Kunsthaus Hänisch in Kappeln : Mehr Dynamik im Kunsthaus

Alf Hermann hat als neuer künstlerischer Leiter bereits ein Konzept erarbeitet. Ab Dezember will er es umsetzen.
Alf Hermann hat als neuer künstlerischer Leiter bereits ein Konzept erarbeitet. Ab Dezember will er es umsetzen.

Alf Hermann ist neuer Kurator und hat konkrete Ideen.

shz.de von
11. Juli 2018, 09:39 Uhr

Das Kunsthaus Hänisch steht wieder mal vor einem Umbruch. Allerdings einer, der offenbar gut vorbereitet daher kommt und deutlich weniger Unruhe mit sich bringt, als das in der Vergangenheit in diesem Haus der Fall war. Die bisherige künstlerische Leiterin, Angeline Schube-Focke, verlässt das Kunsthaus zum Monatsende auf eigenen Wunsch, ihre Nachfolge tritt der langjährige Louisenlund-Pädagoge Dr. Alf Hermann (76) an, bereits Mitglied des künstlerischen Beirats. Verbunden mit dem personellen Wechsel ist derweil auch ein struktureller, der im besten Fall die Zukunft des Hauses langfristig sichern soll.

Angeline Schube-Focke lässt keinen Zweifel aufkommen: „Ich verlasse das Kunsthaus mit einem guten Gefühl. Wir haben hier in den zwei Jahren wirklich etwas entwickelt, und auch die Gruppe um den Vorstand hat sich entwickelt“, sagt sie. Diese gewachsene Eigendynamik innerhalb des Vereins habe ihr gezeigt, „dass die Weichen gut gestellt sind“. Für Schube-Focke selbst, die auf Honorarbasis im Kunsthaus gearbeitet hat, als Selbstständige aber stets parallel andere Projekte betreuen musste, hätten jedoch Bezahlung und Aufwand nicht mehr im richtigen Verhältnis gestanden. „Ich habe das alles total gerne gemacht“, sagt sie. „Wenn man aber wöchentlich 25 Stunden arbeitet und für fünf Stunden bezahlt wird, kommt irgendwann der Moment, an dem man sich entscheiden muss.“ Unter anderem für die Möglichkeit, mehrere, größere Projekte als selbstständige Kunstwissenschaftlerin zu betreuen. „Es war eine berufliche Entscheidung“, sagt Schube-Focke daher auch.

Und zwar eine, die Alf Hermann gut nachvollziehen kann. „Wir bedauern das“, sagt er. „Aber wenn man ehrlich ist, war Frau Schube-Focke für das, was sie hier geleistet hat, unterbezahlt.“ Das ist einer der Knackpunkte, an denen der neue künstlerische Leiter des Hauses ansetzen will – um zweierlei zu bewirken: „Ich mache das ohne Bezahlung, um so die Problematik, dass ein einzelner, nämlich der Bezahlte, unter lauter Ehrenamtlern, die Verantwortung trägt, zu entschärfen“, kündigt er an. Und um ganz nebenbei ein paar Ausgaben zu sparen, denn klar ist auch: Finanziell können sich das Kunsthaus und sein Trägerverein keine großen Sprünge erlauben. Damit einher geht für Alf Hermann aber auch noch etwas Anderes, das er „demokratischen Entscheidungsprozess“ nennt: „Bilder, die wir hier zeigen, haben vorher den ganzen Vorstand überzeugt, ansonsten zeigen wir sie nicht.“ Hermann legt Wert auf die aktive Einbindung der Vereinsmitglieder, will sie mit in die Verantwortung ziehen, auch Aufgaben verteilen. Ein Ansatz, den er als akzeptiert verstanden wissen darf, jedenfalls rührte sich kein Widerspruch, als der Vorsitzende Jörg Haasters im Vorstand nachfragte, ob Hermann in der neuen Position gewollt sei.

Und als künstlerischer Leiter hat Alf Hermann bereits ein erstes Konzept in der Tasche. Leitmotiv soll dabei die Vielfalt sein – inhaltlich, gestalterisch, räumlich. „Es soll wirklich etwas Anderes sein“, sagt er. „Eine Neubelebung des Kunsthauses.“ So möchte Hermann eine Ausstellung grundsätzlich unter ein Motto stellen und auf mehrere Künstler sowie Techniken ausweiten. Sein Wunsch: „Ich erhoffe mir davon eine Auseinandersetzung, eine gewisse Dynamik unter den Besuchern.“ Ausgedehnt werden sollen auch die Öffnungszeiten, der Mittwoch soll hinzukommen. „Und ich möchte gerne einen Tag in der Woche selbst die Aufsicht übernehmen“, sagt Hermann, „um engeren Kontakt zum Publikum aufzubauen.“ Gerade das soll auch dadurch geschehen, dass Hermann, wie er es beschreibt, „den Kunstbegriff umfassender leben“ will. Heißt: mehr und abweichendes Begleitprogramm zu den Ausstellungen und zwar sowohl im Kunsthaus als auch etwa in der „Palette“ oder der Nikolaikirche. „Am liebsten“, sagt Alf Hermann, „möchte ich die ganze Stadt involvieren“.

Passieren soll das etwa ab Dezember, wenn er mit der ersten Schau „(Auch) Frauen können Kunst“ unter seiner Regie nach außen tritt. Die für Oktober geplante Jubiläums-Ausstellung „Zehn Jahre Kunsthaus“ wird nicht im vorgesehenen Rahmen stattfinden, gefeiert wird aber in jedem Fall. Damit das eintritt, was Hermann so beschreibt: „Ich wünsche mir, dass an Stammtischen auch über Kunst geredet wird.“

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