zur Navigation springen

Satrup : Mieter lassen Schlangen einfach zurück

vom
Aus der Redaktion des Schlei-Boten

Tierschützer befreien in einer Wohnung in Satrup zwei Boas aus ihren Behausungen. Das Vermieter-Ehepaar ist entsetzt über den verdreckten Zustand.

Wie reagieren Menschen, wenn sie erfahren, dass in einer verlassenen Mietwohnung zwei Schlangen zurückgelassen wurden? Keine heimische Ringelnatter, nein, zwei Königsboas (Boa constrictor), eine davon mit einer Länge von rund 2,50 Metern. Rosemarie und ihr Mann Niko Wiemann aus Satrup-Obdrup, 82 und 80 Jahre alt, ist der Schrecken noch anzumerken. Tochter Frauke Piepjohn, gelernte Tierpflegerin, hatte große Mühe, ihren Eltern die Angst zu nehmen. Inzwischen hat der Tierschutzverein Schleswig mit einem Reptilienexperten die Tiere befreit und dafür gesorgt, dass sie artgerecht untergebracht werden.

Die Schlangen haben ein Martyrium hinter sich, das Tierschützerin Yvonne Wiegers vom Schleswiger Tierheim nur mit dem Kopf schütteln lässt. Die beiden Reptilien wurden von der Mieterin vor mehr als einem Monat ohne Futter zurückgelassen. Das wäre nicht besonders schlimm, denn Schlangen können längere Zeit ohne Nahrung auskommen. Schlimm aber war die Art der Unterbringung: Die beiden Tiere waren in einem viel zu kleinen Kasten eingesperrt, lediglich eine kleine Scheibe ließ etwas Licht einfallen. Boas benötigen in unseren Breiten Wärme. Eine Wärmelampe gab es aber nicht.

Der Aufmerksamkeit eines jungen Umzugshelfers ist es zu verdanken, dass die Tiere aus ihrer unzureichenden Behausung gerettet werden konnten. Er sprach danach mit einem Bekannten darüber, der schließlich den Tierschutz informierte.

Konnte der Experte die kleinere der beiden Schlangen mühelos befreien, gestaltete es sich bei der größeren Boa schwieriger. Sie ist trächtig, hatte lange nichts gefressen und war deshalb aggressiv. Erst nachdem das Tier gefüttert worden war, konnte es aus seiner Behausung befreit werden.

Yvonne Wiegers ist erschüttert. Nicht nur das Schlangengefängnis, auch das ganze Umfeld sei deprimierend gewesen, sagt sie – nicht nur für die Schlangen. Frauke Piepjohn sagt, dass das Mietverhältnis auch ein Martyrium für ihre betagten Eltern gewesen sei. Als die junge Mieterin mit ihrem Partner 2009 in die ehemalige Abnahmewohnung in dem Bauernhaus einzog, vermittelte die junge Frau einen seriösen Eindruck. Obwohl vereinbart war, dass keine Tiere in der Wohnung geduldet werden, lebten zeitweise bis zu sechs Hunde in der Wohnung. Öfter habe es lautstark Streit zwischen dem Paar gegeben, mit der Folge, dass die kleinen Kinder weinten. Überall lag Müll herum. Die Familie habe häufig Besuch gehabt, erinnert sich der Altbauer.

Rosemarie und Niko Wiemann brachte das Mietverhältnis vor allem hohe Kosten ein: Die Mieter hätten die Raumtemperatur meist über geöffnete Fenster geregelt, entsprechend hoch seien die Heizkosten gewesen, klagt er entsprechend. Die Wohnung hätte zwar einen eigenen Stromzähler, den aber konnte der Vermieter nicht ablesen, weil ihm der Zutritt verwehrt wurde.

Nach der Kündigung zog die inzwischen auf sechs Personen angewachsene Familie im vergangenen Monat in einen anderen Ortsteil von Mittelangeln. Das Bild, das sich dem Vermieter und seiner Tochter bot, als sie die Wohnung besichtigten, konnten sie kaum für möglich halten: Auf der Außenterrasse liegt Unrat, außerdem ausgeschlachtete, ölverschmierte Motorradteile, vermischt mit anderem Müll. Eine neuwertige Kindersportkarre vergammelt unter freiem Himmel. „Das Sozialamt zahlt ja eine neue“, meint Frauke Piepjohn sarkastisch. Der Aufgang zur Wohnung ist verdreckt, die Wände sind verschmiert. Die Wohnung ist vermüllt und dreckig. In der Küche findet man noch Lebensmittelreste.

„Dass man so leben kann“, sagt Niko Wiemann kopfschüttelnd. Das Jugendamt soll die Familie mehrfach besucht haben, an den Verhältnissen änderte dies jedoch nichts. Dass die Schlangen ohne Wärmelampen auskommen mussten, wird beim Rundgang durch die Räume deutlich. Die Lampe wurde anderweitig gebraucht, sie diente als Wärmespender für eine kleine Hanfplantage. Der 80-jährige Altbauer ist fassungslos und steht den Müll- und Dreckbergen hilflos gegenüber, die er nun auf eigene Rechnung entsorgen muss. Zum Glück haben einige Nachbarn schon ihre Hilfe zugesagt.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen