und Abwasser zu versorgen.

Und dann war es Zeit für einen Abschied. Bereits vor zwei Jahren hatte Thies Kölln angekündigt, seinen Posten zur Verfügung zu stellen. Danach habe man, das betonte Kölln am Sonnabendnachmittag, einen Wechsel intensiv vorbereitet – „und ich bin sicher, wir haben in die richtige Richtung gearbeitet“. Bevor der Richtungswechsel allerdings Fahrt aufnahm, ergriff Köllns Vize Claus Nissen das Mikrofon. In herzlichen Worten blickte er zurück auf die Ära Kölln, die im Jahr 1961 mit dem Vereinseintritt des künftigen Ehrenvorsitzenden begann. Schon zehn Jahre später wurde Thies Kölln Vorstandsmitglied, war seit 1992 zweiter und seit 1998 erster Vorsitzender. In diese Zeit fielen etliche bedeutende Ereignisse, die Nissen gerne aufzählte, etwa der Neubau der Brückenanlage, die Wiederauflage der Club-Zeitschrift, der Kauf des Grundstücks, auf dem das Clubhaus steht, oder die 100-Jahr-Feier des ASC. „Gerade bei der Planung zum Jubiläum sprudelte Thies über vor Ideen“, sagte Nissen. „Wenn wir ihn nicht gebremst hätten, hätten wir tagelang feiern können.“ Und dabei ist der ASC nicht der einzige Verein, dem sich Kölln verbunden fühlt. Ob Männergilde, Rotary oder Orgelbauverein – „überall bringt sich Thies voll ein“, sagte Nissen. „Es sind immer 100 Prozent Thies.“ Dass der ASC einen sehr guten Ruf entlang der Schlei und darüber hinaus genieße, sei auch sein großes Verdienst. Und an Kölln direkt gerichtet sagte Nissen: „Wir haben dir sehr viel zu verdanken.“ Dass der zweite Vorsitzende nicht der einzige war, der so dachte, demonstrierten die Mitglieder eindrucksvoll. Alle erhoben sich von ihren Plätzen und applaudierten ihrem nach 16 Jahren scheidenden Vorsitzenden im Stehen. Nissens Antrag, Kölln als Ehrenvorsitzenden aufzunehmen – „weil wir uns nicht vorstellen können, dass er nicht auch künftig ein Wörtchen mitreden möchte“ –, nahm die Versammlung einstimmig an. Und dann erhielt Kölln auch noch den Kommodore-Stander des ASC, und Nissen präsentierte ihm sein gerahmtes Konterfei, wie es künftig im Concordia-Raum neben den anderen ehemaligen ASC-Vorsitzenden hängen wird – „ein bisschen größer als die anderen“, betonte der zweite Vorsitzende. Oben drauf gab es schließlich ein verlängertes Wochenende in einem Wellness-Hotel in Morsum auf Sylt – ein Dankeschön des Clubs auch an Köllns Ehefrau Regina, die, so Nissen, ihren Mann in der Vergangenheit häufig habe mit dem ASC teilen müssen.

Ein einigermaßen überraschter Thies Kölln dankte seinen Mitgliedern und seinem Verein, der ihm so viele bemerkenswerte Begegnungen ermöglicht habe. „Es war mir eine Freude, mich beim ASC einzubringen“, sagte Kölln. Trotz aller Arbeit sei ihm der Posten nie zur Last geworden. Guter Dinge übergab er sein Amt jetzt an Peter Boltz, den die Versammlung mehrheitlich wählte. Boltz erklärte: „Ich freue mich auf die neue Arbeit und werde mich voll einbringen. Ob ich das erbringen kann, was Thies Kölln erbracht hat, weiß ich allerdings nicht.“ Tatsächlich sind die Fußstapfen, die Thies Kölln hinterlässt, übergroß. Aber der ASC wird klug genug sein, Peter Boltz nicht in sie hineinzuzwingen. Denn das Ende einer Ära könnte ja auch der Beginn einer neuen sein.

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erstellt am 17.Feb.2014 | 07:30 Uhr

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