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Dienstleistungsgesellschaft : Mindestlohn gefährdet Arbeitsplätze in Kappeln

vom
Aus der Redaktion des Schlei-Boten

21 Mitarbeiter zittern bei der Dienstleistungsgesellschaft um ihren Job. Firma muss höhere Gehälter auf Kunden umlegen.

shz.de von
erstellt am 08.Okt.2014 | 07:15 Uhr

Bei der Dienstleistungsgesellschaft (DG) Kappeln stehen infolge des Mindestlohns bis zu 21 Arbeitsplätze auf dem Spiel. Damit ist fast jede dritte Stelle in dem Betrieb gefährdet. Dies sagte gestern DG-Geschäftsführer Jürgen Schiewer, der damit einen Bericht des Norddeutschen Rundfunks bestätigte.

Durch die Einführung des Mindestlohns im nächsten Jahr steigen die Gehälter bei einigen Mitarbeitern von 6 auf 8,50 Euro in der Stunde. „Wir müssen dann die Preise heraufsetzen, um das Geld dann beim Kunden wieder reinzuholen“, sagt Schiewer. Manche Unternehmen hätten dafür sofort Verständnis geäußert, mit anderen sei er noch in Verhandlungen.

Das Unternehmen bietet Dienstleistungen in der Industriemontage, bei der Gartenpflege oder als Fahrdienst an. Die Dienstleistungsgesellschaft Kappeln ist ein Integrationsunternehmen, das Menschen, häufig mit Behinderungen und Lernschwächen, versucht in Arbeit zu bringen. Durch den Mindestlohn wird zwar auch der Lohnkostenzuschuss des Integrationsamtes erhöht. „Doch da der Prozentsatz gleich bleibt, bleiben wir unterm Strich auf höheren Kosten sitzen, die wir selbst tragen müssen“, so der DG-Geschäftsführer.

Hinzu kommt, dass die DG Kappeln mit vielen ungelernten Kräften nach Einführung des Mindestlohns in Konkurrenz zu Betrieben steht, die mit ausgebildeten Angestellten arbeiten. Bislang konnte die DG gewisse Tätigkeiten günstig anbieten. „Beim Rasenmähen haben wir keine gelernten Mitarbeiter. Wenn dann der Kunde für das gleiche Geld einen gelernten Gärtner bekommt, dann entscheidet er sich meistens für den gelernten Gärtner, und wir fallen dann raus“, so Schiewer.

Heute steht das Thema im Landtag an. Die Opposition fordert, Integrationsfirmen vom Mindestlohn auszunehmen. Das stößt im Kappelner Betrieb selbst zumindest teilweise auf Verständnis, ja sogar Zustimmung. In einem NDR-Bericht sagt eine DG-Mitarbeiterin: „Mein Job ist mir mehr wert als ein Mindestlohn, den ich doch nicht kriegen kann, weil ich dann arbeitslos werde.“ Laut Schiewer sind im Lauf der letzten Monate vier Mitarbeiter gekündigt worden, vier weiteren ist zum 31. Dezember die Kündigung ausgesprochen worden, und bei sieben Mitarbeitern ist die Kündigung beantragt. Dazu gibt es Zeitarbeitsverträge, die zum Jahresende auslaufen und dann nicht verlängert werden. „Ich freue mich über jede Kündigung, die ich zum 31. 12. zurücknehmen kann“, behauptet der DG-Geschäftsführer. Dies würde voraussetzen, dass es bald zu einer Einigung mit so manchen Kunden kommt oder neue Kunden gewonnen werden. „Doch das“, so Schiewer, „kriege ich nicht sofort hin, gerade in einer Region wie Kappeln brauche ich dafür ein wenig Zeit“.

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