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Bürgermeister-Wahl in Kappeln : Marta Kraft will ins Rathaus

vom
Aus der Redaktion des Schlei-Boten

Die CDU schickt die Schulverbandsvorsteherin ins Rennen bei der diesjährigen Bürgermeisterwahl.

Am Montagabend hat die Kappelner CDU den Wahlkampf um das Bürgermeister-Amt eingeleitet. Bei ihrer Jahresversammlung präsentierte Parteivorsitzende Corinna Graunke vor knapp 40 Anwesenden im „Pierspeicher“ die Kandidatin, mit der die CDU den parteilosen Amtsinhaber Heiko Traulsen herausfordern will: Marta Kraft, Stadtvertreterin und Schulverbandsvorsteherin, hat ihre Ambitionen, ins Rathaus einzuziehen, deutlich formuliert. Die Mitglieder goutierten die Entscheidung mit wohlwollendem Applaus.

„Bis vor einem halben Jahr habe ich keinen Gedanken an das Amt der Bürgermeisterin verschwendet“, räumte Kraft freimütig ein. Zu groß sei der Respekt vor der Verantwortung gewesen. Erst ein Gespräch mit Fraktionskollegin und Bürgervorsteherin Dagmar Ungethüm-Ancker habe eine Kehrtwende ausgelöst. Gegenüber der Bürgervorsteherin habe Kraft den Wunsch geäußert, gerne ein Frau auf dem Chefsessel im Rathaus zu sehen. Und die Antwort von Ungethüm-Ancker ließ dann keine Zweifel mehr zu: „Dann mach du das doch.“

Genau das versucht Marta Kraft jetzt, und ihre temperamentvolle Ansprache war keine, bei der man den Eindruck hatte, sie müsse sich nachträglich noch einmal selber Mut zusprechen. Vielmehr gab sich Kraft tief überzeugt von ihrer Entscheidung und zählte auch gleich ein paar programmatische Ziele auf, darunter etwa mehr Wohnraum für Erstwohnsitzler zu schaffen, attraktive Rahmenbedingungen zur Ansiedlung neuer Betriebe zu fördern, die Jugendarbeit besser zu vernetzen, das Miteinander von Politik und Verwaltung zu stärken, die kulturelle und soziale Kompetenz – auch mit Blick auf die Flüchtlinge – der Stadt voranzutreiben. „Wie ich das genau mache, weiß ich noch nicht“, sagte die Kandidatin. „Aber ich habe schon viele Herausforderungen angenommen und keine Berührungsängste.“

Als Beweis führte sie etwa ihre Vita an, die sie selber als „gebrochen“ bezeichnet. Geboren in Italien kam Kraft als achtjähriges Gastarbeiterkind ohne Deutschkenntnisse nach Nordrhein-Westfalen. Sie lernte die Sprache, machte ihren Schulabschluss, absolvierte eine Ausbildung zum Industriekaufmann. Als 20-Jährige nahm sie der Vater mit der Familie zurück nach Italien, drei Jahre später zog Marta Kraft nach Kappeln. „Ich bin hier heimisch geworden und möchte nie wieder weg“, betonte sie. Von 1991 an arbeitete sie im Amt Schwansen, war dort zudem sechs Jahre lang Gleichstellungsbeauftragte. Inzwischen ist Kraft Geschäftsstellenleiterin des Wasserverbandes Mittelschwansen – „ich habe also Verwaltungserfahrung“. Seit 2003 ist sie als Schulverbandsvorsteherin tätig, trägt als solche Verantwortung für 53 Mitarbeiter. „Die Bildung ist das, was mir besonders am Herzen liegt. Und ich bin sicher, dass ich gerade in der Kappelner Schullandschaft viel bewegt habe“, sagte Kraft selbstbewusst.

Aus der Versammlung kam anschließend viel Lob für die Kandidatin. Ex-Bürgervorsteher Jürgen Seemann sagte etwa: „Marta, du bist hervorragend geeignet, weil du eine eigene Meinung hast, aber trotzdem andere gelten lässt.“ Dagmar Ungethüm-Ancker stellte Krafts Fähigkeit zur Teamarbeit heraus, die sich vor allem im Zusammenwirken von Politik und Verwaltung auszahlen werde. Fraktions-Chef Matthias Mau attestierte Kraft die nötige Kreativität, politische Entscheide umzusetzen und betonte: „Marta kommt ohne Eitelkeiten aus.“

Die Bürgermeister-Kandidatin hofft auch auf die Unterstützung der zweiten großen Partei in Kappeln. SPD-Fraktions-Chef Rainer Moll fand schon gestern Vormittag eindeutige Worte. „Wir wollen einen Wechsel im Rathaus, können aber aus finanziellen Gründen keinen eigenen Kandidaten aufstellen“, sagte er. „Mich freut die Kandidatur von Marta Kraft ungeheuer. Sie ist eine Frau mit Verstand und Herz und würde nie das Parteischild vor sich hertragen.“ Nach Molls Worten können sich die SPD-Stadtvertreter durchaus mit Marta Kraft als Bürgermeister-Kandidatin anfreunden. Eine endgültige Entscheidung fällt aber erst bei der Mitgliederversammlung in wenigen Wochen.

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erstellt am 18.Mär.2015 | 07:30 Uhr

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