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Westerholz : Mehr Freiheit für Rollstuhlfahrer

vom
Aus der Redaktion des Schlei-Boten

Der Verein „MS-Mobil“ hat ein zweites Wohnmobil angeschafft, das an Menschen mit schwersten Behinderungen verliehen wird.

Vor drei Jahren starb Marie Louise Engberding aus Langballig an den Folgen von Multiple Sklerose, einer chronisch-entzündlichen Erkrankung des Zentralnervensystems. Lange vorher hatte sie während mehrerer Klinikaufenthalte in Gesprächen mit vielen Leidensgenossen oftmals die Erfahrung gemacht, dass schwerstbehinderte Rollstuhlfahrer nie Urlaub machen konnten. Es fehlte einfach an den notwendigen Voraussetzungen für ein Mindestmaß an Mobilität. Das wollte sie ändern, und am Ende langer Überlegungen stand die Anschaffung eines behindertengerecht ausgerüsteten Wohnmobils und die Gründung des gemeinnützigen Vereins „MS-Mobil“. Er unterhält und verleiht das Fahrzeug, das in seinem neunten Betriebsjahr schon in ganz Europa unterwegs war und stets lange im Voraus ausgebucht ist.

Dieser Umstand wiederum veranlasste den Verein, ein zweites Behindertenwohnmobil anzuschaffen. Kürzlich wurde es am Strand von Westerholz vorgestellt und stieß dabei sogar auf das Interesse eines Aufnahmeteams des NDR-Fernsehens. Das 240 000 Euro teure Gefährt steckt voller behindertengerechter technischer Besonderheiten. Mit Hilfe eines Deckenliftes kann der Beifahrer vom Sitz bis zum Bett im Heck gefahren werden. Über eine Weiche ist zudem der Sanitärbereich mit Bad und Toilette erreichbar. Die sogenannte Dekubitus-Matratze soll das Wundliegen verhindern. Eine Fußbodenheizung sorgt im Bedarfsfall dafür, dass Spastiker keine kalten Füße bekommen, weil diese Spasmen auslösen können. An die Stromversorgung mit 230 Volt kann gegebenenfalls ein Beatmungsgerät angeschlossen werden. Ein großer Kühlschrank mit Medikamentenfach gehört ebenso dazu wie die besonders breite Außentür mit Hebebühne. Über sie wird ein Rollstuhl hinein- und herausgefahren, für den es widerum einen Stauraum im Heck gibt. Vorhanden sind zudem eine Küchenecke sowie Schlafmöglichkeiten für weitere vier nichtbehinderte Personen.

Schon die Mitte vergangenen Jahres im Internet erfolgte Ankündigung, dieses zweite Wohnmobil anzuschaffen, führte innerhalb eines Monats dazu, dass das Fahrzeug bereits bis Ende 2015 ausgebucht ist. Bei Vereinsgeschäftsführer Friedrich Engberding kommen Anfragen aus ganz Deutschland an. Aufgrund der leidvollen Erfahrungen mit seiner verstorbenen Ehefrau handelt er nach der Devise „Lebensqualität sollte nicht nur von Gesundheit und Reichtum abhängen“.

Die beiden Fahrzeuge werden gegen Kostenbeteiligung ausgeliehen. Der Tagessatz ist abhängig vom Behindertengrad und liegt im Normalfall bei 60 Euro. Bei besonderen Umstände wird auch eine vollkommene Kostenfreiheit gewährt. Und bei kommerziellem Betrieb sind etwa 300 Euro täglich fällig.

Um die anfallenden Kosten zu decken, freut sich der ehrenamtlich geführte Verein über jede Spende sowie jedes ordentliche oder fördernde Mitglied.

 


> Kontakt: MS-Mobil, Osterlücke 14, 24977 Langballig, Tel. 04636/976214, info@msmobil.de, www.msmobil.de

 

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