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Schlei-Bote

18. Dezember 2017 | 13:54 Uhr

Kappeln : Mindestlohn macht Essen teurer

vom
Aus der Redaktion des Schlei-Boten

Seit Jahresbeginn gelten 8,50 Euro Mindestlohn: Restaurants geben die höheren Kosten an Kunden weiter.

shz.de von
erstellt am 04.Feb.2015 | 07:30 Uhr

Seit Jahresbeginn gilt in Deutschland ein gesetzlicher Mindestlohn von 8,50 Euro pro Stunde. Anspruch auf diesen Mindestlohn haben alle Arbeitnehmer, egal ob gelernt oder ungelernt. Manche Branchen betrachten diesen Umstand mit Sorge.

Der Mindestlohn wird sich in Kappeln vor allem im touristischen Bereich niederschlagen. Dies glaubt der Vorsitzende des Wirtschaftskreises „Pro Kappeln“ (WPK), Stefan Lenz. „Ob Restaurants, Kneipen, Reinigungsdienste für Wohnungen oder das Taxigewerbe, in den Branchen, in denen es zuvor Niedriglohn gab, wird sich der Mindestlohn bemerkbar machen.“ Rückmeldungen von Unternehmen hat er noch nicht. „Ob der Mittagstisch für 5 Euro so zu halten ist, weiß ich nicht“, meint der WPK-Vorsitzende. Im Prinzip findet Lenz die Entscheidung gut. „Es trifft doch alle, da hat kein Konkurrent irgendwelche Vorteile.“

Gastronom Lars Agger betreibt in Kappeln mit dem „Cameo“ und dem Restaurant „Landgang“ gleich zwei Häuser. Er sagt: „Grundsätzlich habe ich nichts gegen den Mindestlohn. Ich halte ihn aber gerade in unserer Region für zu hoch.“ Als erste Konsequenzen benennt der Gastronom die Forderungen, die langjährige und verdiente Mitarbeiter an ihn herangetragen haben – diese nämlich möchten nun mehr Geld verdienen. „Und das kann ich auch nachvollziehen“, sagt Agger. Es sei nämlich nur schwer zu vermitteln, dass eine Hilfskraft, die gerade frisch einsteigt, genauso viel Lohn erhalten soll wie ein Mitarbeiter, der über jahrelange Fachkenntnis verfügt. Aggers Prognose: „All das wird sich erheblich auswirken – und zwar auf unsere Preise.“ Zwar könne er derzeit noch nicht übersehen, welche Summen am Ende auf den Speisekarten auftauchen, aber er ist bereits am Kalkulieren, und er sagt: „Die Folgen wird der Endverbraucher tragen müssen.“

Im Kaufhaus Stolz werden infolge des Mindestlohnes Minijobs zunehmend in Teilzeitarbeit umgewandelt. Geschäftsführer Lars Meyborg findet die Maßnahme grundsätzlich richtig, hätte sich aber gewünscht, dass daran auch Produktivität und Qualität gekoppelt wären. „Mit dem Mindestlohn steigen automatisch die Erwartungen an den Mitarbeiter.“ Außerdem findet der Kaufmann es nicht richtig, dass der Mindestlohn nicht an eine Ausbildung gekoppelt ist. „Das wäre eine zusätzliche Motivation, doch so setzt man ein falsches Zeichen, denn nun ist es egal , ob man einen ausgelernten Job hat oder nicht“, sagt er.

„Wir spüren den Mindestlohn nicht“, sagt Walter Wichmann. Der Inhaber des gleichnamigen Modehauses begründet dies mit dem hohen Anteil an Ganztageskräften in seinem Betrieb. Einzig im Sommer, wenn man auch mit Aushilfskräften arbeite, werde sein Betrieb die Folgen des Mindestlohnes spüren.

Keinen wirtschaftlichen Nachteil erwartet auch Klaus Drückler, Geschäftsführer der Diako Soziale Einrichtungen GmbH, für die Margarethen-Klinik. „Bei einigen Aushilfskräften mussten wir etwas tun“, sagt Drückler. „Aber da bewegen wir uns bei Anpassungen im Cent-Bereich.“ Inzwischen lägen alle Bereiche in Klinik und Seniorenresidenzen über dem Mindestlohn von 8,50 Euro.

Laut Martin Gosch wirkt sich der Mindestlohn auf seinen Betrieb in erster Linie durch die komplexen Abrechnungen aus. „Da geht die Flexibilität verloren“, sagt der Inhaber der Buchhandlung. Gosch kritisiert vor allem die monatliche Abrechnung. So habe beispielsweise der Mai viele Feiertage, sodass man eigentlich wenig arbeiten dürfte, doch sei in dieser Zeit der Bedarf durch die vielen Urlauber sehr hoch. „Wir machen eben im Sommer dreimal so viel Umsatz wie im Winter“, so Gosch.

Auch Matthias Mau kritisiert die Abrechnungsmethoden. „Das ist ein immens hoher Aufwand. Jede Stunde müssen wir erfassen und dokumentieren.“ In seiner Tischlerei zahlte Mau schon vorher Gehälter über dem Mindestlohn. Doch viele Zulieferer hätten die Preise angehoben bis hin zum Wachdienst. An sich findet Mau den Mindestlohn in Ordnung. „Die höheren Löhne können auch für mehr Kaufkraft sorgen.“ Doch sei das Gesetz nicht sehr gut vorbereitet worden. Dies zeigten die vielen Korrekturen. Schwierig sei die Situation bei den Praktikanten. „Es kann sein, dass wir diesen Bereich etwas zurückfahren“, so Mau. Um junge Leuten hier in der Region zu halten, müssten sie aber auch die Betriebe kennenlernen. „Hier befürchte ich negative Auswirkungen auf die Region.“

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