Mehr Visionen statt bloßer Bestandspolitik

Auch auf dem Wasser zu Hause: Michael Arendt auf seiner Segelyacht. Foto: yv
Auch auf dem Wasser zu Hause: Michael Arendt auf seiner Segelyacht. Foto: yv

LWG-Spitzenkandidat Michael Arendt will, dass die Politik mehr auf den Bürger zugeht / Touristische Infrastruktur in Kappeln soll gestärkt werden

shz.de von
21. Mai 2013, 03:59 Uhr

Kappeln | Michael Arendt hat sich für das Pressegespräch die Sonnenseite der Stadt ausgesucht. So nennt er das Areal rund um die ASC-Brücke: Wasser, Hafen, Boote, Pa norama - so schmückt sich eine Stadt. Der Spitzenkandidat der Liberalen Wählergemeinschaft (LWG) hält sich gerne im Südhafen auf. Gleichzeitig spricht er aber auch deutlich von einem "dunklen Loch", das das Gesamtbild störe. Die gelben, wenig ansehnlichen Bauten der Getreide AG sind ihm ein Dorn im Auge, eine fertige Lösung, wie sich die Szenerie geschlossen herausputzen kann, liefert er jedoch nicht. Arendt spricht vielmehr davon, Prozesse durchsichtiger für den Bürger zu gestalten. Er nennt das "Arbeit mit und für den Bürger". Ein Credo, das sich die LWG bei ihrer Gründung selbst gegeben hat, dem sie aber, nach den Worten ihres Spitzenkandidaten, noch nicht ausreichend gerecht geworden ist. Und dann schiebt er gleich noch einen Leitsatz hinterher: "Ich halte es für immens wichtig, auf die Bürger zuzugehen. Politik ist eine Bringschuld." So kann sich Arendt etwa für große Bauprojekte zwei Vorlagen vorstellen. Der Planungsbereich würde im öffentlichen, die Finanzierung im nichtöffentlichen Teil behandelt werden. "Das müssen wir machen, um die Bürger mitzunehmen und ihre Ansichten zu hören."

Bei der Kommunalwahl strebt die LWG eine Wiederholung ihres Ergebnisses von 2008 an. "Auf jeden Fall wollen wir eine absolute Mehrheit oder bequeme Bündnisse verhindern", so der Fraktionsvorsitzende. In dem personellen Wechsel, der mit der Neuwahl der Stadtvertretung einhergeht, sieht Arendt eine Chance für die Zukunft. "Die Neuen kennen wir alle, da gibt es freundschaftliche Kontakte. Und wir hoffen sehr, dass diese Debattenkultur in die Stadtvertretung kommt." Oberstes Gebot müsse die Zusammenarbeit sein. Grundsätzlich stehe man selbst für alle Fraktionen offen. "Gemischte Mehrheiten können auch unser Verhalten beeinflussen. Wir sind ja keine Protestpartei."

Zu den künftigen Aufgaben der Stadtvertretung zählt Arendt die Verbesserung der touristischen Infrastruktur. "Der Tourismus muss beide Seiten der Stadt erfassen, also auch Schwansen." Der Direktkandidat für den Wahlkreis III könnte sich etwa einen Wohnmobilpark in Ellenberg vorstellen. Touristen solle man zudem nicht eingruppieren, sondern jeden Gast willkommen heißen, ob nun "best ager" oder nicht. Für diese Gruppe biete Kappeln ohnehin nicht genügend Fünf-Sterne-Quartiere. Beim Tourismus unterscheidet der Ex-Bürgermeister zwischen Regional- und Lokalmarketing. Dass beides bei der Ostseefjord-Schlei-GmbH (OFS) in einer Hand liege, darüber ist er nicht glücklich. Den Touristikverein (TV) nennt er unverzichtbar für die Stadt. "Wir sind eine politische Gruppierung, die dem TV noch zuhört", so Arendt und erinnert an die von 700 Bürgern getragene Unterschriftenaktion des Vereins, über die man im Rathaus einfach hinweggegangen sei. Jetzt solle man sich nicht scheuen, sachkundige Vermittler einzuschalten, das müsse sich auch der TV sagen lassen.

Zu den Baustellen der Politik zählt Arendt auch die Straßenausbaubeiträge, die für den Bürger bedeuten, dass er Straßensanierungen finanziell mittragen muss. "Da rollt was auf uns zu", so der Politiker und plädiert für eine frühzeitige Information der Bürger und für Finanzierungshilfen.

Der städtische Haushalt ist für ihn desolat. Kappeln zähle zu den ärmsten Gemeinden in Schleswig-Holstein. Die Steuerkraft liege 30 Prozent unter dem Durchschnitt vergleichbarer Städte. "Wir leben mit dem Defizit und sind angewiesen auf allgemeine und Sonderschlüsselzuweisungen." Die Stadt selbst habe keine Chance, etwas wesentlich daran zu ändern. Vielmehr müsse die Stadt künftig bei der Investorensuche sorgfältiger vorgehen. "1000 Arbeitsplätze durch Port Olpenitz mit vielen neuen Einwohnern: Das hat sich als Luftblase erwiesen und darf uns nicht wieder passieren." Von den Schlei-Terrassen zeigt sich Arendt enttäuscht, weil diese so ein normales Wohngebiet wären. Er hätte sich Highlights wie Schwimmbad und Hotel gewünscht. Ein Lehrschwimmbecken kann er sich ansonsten auch beim Gymnasium vorstellen und sagt: "Wir brauchen auch Visionen, nicht nur Bestandspolitik."

Kritik übt der Hobbysegler daran, dass die Schlei den Status einer Bundeswasserstraße verloren und nunmehr unterste Priorität hat. Dies könne für die maritime Wirtschaft wie für den Tourismus nachteilig sein, denn dadurch steige die Gefahr von Versandungen. "Die Schlei ist das beliebteste Segelrevier, da darf man die Befahrbarkeit nicht einschränken, das passt nicht." Als Segler weiß Michael Arendt, wovon er spricht. Wie jeder Segler saß er selbst auch schon so manches Mal auf Schiet.

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen