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Zehn Jahre Familienbildungsstätte : Lob für einen Baustein der Gesellschaft

vom
Aus der Redaktion des Schlei-Boten

Die Evangelische Familienbildungsstätte feierte gestern ihr zehnjähriges Bestehen. Bischof Gothart Magaard hielt die Festansprache.

Es war eine fröhliche, hin und wieder emotionale und auch durchaus kritische Geburtstagsfeier, die die Evangelische Familienbildungsstätte (FBS) gestern Vormittag im Christophorushaus mit rund 80 Gästen beging. Seit zehn Jahren ist die FBS in Trägerschaft des Kirchenkreises Schleswig-Flensburg in Kappeln Anlaufstelle für Eltern, Alleinerziehende und Kinder. Und sie ist, das wurde gestern gleich mehrfach betont, ein Ort, der teilhaben lässt an Erziehung, Beratung, Begegnung. Festredner Bischof Gothart Magaard erkannte darin auch eine hochpolitische Aufgabe, nämlich die der fairen Bildungschance.

Erste Rednerin des Vormittags allerdings war Pröpstin Carmen Rahlf, die stellvertretend für den Träger das sich in der Vergangenheit verändernde Bild der Familie nachzeichnete. „Familien sind komplexe und fragile Systeme, deren Leben geprägt ist von Anforderungen und nicht selten auch Überforderungen“, sagte Rahlf. Die FBS habe sich daher die Aufgabe gegeben, Familien dabei zu unterstützen, Strukturen zu finden für ihr gemeinsames Leben, damit die kindliche Entwicklung nicht allein abhängig ist von Eltern und deren intellektuellen oder finanziellen Voraussetzungen. Rahlf: „Erziehung ist nicht nur Privatpflicht der Eltern.“

Eben daran knüpfte Anette Langner, Staatssekretärin im Kieler Ministerium für Soziales, an. „Die Herausforderungen einer Familie sind vielfältig, ihr werden viele Kompetenzen abverlangt“, sagte Langner. „Dass eine Familie funktioniert, ist aber alles andere als selbstverständlich.“ Die FBS sei ein Ort, der Antworten auf die sich ständig verändernden Herausforderungen gebe – „sie ist ein Baustein in der Gestaltung des direkten Lebensumfeldes“. Die Kappelner Einrichtung habe in den vergangenen zehn Jahren gezeigt, wie anpassungsfähig und entwicklungswillig sie sei. Und an das Team um FBS-Leiterin Antje Schümann gewandt betonte Langner: „Sie reagieren auf das, was an Sie herangetragen wird.“ Auch die Landesregierung stehe – trotz angespannter Haushaltslage – zu einem familienfreundlichen Schleswig-Holstein und zum Konzept der Teilhabe. „Familien dürfen nicht nur in Sonntagsreden vorkommen“, sagte die Staatssekretärin.

Dass sie bei der FBS vielmehr Teil des Alltags sind, hob im Anschluss Bürgervorsteherin Dagmar Ungethüm-Ancker hervor. „Zur FBS kann wirklich jeder kommen“, sagte sie. „Und diese Offenheit ist wichtig – gerade auch im Hinblick auf die Flüchtlingsfamilien.“ Dem FBS-Team attestierte die Bürgervorsteherin viel Kreativität und Tatendrang und gab sich optimistisch, dass diese Eigenschaften die Einrichtung weiter voranbringen werden.

In einem ausführlichen, aber immer anschaulichen Festvortrag nahm schließlich Bischof Gothart Magaard zum Thema „Wege zu einer familienfreundlichen Gesellschaft“ Stellung, die er mit drei Forderungen verband. Vorweg schickte er Grundsätzliches, als er etwa herausstellte, dass sich Identität im fürsorglichen Miteinander entwickle und der Mensch auf Gemeinschaft angewiesen sei. Familien definierte er als „Lernorte verschiedener Generationen“. Mit Blick auf eine familienfreundliche Gesellschaft warb der Bischof für einen Perspektivwechsel, der konsequent aus der Familie heraus erdacht werden müsse. Daraus leitete er die erste Forderung ab, dass etwa bei der Konzeption von Ganztagsschulen auch an selbstbestimmte Zeit für Kinder gedacht werden sollte. Zudem seien flexible Arbeitszeiten von Eltern weiterzuentwickeln. Magaard: „Dieser Aspekte muss sich eine familienorientierte Politik annehmen.“ Der zweite Anspruch des Bischofs betraf eine „neue Form der Arbeitsteilung“, in deren Zuge er gleichzeitig für eine Angleichung des Lohnniveaus von Mann und Frau eintrat. Dazu stellte er klar: „Wer Kinder erzieht, muss entlastet werden.“ Und schließlich machte sich der Bischof in seinem dritten Ansinnen für verlässliche Betreuungsangebote stark – wie sie die FBS bietet. „Familienbildungsstätten stärken die Erziehungskompetenz und sind daher gesellschaftlich betrachtet von unschätzbarem Wert, weil sie für faire Bildungschancen stehen“, sagte Magaard. Und: „Ein flächendeckender Ausbau muss deshalb vorangetrieben werden.“

Die umfassende Würdigung der FBS-Arbeit, die in Magaards Worten mitschwang, wusste FBS-Leiterin Antje Schümann zu schätzen. In kurzen, aber herzlichen Worten dankte sie vor allem ihrem Team für die vergangenen zehn Jahre. Und das emotionale Lied, das das Duo „Vielsaitig“ zu Beginn gesungen hatte und in dem vom „großen Herz“ und „großen Mut“, der Kinder auszeichne, die Rede war, darf die FBS nach einem Jahrzehnt auch ganz einfach auf sich selber münzen.

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erstellt am 12.Sep.2015 | 08:30 Uhr

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