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Gewässerschau : „Lippingau hat ökologisches Potenzial“

vom
Aus der Redaktion des Schlei-Boten

Das Gewässer erhält teilweise sein altes Bett zurück. Wasser- und Bodenverband investiert in Renaturierungsmaßnahmen.

shz.de von
erstellt am 02.Nov.2015 | 07:30 Uhr

Auf einem 450 Meter langen Teilabschnitt der Lippingau bei Stobdrup hat der zuständige Wasser- und Bodenverband dem Fließgewässer sein altes Bett von 1871 zurückgegeben. Die Au macht dort ein paar Kurven und „mäandert“ jetzt wieder wie damals. Nach Angaben des Verbandsvorstehers Jacob Möllgaard kostete der naturnahe Rückbau rund 70  000 Euro.

Der Vorteil dieses Projekts, das dem neuen Landeswassergesetz und auch den EU-Richtlinien entspricht, liegt auf der Hand: Zum einen garantiert es das schadlose Ableiten des Niederschlagswassers, zum anderen entsteht ein zusätzlicher Lebensraum für Fische und Kleinstlebewesen. Möllgaard ist zu Recht stolz darauf, dass beispielsweise zunehmend Meerforellen zum Laichen von hier aus weiter bis in die kleinsten Nebenarme der insgesamt aus 67 Kilometer offenen Gewässern bestehenden Lippingau vordringen.

Bei der diesjährigen Gewässerschau auf Geheiß des Kreises Schleswig-Flensburg überzeugte sich die Fachkommission des Verbandes vom guten Zustand ihres großen Vorfluters, zu dem auch 116 laufende Kilometer Rohrleitungen gehören. Zum ökologischen Programm des Wasser- und Bodenverbandes Lippingau zählt die Anlage und Unterhaltung von zehn Meter breiten Randstreifen und Wällen, mit denen verhindert wird, dass schädliche Stoffe aus der landwirtschaftlichen Nutzung ins Wasser gelangen.

Als wesentliches Problem werden von den Experten die vorhandenen Querbauwerke angesehen. Staubecken, Wehre und Sohleschwellen stören die Wiederbesiedlung. Gefälle-Sprünge können durch das Anlegen längerer Rampen mit einer Steinschüttung ausgeglichen werden.

Bei einem solchen Umbau-Vorhaben kommt es zwangsläufig zu Flächentausch und Knickverschiebungen. Im Fall Stobdrup erhielt der frühere Eigentümer eine Tauschfläche in unmittelbarer Nähe. Durch das Aufsetzen eines Erdwalls wird stets die Abgrenzung des Gewässers zur landwirtschaftlichen Nutzfläche sichergestellt.

Entlang der Lippingau gibt es darüber hinaus Abflachungen der Böschungen, um die Strömungsvielfalt zu erhöhen. Durch Uferbepflanzungen wird eine nützliche Beschattung erzielt. Die unterspülten Wurzeln bieten den Fischen Unterschlupf.

Wie Verbandsingenieur Hans-Heinrich Hennings aus Sterup erläuterte, ist in diesem Jahr der Bewuchs auf 20 Kilometern Uferstrecke von Hand gemäht worden. Weitere 8,6 Kilometer wurden mit dem Mähkorb kurzgehalten. Pro Meter Gewässerlänge sind vom Verband dafür 75 Cent für „Handunterhaltung“ zu zahlen. Doch die rund 2500 Mitglieder des Verbandes sehen solche Arbeiten als Pflichtaufgabe an.

Möllgaard und Hennings stellten übereinstimmend fest, dass alle Verbesserungen der Gewässerstruktur auf freiwilliger Basis und im Einklang mit den Flächeneigentümern erfolgen. Nach den baulichen Veränderungen dürfe es bei der Entwässerung zu keinem Rückstau und zu keiner negativen Beeinflussung der oberhalb liegenden Flächen kommen, betonten sie. Hennings: „Die Finanzierung der Maßnahmen erfolgt zum überwiegenden Teil über die EU und das Land Schleswig-Holstein.“ Der Eigenanteil des Wasser- und Bodenverbands erfolge in Höhe der eingesparten Aufwendungen. Fazit der 20 Personen starken Schaukomission an der Lippingau: Dieses Fließgewässer hat auf dem Wege bis zur Mündung in die Ostsee „bestes ökologisches Potenzial“.

 

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