zur Navigation springen

Gefahren im Netz : Medienpädagogik: Nötig, aber teuer

vom
Aus der Redaktion des Schlei-Boten

Das Jugendzentrum soll medienpädagogisch arbeiten. Eine zusätzliche Stelle will die Politik dafür aber nicht genehmigen.

shz.de von
erstellt am 16.Sep.2014 | 12:12 Uhr

Fernsehen, Internet, gerne auch mobil am Smartphone, soziale Netzwerke, E-Mail – die Auswahl an Medien, mit denen Menschen heute konfrontiert werden, ist schier grenzenlos. Ein bewusster Umgang damit scheint daher zwingend erforderlich, wenn man nicht Gefahr laufen will, sich im digitalen Netz irgendwann zu verheddern. Vor allem jungen Menschen wollen sogenannte Medienpädagogen einen Leitfaden an die Hand geben, ihnen helfen, ihren Medienkonsum zu reflektieren und digitale Angebote kritisch zu hinterfragen. Bis zum vergangenen Frühjahr tat eben das ein Medienpädagoge im Kappelner Jugendzentrum, das über sieben PC-Arbeitsplätze mit Internetzugang verfügt. Seit Mitte März ist die Stelle unbesetzt – und wird es vorerst auch bleiben. Dafür sprach sich der Ausschuss für Jugend, Kultur, Sport und Schulen aus, der mehrheitlich keine zusätzliche halbe Stelle dafür bereitstellen wollte. Da man aber sehrwohl die Erfordernis der Medienpädagogik erkannte, machte sich das Gremium gleichzeitig auf die Suche nach Alternativen.

Marion Kasimir vom Jugendzentrum hatte dem Ausschuss ein Konzept zur Medienpädagogik vorgelegt – jedoch schnell verbunden mit der Anmerkung, dass weder sie noch die zweite Vollzeit-Mitarbeiterin über die dafür nötige Qualifikation verfügen. Dass eine Förderung der Kinder unter diesem Gesichtspunkt notwendig sei, betonte unter anderem Britta Pichatzek, Leitern der Gemeinschaftsschule. „Medienpädagogik beschäftigt uns sehr“, sagte Pichatzek und nannte das Stichwort Cyber-Mobbing, das immer mehr Raum einnehme. „Medienpädagogik muss ein wichtiger Baustein sein“, appellierte die Schulleiterin. „Aber das kann nur Hand in Hand gehen.“

Das sah der JKSS-Ausschuss ähnlich – tat sich allerdings mit den im Beschlussvorschlag kalkulierten 35.000 Euro Personalkosten für die 19,5-Stunden-Stelle schwer. Marta Kraft (CDU) schlug daher vor, einer der beiden Jugendzentrums-Mitarbeiterinnen eine Fortbildung zur Medienpädagogin zu ermöglichen und nach einem Jahr zu prüfen, ob die Leistung so zu erbringen oder nach wie vor eine weitere Stelle nötig sei. Kraft: „Wichtig ist, dass wir starten.“

Bernd Heuer (Grüne) hatte jedoch einen Haken in diesem Vorschlag ausgemacht. „Wenn wir das Konzept annehmen, ist es wichtig, dass von Anfang an jemand da ist, der Bescheid weiß“, fand Heuer. „Wir müssen uns da in vollster Verantwortung sehen.“ Kraft blieb derweil bei ihrer Überzeugung. „Es ist nicht schädlich, wenn das Konzept umgesetzt wird, ohne dass die Medienpädagogik gleich vorhanden ist“, sagte sie. Von Peter Koch (LWG) kam der Vorschlag, doch zunächst Dauer und Kosten einer erforderlichen Weiterbildung zu ermitteln, um dann auf einer besseren Grundlage entscheiden zu können. Und Ausschussvorsitzende Ilona Mende (SPD) warf den Gedanken ein, bei der Finanzierung den Schulverband miteinzubinden – ihr Parteikollege Helmut Schulz hatte zuvor geurteilt, dass er eine medienpädagogische Verantwortung ohnehin eher bei den Schulen als beim Jugendzentrum sehe.

Beim abschließenden Votum stimmten sechs Ausschussmitglieder gegen die Neubesetzung der halben Stelle im Jugendzentrum, ein Mitglied enthielt sich (LWG), eines stimmte dafür (Grüne). Bevor jedoch der nächste Tagesordnungspunkt aufgerufen werden konnte, blieb Wiebke Christiansen-Hansen (CDU) hartnäckig. „Wir sollten das jetzt nicht einfach abhaken“, sagte sie, „sondern uns etwas bis zur nächsten Sitzung vornehmen“. Thomas Johannsen aus der Stadtverwaltung formulierte im Nachgang daher einen Arbeitsauftrag für die Verwaltung, aus dem hervorgeht, dass der JKSS-Ausschuss zwar die Notwendigkeit der Medienpädagogik anerkennt, vorerst jedoch am Vermerk, die dafür notwendige Stelle nicht neu zu besetzen, festhält. Parallel dazu wird daher die Fortbildung einer Mitarbeiterin empfohlen. Die Kosten dieser Fortbildung sollen ermittelt und mit den kalkulierten Personalkosten ins Verhältnis gesetzt werden. Zumindest in der analogen Welt ist die Orientierung also vorerst gesichert.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Die Kommentare wurden für diesen Artikel deaktiviert