36. Kappelner Heringstage : Mission Bürgernähe erfüllt

Ein Highlight – vor allem in der Dunkelheit: Das Riesenrad zog jede Menge Besucher an.
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Ein Highlight – vor allem in der Dunkelheit: Das Riesenrad zog jede Menge Besucher an.

Am Ende der 36. Heringstage steht eines fest: Es lohnt sich, die Menschen mit einzubinden. Vor allem das Lok-Trekken und die Bürgerwette verbreiteten etwas vom lange vermissten Wir-Gefühl.

shz.de von
02. Juni 2014, 07:30 Uhr

Vier Tage Ausnahmezustand sind vorüber, seit gestern sind die 36. Heringstage wieder Geschichte. Und gegen Mittag stand ein recht entspannter Chef-Organisator Jürgen van Schöll in der „Haifischbar“ und sah sich zu einer besonderen Akzentuierung gezwungen. „Ich bin mit dem Ablauf sehr sehr zufrieden“, sagte der Geschäftsführer der Wirtschaft und Touristik Kappeln GmbH (WTK). Schon der Donnerstag sei mit Blick auf die Besucherzahlen „bombastisch“ gewesen, vor allem aber lobte van Schöll die Atmosphäre während der Veranstaltung. Mehr noch: „Die Stimmen, die man unterwegs so auffängt, haben mir vermittelt, dass wir es geschafft haben, unser Ziel von mehr Bürgernähe umzusetzen. Die Menschen hatten das Gefühl, dass es ein Stadtfest für uns und unsere Gäste war“, sagte van Schöll.

Mit dem Kinderprogramm auf dem Deekelsenplatz und im Jöns Hof habe man punkten können und so die familiäre Atmosphäre sichergestellt. Van Schöll lächelte, als er sagte: „Die Helfer waren abends völlig geschafft, aber glücklich.“ Besonders gefreut habe ihn, dass viele Kappelner Senioren den Weg auf die Festmeile gefunden hätten – aus Erzählungen wisse er, dass sie den Ort bislang eher gemieden hätten. „Und so war es ein Stadtfest, mit dem wir wirklich alle ansprechen konnten“, urteilte der WTK-Chef.

Gleichwohl hatten nur zehn Interessierte den Weg zum Bingo-Spiel am Sonnabendmittag gefunden, die Aktion wurde kurzerhand abgesagt. Und auch die offene Bühne am Freitag blieb im zweiten Jahr leer. Es fand sich keiner, der die Plattform für eine Darstellung nutzen wollte. Als kleinen Erfolg konnte die WTK dagegen die Bürgerwette verbuchen, wenn sich van Schöll auch noch ein paar mehr verkaufte Lose als 138 Stück gewünscht hätte. Gestern Mittag wurden Heringsprinz Peter Kraack und Heringsprinzessin Eva Frye gekürt. Die beiden lagen mit geschätzten 303 beziehungsweise 301 Heringen, die an Himmelfahrt im Netz zappelten, der wahren Zahl von 302 am nächsten. Kraacks Taktik: „Mein Opa war Fischer. Daher weiß ich, dass auf ein Pfund Hering drei bis vier Stück kommen.“

Weiteres Plus: der kleine aufgeschüttete Sandstrand in Höhe des Bronze-Fischers – für Jürgen van Schöll „eine schöne Relaxzone“. Eine gelungene Partyzone war dagegen die „Haifischbar“ am Donnerstagabend, als die Band „Atomic Playboys“ auf der Bühne stand. Bar-Chef Michael Hucke sagte: „Bis dahin hatte ich noch nie gesehen, dass schon um halb neun keiner mehr auf seinem Stuhl gesessen hat.“ Hucke wagte gestern zudem ein Versprechen: „Im nächsten Jahr gibt es wieder ein Schlauchbootrennen – und wenn wir Boote kaufen müssen.“ Eine Initiative ganz im Sinne Jürgen van Schölls. „Es ist wichtig, dass die Heringstage von innen wachsen und bestehen“, sagte er. „Wenn wir noch ein, zwei mehr solcher Dinge wie Lok-Trekken und Schlauchbootrennen haben, haben wir auch wieder ein Fest von uns und für uns.“

Trotz aller guten Laune waren unter den von van Schöll und der Polizei geschätzten 45 000 Besuchern auch solche, denen die Heringstage aus verschiedenen Gründen weniger gut bekommen sind. Vor allem am Donnerstag hatte das DRK-Team viel zu tun, Einsatzleiter Steffen Räth sprach von 35 Hilfeleistungen, in den Tagen darauf kamen jeweils 15 bis 20 hinzu – insgesamt mehr als im Vorjahr. Schuld war entweder der Alkohol, ein schwacher Kreislauf, einmal ein Fahrradsturz. Bis ein Uhr nachts war das DRK mindestens zu sechst in zwei Schichten präsent, immer in engem Kontakt zu Polizei, DLRG und Sicherheitsdienst. Und Räth lobte die Absprachen: „Wir sind hier alle mittlerweile sehr eingespielt, das läuft schon sehr professionell ab.“ Der stellvertretende Revierleiter der Kappelner Polizei, Rainer Detlefsen, meldete gestern neben der folgenschweren Schlägerei am Hafen (wir berichteten), zwei weitere Körperverletzungen. Außerdem ist es in der Nacht zu Freitag zu einer Vergewaltigung gekommen, die Kripo Schleswig ermittelt. Auffällig sei die Zahl der gemeldeten Diebstähle gewesen, sagte Detlefsen. Demnach seien Rucksäcke, Handys und Portemonnaies weggekommen. Einem 19-Jährigen, der mit einem Einhandmesser hantierte, habe man einen Platzverweis erteilt.

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