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Kappeln/Ngaruma : Massai-Tuch als Abschiedsgeschenk

vom
Aus der Redaktion des Schlei-Boten

Johanna Broszeit und Erik Fliesswasser kehren nach dreimonatiger Freiwilligenarbeit in Tansania zurück nach Kappeln.

shz.de von
erstellt am 19.Sep.2015 | 08:30 Uhr

Mit einem Zebrakuchen – hinter der Bezeichnung verbirgt sich eine Art Käsekuchen mit Streifenoptik – begrüßt Sabine Mau die beiden zurück in der Heimat. Nach drei Monaten in Tansania freuen sich Johanna Broszeit und Erik Fliesswasser, endlich von ihren Erlebnissen in der Kirchengemeinde Ngaruma zu berichten. In den vergangenen zwölf Wochen haben die Kappelnerin und der Braunschweiger zwischen einfachen Hütten und Bananenplantagen tansanische Berufsschüler unterrichtet.

Schon seit mehreren Jahren engagieren sich Sabine und Matthias Mau für die Bildungsarbeit in Tansania. Gemeinsam mit dem Lions-Club Kappeln, der sich im Jahre 2006 die Hilfe für Aids-Waisen auf die Fahnen geschrieben hatte, reiste Matthias Mau 2008 zum ersten Mal in das ostafrikanische Land und besuchte dort verschiedene Schulen. „Damals stellte ich fest, dass es dort viel mehr Probleme als Malaria und Armut gibt.“ Insbesondere die Gemeinde Ngaruma mit einer Berufsschule und zwei Kindergärten beeindruckte den Unternehmer wegen des großen Bildungsgefälles vom Grundschulabschluss bis zur abgeschlossenen Berufsausbildung. „Darum wollte ich die gesamte Schule unterstützen und nicht nach Problemen aussortieren“, sagt der Inhaber der gleichnamigen Tischlerei. Gemeinsam mit der evangelisch-lutherischen Kirche als Träger des Projekts fördert das Ehepaar Mau nun seit acht Jahren die Berufsbildung in Ngaruma. Waren es am Anfang noch 56 Schüler an der ansässigen Berufsschule, sind es nun schon 150. Heute unterrichten dort neun ausgebildete Lehrer statt wie früher ehemalige Schüler.

Das vormalige Angebot der Tischler-, Schneider- und Maurerausbildung wurde inzwischen um Elektrik, Automechanik und IT-Wesen erweitert. Neben Geld- und Sachspenden wie Werkzeug oder Kleinmaschinen ist Ehepaar Mau auch der persönliche Kontakt zu ihren Schützlingen wichtig. So verbringen sie ihren Jahresurlaub in Ngaruma, um vor Ort zu helfen. Sabine Mau sagt: „Matthias ist meistens in der Tischlerei, ich helfe in der Kinderbetreuung.“

Unterstützung bekommen sie dabei häufig von Mitarbeitern aus der eigenen Tischlerei, die sie während ihrer Aufenthalte in Tansania begleiten. Im vergangenen Jahr, so berichtet Sabine Mau, habe einer ihrer Tischler sogar unmittelbar nach seiner Gesellenprüfung drei Monate lang sein Wissen an die Schüler der Berufsschule weitergegeben. „Das war wirklich toll. Das wollten wir gern so weitermachen“, sagt sie. Umso dankbarer sei das Ehepaar gewesen, als vor wenigen Monaten die beiden Studenten Johanna Broszeit und Erik Fliesswasser Interesse an dem Projekt zeigten.

Johanna Broszeit hat Englisch und Französisch auf Lehramt studiert und gerade ihre Bachelor-Prüfung bestanden. „Ich habe nach einem sozialen Projekt gesucht und von den Maus gehört. Da habe ich Kontakt zu ihnen aufgenommen“, sagt die 24-Jährige. Gemeinsam mit dem Informatikstudenten Erik Fliesswasser, den Broszeit über die Kirche kennen gelernt hat, ging es nach Tansania. Sabine und Matthias Mau begleiteten die beiden in den ersten Tagen auf dem unbekannten Kontinent und in der fremden Kultur. Johanna Broszeit erinnert sich an die ersten Eindrücke: „Es war sehr aufregend. Die Menschen dort sind sehr herzlich mit uns umgegangen. Was den technischen Stand angeht, hätte ich viel weniger erwartet. Es ist alles da, nur das Know-How fehlt.“

Erik Fliesswasser konnte sein Wissen im Computerunterricht einbringen. „Hauptsächlich ging es um die Hardware, die einzelnen Komponenten des PCs und die Betriebssysteme. Die Ausbildung ist vergleichbar mit der Fachinformatik“, sagt er. Mit insgesamt zehn Rechnern für eine Klasse von 50 Schülern galt es, kreativ zu sein. „Wir haben die Gruppe geteilt. Die eine Hälfte war an den Rechnern, die andere hatte Englischunterricht bei Johanna“, sagt der 26-Jährige. Johanna Broszeit musste sich allerdings erst an – aus deutscher Sicht – überholte Lehrmethoden gewöhnen. „Die Menschen dort lernen anders als wir. So etwas wie Gruppenarbeit nehmen sie nur sehr schwer an. Sie bevorzugen Frontalunterricht. Der Lehrer spricht etwas vor, die Schüler sprechen es nach“, sagt sie. Aber auch die Lehrer selber hat Broszeit unterrichtet. „Es ist wichtig, dass die Lehrer Englisch sprechen lernen, weil die staatlich anerkannte Prüfung nur auf Englisch absolviert wird“, erläutert Johanna Broszeit. Ngaruma sei sehr ländlich, erzählt die 24-Jährige. „Um in die nächste große Stadt zu kommen, in der sich ein Supermarkt befindet, braucht man jedes Mal eine halbe Weltreise.“ Um 19 Uhr sei es draußen – mangels Straßenlaternen– „stockdunkel“. Dann durfte keiner der „Weißnasen“ mehr das Gästequartier verlassen. Trotzdem fühlten sie sich sicher, betont Broszeit. Die Menschen vor Ort, da sind sich die beiden jungen Leute einig, hätten ihnen sehr viel Herzlichkeit und Offenheit entgegengebracht. Zum Abschied, erzählt Broszeit, habe sie ein Massai-Tuch geschenkt bekommen – und: „Die Schüler waren sehr dankbar. Sie haben selbst wirklich nichts und geben noch das letzte Hemd.“ Broszeit wie Fliesswasser wollen nun weiter studieren.

Auch in den nächsten Jahren wollen Sabine und Matthias Mau den Einsatz freiwilliger Helfer in Tansania fördern. Matthias Mau betont aber: „Es ist wichtig, dass sie etwas älter sind.“ Schließlich seien auch die Schüler in Ngaruma teilweise älter. Mit umgerechnet etwa 120 Euro Schulgeld pro Jahr kann sich nicht jeder eine Ausbildung an der Berufsschule leisten. Viele der Schüler arbeiten daher erst jahrelang, bevor sie das Geld aufbringen können.

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