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36. Heringstage : Los entscheidet über Heringskönigin

vom
Aus der Redaktion des Schlei-Boten

82 Pfund Hering landeten im Netz: Ramona Strüven und Kreispräsident Ulrich Brüggemeier sind das neue Königspaar.

Besonders einer gab sich hinterher unangreifbar. „Ich werde Heringskönig. Das ist ziemlich sicher“, sagte Peter-Martin Dreyer ungefähr 20 Minuten, nachdem jeder seinen Tipp abgegeben hatte. Um es vorwegzunehmen: Es hat in diesem Jahr dann doch nicht gereicht für den Bürgermeister von Rabenkirchen-Faulück. Und dabei hatte es an Bord des Rettungskreuzers „Nis Randers“ so einige mehr oder wenige sinnvolle Hinweise gegeben, wie man denn nun die Pfundzahl der gefangenen Heringe am ehesten errät. Angefangen bei „Der Hund zählt nicht mit“ über „Die Rollmöpse hab’ ich weggelassen“ bis hin zu den trickreichen Fotografen, die vorschlugen: „Ich zoom’ das mal ran“.

Allerdings entpuppte sich die Heringswette ohnehin dieses Mal für so manch alt gesottenen Teilnehmer als Herausforderung. Denn als das Fischernetz hochgezogen wurde, waren die Schiffe noch weit entfernt. So konnte kaum ein Tipper sehen, wie viel Kraft die Fischer dabei aufwenden mussten. Und da die Heringe schnell auf dem Schiffsboden verteilt wurden, musste so mancher Promi-Tipper auf dem Rettungskreuzer und auf dem Motorsegler „Gotland“ schon einen langen Hals machen, um einen Blick auf den Fang zu werfen.

Da hatten es die Zuschauer auf der Schleibrücke einfacher, sie konnten aus größerer Höhe einen Blick ins Fischerboot werfen. „Ich denke, es sind 150 Stück. Man müsste nur wissen, wie tief der Boden des Schiffes ist“, meinte Marion Assmann. Die Heikendorferin besucht eine Freundin zu den Heringstagen und hat auch vor, an der Bürgerwette teilzunehmen. Pech hatten Hannelore und Helmut Schwengbert. „Gerade ist das große Schiff weggefahren, die Wette haben wir verpasst“, sagte der Oberfranke. Doch das Fischerboot hat das Ehepaar noch gesehen. „Grob geschätzt waren es rund 150 Heringe. Wir haben alles gut von oben gesehen und fotografiert“, sagte Helmut Schwengbert.

Währenddessen setzte sich am Hafen der Festzug Richtung Koslowski-Halle in Bewegung. In der Halle war für knapp 140 Gäste gedeckt. Auf den Teller kam wie gewohnt Hering in verschiedenen Variationen. Über die vielen Gäste und vor allem über die 74 Wettfreunde freute sich Gastgeber Dieter Clausen als Vorsitzender des Verschönerungsvereins. „Ihre Unterstützung für den Heringszaun ist dringend nötig.“ Besonders begrüßte er Besatzungsmitglieder des Minenjagdbootes „Herten“. Clausen: „Damit kehrt wieder ein großes Highlight der Heringstage zurück.“

Bürgervorsteherin Dagmar Ungethüm-Ancker begrüßte als erstes die Delegtationen aus den Partnerstädten Merate und Ustka. Zu einem Trommelwirbel erklärte sie dann die 36. Heringstage für eröffnet.

Der schleswig-holsteinische Landtagspräsident Klaus Schlie stellte nicht nur seines Namens wegen eine enge Beziehung zur Schlei her. „Der Heringszaun ist auch ein Stück schleswig-holsteinischer Identität“, meinte Schlie. Und die Heringswette zeige auf herausragende Art, wie man Tradition bewahren und in die Zukunft tragen könne. Der Bürgervorsteherin bescheinigte Schlie zudem ein grandioses Timing zu den 36. Heringstagen. „Sie haben das Fest genau um 11.36 Uhr eröffnet.“

Kreispräsident Ulrich Brüggemeier meinte, dass sich Kappeln in den vergangenen Jahren gemausert habe. Seine Rede beschloss er mit den Worten: „Den neuen Königen wünsche ich viel Spaß.“ Ein Satz, der später noch eine besondere Bedeutung erhalten sollte.

Vor der Krönung des neuen Paares stand der Abschied vom bisherigen. Sabine Mau sprach von einer schönen Zeit: „Als Königin ist es viel einfacher, mit Menschen ins Gespräch zu kommen.“ Die von ihr angeregten und von Töpferin Debora Stock hergestellten Heringsbecher mussten wegen der hohen Nachfrage neu aufgelegt werden. Dann übergab sie einen Scheck in Höhe von 1000 Euro an Clausen. Jochen von Allwörden verabschiedete sich von seinen „Untertanen“ geradezu pathetisch: „Es lebe Kappeln, es lebe der Verschönerungsverein, es lebe der Heringszaun. Tschüß Kappeln.“

Werner Kienast vom Verschönerungsverein blieb es überlassen, das Ergebnis bekannt zu geben. Zunächst aber benannte er einige Ausreißer wie Ingo Gulbins vom Talentförderverein mit geschätzten zehn Pfund oder Bürgermeister Heiko Traulsen, der auf zwölf Pfund tippte. Deutlich zu hoch lag Dagmar Ungethüm-Ancker mit 195 Pfund.

Dafür waren gleich drei Personen ganz dicht am wahren Gewicht von 82 Pfund. Alle drei hatten den Fang auf 80 Pfund geschätzt. Da bei den Damen mit Ramona Strüven von der Strüven-Werft und der Bundestagsabgeordneten Dr. Sabine Sütterlin-Waack gleich zwei Frauen den ersten Platz belegten, entschied hier das Los zugunsten von Strüven. Sütterlin-Waack, die mit ihren Heringskenntnissen aus ihrem Grußwort geradezu eine Bewerbungsrede für die Königswürde gehalten hatte, trug den knappen Ausgang mit Fassung. „Ich hätte es wirklich gerne gemacht, sonst hätte ich nicht so genau getippt.“

Bei den Herren machte dann ausgerechnet Kreispräsident Brüggemeier das Rennen. Strüven meinte: „Ich wollte nicht auf meine Losnummer setzen, sondern den Fang schätzen. Ich habe keine Ahnung, was mich jetzt erwartet, ich lass es einfach auf mich zukommen.“ Dagegen blieb Brüggemeier bis zur Königsproklamation in dem festen Glauben, dass sein Tipp zu niedrig ausgefallen war. „Der Beifang muss groß gewesen sein, ich dachte, dass das Heringsgewicht höher ist.“ Seinem Fahrer rief Brüggemeier zu: „Rudi, wir müssen jetzt häufiger nach Kappeln fahren.“


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