40. Heringstage : Licht und Schatten zum Geburtstag

heringszaun in flammen -01
1 von 3

Die 40. Heringstage standen vor der Herausforderung, aus wenig möglichst viel zu machen. Vor allem der Sonntag punktete mit einer gelungenen Veränderung. Gleichwohl wollen die Organisatoren einiges überdenken.

shz.de von
14. Mai 2018, 07:00 Uhr

Die 40. Heringstage sind seit gestern Abend vorüber. Und sie haben, vor allem in sozialen Netzwerken, für einigen Gesprächsstoff gesorgt, der nicht ausschließlich positiver Natur war, aber dazu später mehr. Lara Zemite, Geschäftsführerin der veranstaltenden Wirtschaft und Touristik Kappeln GmbH (WTK), fällt jedenfalls ein klares Urteil: „Der Donnerstag hat weh getan, aber insgesamt waren es schon schöne Heringstage. Und verbessern kann man immer etwas.“


Regen und Hagel

Schmerzhaft war der Donnerstag wegen des kräftigen Wetterumschwungs. Bis in den Mittag hinein hatte die Sonne geschienen, dann plötzlich kam der Regen. Und er blieb, nur unterbrochen von einem kernigen Hagelschauer. Das hat Besucher gekostet. Ansonsten aber sei die Stimmung gut gewesen, so Zemites Beobachtungen, die ungeachtet dessen eine Besucherzahl von knapp 40.000 schätzte. Vor allem das befürchtete Chaos rund um zu stark alkoholisierte Bollerwagen-Fahrer habe, auch aufgrund des schlechten Wetters, keine zu große Rolle gespielt. Bestätigung dafür kam gestern von Ronny Röthling. Der Bereitschaftsleiter des DRK-Rettungsdienstes, verzeichnete zwar, wie üblich, am Donnerstag die höchste Einsatzfrequenz, aber: „Auch weil der Südhafen gesperrt war, hatten wir weniger mit alkoholisierten Besuchern zu tun als sonst.“ Zwei alkoholisierte Minderjährige habe man ihren Erziehungsberechtigten übergeben, ansonsten an den übrigen Tagen überwiegend Leichtverletzte, etwa nach Stürzen, behandelt. In fünf Fällen am Himmelfahrtstag habe man allerdings einen Arzt anfordern müssen. Aber: „Insgesamt gab es nichts, was außergewöhnlich anders gewesen wäre als in den Vorjahren“, so Röthling. Im Kappelner Polizeirevier war gestern derweil kein Beamter mehr anzutreffen, der Angaben zu den Geschehnissen während der vier vergangenen Tage aus polizeilicher Sicht hätte machen können.

Als echtes Plus verbuchte Lara Zemite die Wasserbühne, die erstmals am Nordhafen an der Hafenkante festgemacht hatte. „Es war ein schönes Bild, den Fährberg runter- und direkt auf die Bühne zuzulaufen“, sagte sie. Gleichwohl räumte sie ein: „Was das Tagesprogramm angeht, kann ich mir für das nächste Mal etwas Anderes vorstellen.“ Donnerstag, Freitag und Sonnabend hatten jeweils DJs auf der Bühne gestanden, Live-Bands dagegen auf der Bühne am Deekelsenplatz gespielt. Zemite sagte: „Der Deekelsenplatz ist dadurch zu einem richtig schönen Treffpunkt geworden, er hatte fast Lounge-Charakter.“ Vor allem am Freitagabend während des Auftritts der Gruppe „Karmakarakta“ seien ihr ganze Familien aufgefallen, die sich gerne dort aufgehalten hatten. Auch wenn durch diese unterschiedlichen Bühnenkonzepte verschiedene Zielgruppen angesprochen werden sollten, untermauerte Lara Zemite ihre Bereitschaft, die Programmgestaltung auf der Wasserbühne zu überdenken – „vielleicht mehr Live-Musik, etwas mit mehr Interaktion“.

So wie es beispielsweise gestern Mittag stattgefunden hatte. Zum Abschluss stand der Umzug der Heringskönige durch die Stadt an. Und dass das amtierende Königspaar (Bartosz Gwózdz-Sproketowski aus Ustka und Anna Guidato aus Merate) nicht dabei sein würde, war zwar von vornherein klar. Dennoch hätte man sich mehr Beteiligung wünschen dürfen, als die der gerade mal sechs früheren Majestäten. Glücklicherweise ließen sich die Kappelner nicht lange bitten und schlossen sich dem überschaubaren Tross einfach an, um gemeinsam zur Wasserbühne zu marschieren, wo Florian Föh bereits wartete. Dort maßen sich Männer und Frauen zunächst im Wettsingen des Kappeln-Liedes, danach moderierte Föh fröhlich durch ein Quiz rund um Schlei und Hering – und am Ende war man sich einig: Das war ein gelungener Abschluss.


Kein Feuerwerk

Dass dazwischen nicht alles gut angekommen war, ließ sich zwischendurch auf der Straße aufschnappen, vor allem in den sozialen Netzwerken und gerade dort nicht immer in angemessenem Tonfall. Vermisst wurde beispielsweise das Feuerwerk, das dieses Jahr dem „Heringszaun in Flammen“ gewichen ist. Das Bild, das dadurch auf der Schlei entstand, war ein äußerst stimmungsvolles (siehe oben), wenn auch die geplante musikalische Untermalung nicht einwandfrei geklappt hatte. Lara Zemite: „Die Musik kam von der Wasserbühne, sodass sie nur diejenigen gehört haben, die direkt in der Nähe standen. Auf der Brücke ist davon leider schon nichts mehr angekommen.“ Ein Haken, der erkannt und der verbessert werden soll. „Und auch über das Feuerwerk werden wir diskutieren“, sagt Zemite.

Von einem besseren Standort als im vergangenen Jahr profitierte indes der von der Firma Profundus gesponserte sh:z-Ballon, mit dem die Heringstage-Besucher am Sonnabend vom Südhafen aus knapp 40 Meter in die Höhe steigen konnten. Marion Sievers aus Husum war zwar anfangs etwas skeptisch, hinterher aber froh, dass sie sich getraut hatte. „Ich hatte Sorge, dass es wackelt“, sagte sie. „Aber als wir oben waren, war es einfach total toll, die Stadt und die Rapsfelder zu sehen.“ Ihre Begleitung Christa Schnabel hatte ohnehin nur ein Wort übrig: „Wunderschön.“

Klar ist derweil, dass durch den Ausfall des Südhafens – der sh:z-Ballon war die einzige Attraktion, die dort stehen konnte – nicht nur Fläche, sondern in erster Linie auch Einnahmen fehlten. Daraus machte die WTK-Geschäftsführerin kein Geheimnis. „Das Budget war geringer als üblich“, betonte Lara Zemite. „Und ich finde, dafür haben wir etwas Gutes auf die Beine gestellt.“ Gemeinsam mit dem Marketingbeirat der WTK steht nun Manöverkritik an – wie jedes Jahr. „Und dann“, sagte Zemite, „werden wir sehen, an welchen Stellschrauben wir drehen, was wir weglassen oder ausbauen können“.

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen