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Amt Schlei-Ostsee : Mehr Wildschäden – Jagd verstärken

vom
Aus der Redaktion des Schlei-Boten

Wegen großer Wildschäden in diesem Jahr drängen Ordnungsamt und Jagdbehörde die Jäger darauf, den ehrgeizigen Abschussplan für Damwild zu erfüllen.

von
erstellt am 17.Okt.2013 | 16:15 Uhr

Das reife Getreide wird abgebissen – die Erde auf dem Maisfeld und der Weide ist von tiefen Furchen durchzogen. Wildschäden auf Schwansener Äckern und Weiden nehmen zu, davon ist René Kinza, Leiter des Ordnungsamtes Schlei-Ostsee, überzeugt.

Wurden ihm in den Jahren 2008 bis 2011 rund 25 000 Euro Schäden angezeigt, so hat er in diesem Jahr schon die 60 000-Euro-Grenze geknackt. Besonders im südlichen Amtsgebiet Richtung Schlei gab es zwei teure Schäden. „Die tatsächlichen Wildschäden sind vermutlich drei bis vier Mal höher, viele Schäden werden nicht über das Ordnungsamt erfasst“, erklärt Kinza. Dass die Anzahl der durch Wild verursachten Schäden über die Jahre gestiegen ist, bestätigt Werner Henrici, der seit rund 15 Jahren als Wildschadenschätzer im Amtsbereich tätig ist. Auch wenn dieses Jahr ein ungewöhnlich hoher Schaden angezeigt wurde, so habe er über die Jahre doch einen beständigen Anstieg der Schadensfälle registriert.

Für Kinza liegen die Ursachen für mehr Wildschäden im weiterhin hohen Bestand vor allem des Damwilds. Die Damwild-Hegegemeinschaft Schwansen hat darauf reagiert und in ihrem aktuellen dreijährigen Abschussplan (2011 bis 2014) die Abschusszahlen bei Damwild deutlich um ein Drittel erhöht, um den Bestand zu reduzieren. Innerhalb der drei Jahre sind danach 3651 Stück Damwild (3084 weibliche Tiere) zu erlegen (2008 bis 2011 2300 Stück). Er habe sich die bisherigen Abschusszahlen aus den Revieren angeschaut und festgestellt, dass in einigen, auch großen Eigenjagden, die Abschüsse den Plan voll erfüllen. Aber es gebe auch Bereiche, wo noch zu wenig Damwild erlegt wurde, stellt Kinza fest. Zeit bleibt den Jägern noch bis Ende Januar, dann wird ein neuer Plan aufgestellt.

Friedrich von Ahlefeldt, Vorsitzender der Hegegemeinschaft Damwild Schwansen erklärt dazu, dass der Abschussplan sehr ambitioniert und in einzelnen Revieren der Plan noch nicht erfüllt sei. Noch sei aber Zeit dafür. Insgesamt sinke der Bestand jedoch, so von Ahlefeld. „Die Spitze ist gebrochen“, sagt er. Hinsichtlich der Wildschäden an der Schlei war in zwei Revieren ein zusätzlicher Abschuss von 80 Stück Damwild in Absprache mit der Unteren Jagdbehörde, des Kreisjägermeisters und der Hegegemeinschaft gewährt worden. „Hier mussten wir reagieren“, bestätigt Hannes Kempe als Hegerings Vorsitzender. Eine große Jagd ist für November geplant.

Aus Sicht von Kinza liegt der Schlüssel für einen geringeren Wildbestand in der konsequenten Jagd und Erfüllung der Abschusspläne. Als Beispiel erklärt er, dass wenn in einem Revier im ersten Jahr des Planes von 100 weiblichen Tieren nur 50 erlegt würden, dann würden die verblieben 50 rund 40 neue Jungtiere zur Welt bringen. Im Folgejahr verhielte es sich ebenso, so dass der Bestand nicht reduziert werde, sondern man es gerade schaffe, den Zuwachs zu stoppen. Er habe dem Kreis als Jagdaufsichtsbehörde schon den Vorschlag gemacht, die nicht erfolgten Abschüsse eines Jahres auf die Quote aufzuschlagen, „nur so ist eine Reduzierung des Bestandes machbar“.

Genau das wird bei der Unteren Jagdbehörde bereits beraten, berichtet Andreas Brück aus der Ordnungsbehörde, zuständig für die Jagdangelegenheiten.

Zu den Damwildschäden kommen seit etwa drei bis vier Jahren vermehrt Schäden durch Wildschweine, stellt Henrici bei seinen Begehungen fest. Er habe den Eindruck, dass Schäden durch Damwild nur gering stiegen, die Schäden durch Wildschweine aber deutlich zunehmen würden. „Die Jagd auf Wildschweine muss konsequent erfolgen.“ Dem pflichtet von Ahlefeld bei. Nach gesetzlichen Maßgaben müssten Wildschweine scharf bejagt werden. Er gehe zudem davon aus, dass der neue Drei-Jahres-Plan ebenso hohe Abschüsse für Damwild vorsehen wird, wie der aktuelle.

Um Wildschäden tatsächlich einzudämmen, drängen Brück und Kinza darauf, die Abschusspläne zu erfüllen. Und sollte in einem Revier der Plan erfüllt sein, so mache es sicher Sinn, von einem anderem Revier Abschüsse zu übernehmen. Eine Nachbewilligung von weiteren Abschüssen sei im Einvernehmen mit der Hegegemeinschaft möglich, verweist Brück auf die Absprache in zwei Revieren an der Schlei. Klares Ziel muss es sein, die Abschusspläne zu erfüllen, um den Bestand des Damwildes tatsächlich zu reduzieren. Noch sei Zeit dafür. Zugleich appelliert auch er an die Jäger, die Jagd auf Wildschweine scharf fortzuführen.

Angesichts der zunehmenden Schäden sei es nur eine Frage der Zeit, wann Jagdpächter oder Jagdberechtigte ihre Reviere abgeben, weil sie zu oft für Wildschäden aufkommen müssten, so Kinza. Landwirte und Jäger müssten gemeinsam eine Lösung finden, wie Henrici ergänzt. Im Idealfall kämen die Jäger aus den Orten in ihre Revieren. Sie würden die Landwirt kennen und mit ihnen zusammenarbeiten, um Wildschäden zu vermeiden. Von Vergrämungsanlagen mit Knallmaschinen hält Kinza wenig. Der Schaden durch die Tiere entstehe dann nur auf einer anderen Fläche.

Neben den Schäden auf den landwirtschaftlichen Flächen schlagen auch die Schäden an Fahrzeugen, und wenn es schlimm kommt, an Personen zu Buche. Geht man jährlich von rund 250 Unfällen mit Wild in Schwansen aus, und veranschlagt für jeden Fall nur 1000 Euro Reparaturkosten, so entsteht ein volkswirtschaftlicher Schaden von 250 000 Euro.

 

 

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