Zuwachs gegen den Trend : Maasholm: Viel Nachwuchs bei Seenotrettern der DGzRS

Die Besatzung des in Maasholm stationierten Rettungsbootes „Nis Randers“.
Die Besatzung des in Maasholm stationierten Rettungsbootes "Nis Randers". Foto: UK

Im Notfall sind die Jugendlichen in wenigen Minuten auslaufbereit. Obwohl die Seenotretter der DGzRS im Ehrenamt aktiv sind, plagen sie im Norden Schleswig-Holsteins keine Nachwuchssorgen.

shz.de von
08. Januar 2015, 07:20 Uhr

Maasholm | Mit hohem Tempo jagt das Rettungsboot „Wuppertal“ über die Schlei. Die Wellen klatschen laut an die Fenster. Der Wind peitscht über den kleinen Ostseefjord bei Schleswig. An Deck hält Michel Sörnsen mit seinem Fernglas Ausschau, dann entdeckt er zwei im kalten Wasser um Hilfe rufende Männer. Der 18-Jährige ist einer von 13 ehrenamtlichen Seenotrettern der Deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger (DGzRS) in dem beschaulichen Dorf Maasholm im nördlichen Schleswig-Holstein. „Das liegt bei mir in der Familie - mein Vater ist ebenfalls Seenotretter, und meine beiden Großväter waren es auch“, sagt der Norddeutsche. Im Gegensatz zu ihm erhält sein Vater dafür allerdings Geld. Er gehört zur Besatzung des ebenfalls in Maasholm stationierten Seenotrettungskreuzers „Nis Randers“ - eines von rund 60 Kreuzern und Booten der Gesellschaft.

2014 waren die rund 1000 deutschen Seenotretter mehr als 2000 Mal im Einsatz, finanziert ausschließlich durch Spenden. „Wir fahren dann raus, wenn die anderen aufgrund des Wetters wieder reinkommen“, sagt Sörnsen. Ihr Einsatz an diesem Tag ist aber nur eine Übung. Die beiden in der kalten Schlei treibenden Männer gehören selbst der Station an. Gummianzüge schützen sie vor den Auswirkungen des nur wenige Grad kalten Wassers. „Wir müssen den Ernstfall regelmäßig trainieren, denn im Notfall muss auf See bei schlechtem Wetter jeder Handgriff sitzen“, sagt der 24-jährige Steffen Ottsen, der am Steuer des kleinen Bootes sitzt. Das klappt auch in der Übung gut. Binnen kurzer Zeit haben Sörnsen und ein Kollege das Duo an Deck gehievt. Kurz darauf gibt Ottsen am Ruder der „Wuppertal“ wieder Gas.

25 Einsätze haben die ehrenamtlichen Seenotretter aus Maasholm unter Vormann Andreas Doose 2014 absolviert. „Wir fahren immer raus“, sagt der 47-Jährige. Er ist seit 22 Jahren dabei und war in dieser Zeit an mehr als 300 Rettungseinsätzen beteiligt. Der Gemeindearbeiter steht unter der Woche auf Abruf bereit. Die jungen Seenotretter sind an den Wochenenden aktiv. „Drei von uns sind jeweils das gesamte Wochenende über in Bereitschaft“, sagt Ottsen. Im Notfall seien sie mit ihrem sieben Meter langen Rettungsboot „binnen fünf Minuten auslaufbereit“. Aber auch wenn keine Jacht in Seenot geraten ist, kein Mann über Bord gegangen ist, unternehmen die jungen Retter regelmäßig Kontrollfahrten. Zu ihrem Revier gehört nicht nur die Schlei, sondern auch die Ostseeküste von der dänischen Grenze bis nach Damp (Kreis Rendsburg-Eckernförde).

Neben der Rettung aus Seenot leisten sie auch technische Hilfe, wenn Jachten beispielsweise im flachen Wasser der Schlei feststecken oder nach einem Motorschaden auf der Ostsee wieder sicher in den Hafen geschleppt werden müssen. „Unsere Hauptaufgabe ist aber die Rettung von Menschleben“, sagt Vormann Doose. In Erinnerung geblieben ist den Rettern noch die Suche nach einem über Bord gegangenen Mann kurz vor Weihnachten vor ein paar Jahren. Letztlich konnten sie ihn aber nur noch tot aus der Schlei ziehen. „Wir wissen vorher nie, was uns auf See konkret erwartet.“

Während viele andere Vereine händeringend nach Ehrenamtlichen suchen, rennt der Nachwuchs den Seenotretter in Maasholm fast die Bude ein. „Einige Jungs im Dorf fragen schon mit 14 oder 15 Jahren, wann sie denn endlich bei uns mitmachen können“, sagt Sörnsen. Zukünftige Mannschaftsmitglieder schauen sich die Retter vorher aus. Stinkstiefel können die Retter an Bord nicht gebrauchen. „Wir kennen uns alle schon von klein auf und sind eine Clique“, sagt Manuel Wald. Die Freiwilligen von Maasholm sind im Schnitt knapp 32 Jahre alt. „Das durchschnittliche Alter unserer rund 800 freiwilligen Seenotretter beträgt dagegen 47,7 Jahre“, sagt DGzRS-Sprecher Ralf Baur. Der 18-jährige Michel Sörnsen will sein Hobby irgendwann wie Vater und Großväter vor ihm zum Beruf machen. „Mein Vater hat auch mal klein angefangen“, sagt er. Ein Job auf einem der großen Kreuzer ist sein Wunsch. Zuvor muss er allerdings noch ein nautisches Patent oder eine Ausbildung zum Schiffsmechaniker absolvieren. Denn die 175 fest angestellten Seenotretter sind alle gestandene Fahrensleute.

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen