zur Navigation springen

Margarethen-Klinik : Ministerin auf Visite in der Klinik

vom
Aus der Redaktion des Schlei-Boten

Gesundheitsministerin Kristin Alheit erfährt die Folgen des Bundeswehrabzugs für die medizinische Versorgung in Kappeln.

shz.de von
erstellt am 12.Nov.2014 | 07:30 Uhr

Ihr Smartphone lagt griffbereit vor ihr auf dem Tisch. Telefoniert hat Kristin Alheit (SPD) damit zwar nicht, aber so ein Gerät eignet sich ja auch ganz wunderbar dafür, Ideen, die man nicht vergessen möchte, mal eben schnell hineinzutippen – quasi als portable Erinnerungsstütze. Und davon hat Schleswig-Holsteins Gesundheitsministerin bei ihrem gestrigen Besuch in der Margarethen-Klinik äußerst rege Gebrauch gemacht. Es war nämlich tatsächlich so, dass ihr vor allem Klaus Drückler, Geschäftsführer der Margarethen-Klinik, Karl-Heinz Vorwig, Vorstandsmitglied der Diako, und Dr. Christian Peters, Diako-Krankenhausdirektor, einiges an Wünschen mit auf den Weg gaben. Gleichzeitig konnte sich das Trio allerdings sicher sein, dass Alheit einen durchaus authentischen Eindruck von den Arbeitsabläufen in der kleinen Klinik erhalten hatte, der ihr am Ende folgendes Lob leicht über die Lippen kommen ließ: „Das hier ist ein Zukunftsmodell und kein Auslaufmodell.“

Am Anfang stand jedoch zunächst eine Führung. Zuerst die Patientenzimmer – samt Flachbildschirm und Terrasse –, die Begegnungshalle der Margarethen-Residenz, OP-Bereich, Aufwachstation, Anlaufpraxis, Radiologie – in großen Teilen vor drei Jahren aufwändig modernisiert. Schon während des Rundgangs, zu dem sich auch Vorstand Wolfgang Boten, Frank Pröter, Verwaltungsleiter der Margarethen-Klinik, Stationsarzt Michael Krause und der diensthabende Chirurg Dr. Jürgen Spahr gesellt hatten, zeigte sich Alheit zum einen gut vorbereitet, zum anderen ehrlich beeindruckt. So führte etwa Jürgen Spahr aus, das am Montag zwar nur zwei geplante Operationen auf dem Programm standen, am Ende aber sieben Eingriffe daraus wurden. „Alles, was ein Kreiskrankenkaus leisten kann, können wir leisten“, lautete sein Fazit. Punkten will die Margarethen-Klinik dabei vor allem mit ihrer Wohnortnähe und ihrem persönlichen Umgang mit den Patienten. Michael Krause betonte: „Gerade den persönlichen Draht zum Arzt schätzen die Patienten hier sehr.“ Weiteres Plus: der Notarztstandort mit dem DRK-Fahrzeug. Frank Pröter berichtete von durchschnittlich 4,1 Einsätzen am Tag – „das Fahrzeug ist das am meisten frequentierte im ländlichen Raum“. Auch die unmittelbare Nähe zu anderen Praxen, etwa einer gynäkologischen oder neurologisch-psychiatrischen, blieb nicht unerwähnt. Kristin Alheit sah in dem dichten Netzwerk einen enormen Vorteil. „Andere Kliniken müssen wahre Klimmzüge machen, damit sie solche guten Wege haben“, sagte die Ministerin.

Als die Sprache auf die nach wie vor insgesamt eher langsam bis schleppend laufenden Konversionsprojekte kam, hakte Alheit nach und wollte wissen, wie sich die Folgen an der Margarethen-Klinik bemerkbar machten – nach den Worten Klaus Drücklers vor allem in der Zahl der Ärzte. Weil nämlich die Zahl der Arztsitze unmittelbar an die Einwohnerzahl gekoppelt sei, habe man die nach dem Abzug der Bundeswehr auslaufende dritte Chirurgenstelle nicht neu besetzen können. Gleichwohl sei sie aber vonnöten, damit Jürgen Spahr nicht wie derzeit ganz alleine die Urlaubsvertretung für seinen Kollegen übernehmen muss. Und selbst wenn sich etwa ein Facharzt für Allgemeinmedizin, wie unlängst geschehen, als Belegarzt in der Margarethen-Klinik tätig sein möchte, spiele die Kassenärztliche Vereinigung (KV) nicht mit.

Ein Umstand, der in den Augen von Christian Peters, nicht nachvollziehbar ist. „Patienten mit kleineren Problemen sind viel sachgerechter in kleinen Kliniken mit familiären Strukturen aufgehoben als in den großen Krankenhäusern“, sagte Peters. Vielmehr bestehe dort die Gefahr, dass sie die großen Abläufe lähmen und unverhältnismäßig viel Aufwand erforderten. „Der Schlüssel zum Erfolg für alle liegt in solch kleinen Häusern wie der Margarethen-Klinik“, sagte er. „Deshalb haben wir ein unmittelbares Interesse daran, die Peripherie zu stärken. Und dazu brauchen wir Allgemeinmediziner aus der Region, die ihre Patienten kennen.“ Peters wünschte sich eine Art Pilot-Projekt mit einem Allgemeinmediziner als Belegarzt und versprach: „Wir sorgen schon für den Erfolg.“ Kristin Alheit versuchte er auf diese Weise, Argumente für ein mögliches Gespräch mit der KV an die Hand zu geben. Die Ministerin versprach zwar nichts, tippte aber wieder in ihr Smartphone und schloss ihren Besuch nach eineinhalb Stunden so: „Wohnortnähe in der medizinischen Versorgung bleibt unser Ziel. Und ich glaube nicht, dass es im Land etwas Vergleichbares wie die Margarethen-Klinik gibt.“

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Die Kommentare wurden für diesen Artikel deaktiviert