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Schlei-Bote

18. Dezember 2017 | 15:59 Uhr

Kappeln : Leitfaden für ein Stadtmuseum

vom
Aus der Redaktion des Schlei-Boten

Mehr Qualität und mehr Erlebnis: Kunsthistorikerin Dr. Christina Kohla legt ihr Konzept für ein künftiges Museum vor. Die Fielmann AG finanzierte die Arbeit.

shz.de von
erstellt am 29.Jul.2017 | 12:00 Uhr

73 Seiten – so oberflächlich, wie Dr. Christina Kohla behauptet, können ihre Ausführungen also im Grunde gar nicht sein. Die Kunsthistorikerin hat jetzt, zweieinhalb Jahre nachdem sie im Auftrag der Fielmann AG damit begonnen hatte, ihr wissenschaftliches Konzept fertiggestellt, das im Idealfall Grundlage für ein Stadtmuseum sein könnte. Zwei Exemplare, eines gebunden in Dunkelblau, das andere in Bordeauxrot, überreichte sie nun der Stadt – und hauchte damit der Diskussion um die tatsächliche Einrichtung eines solchen Museums neues Leben ein.

Als einen „Wegweiser“, so möchte Christina Kohla ihre Arbeit verstanden wissen, eine 73-seitige Leitlinie, wie ein stadtgeschichtliches Museum in Kappeln ausgesehen hat, künftig aussehen kann, womit es bestückt sein und wo es hingehören könnte. „Anfänglich habe ich dazu eng mit dem Kappelner Museumsverein zusammengearbeitet“, sagt Kohla anlässlich der Konzeptübergabe. Man habe die Vereinsgeschichte aufgearbeitet, Exponate überprüft, aus der früheren Waffenschule in eine andere Lagerstätte überführt und in Teilen auch entsorgt. „Das Material des Vereins war der Ausgangspunkt“, sagt Kohla. Das schnell zutagegetretene Problem: Es ist einfach zu weitläufig, zu diffus, ohne klaren Schwerpunkt. „Ich hätte mir gewünscht, dass der Verein die Exponate inventarisiert“, sagt Kohla. „Das ist aber nicht passiert.“ Ungeachtet dessen seien Leidenschaft und Engagement der Vereinsmitglieder nach wie vor deutlich spürbar, einzig beim Ziel einer professionellen Handhabung seien die Richtungen auseinander gelaufen. Allerdings etabliert Christina Kohla in ihrer Arbeit eben solche Schlagworte wie Qualitätssicherung und Nachhaltigkeit, wenn es darum geht, grundlegende Voraussetzungen für ein Museum in Kappeln zu schaffen – ein Umstand, der sich zudem, so beschreibt es die Kunsthistorikerin, in vielen Gesprächen mit Kappelnern bestätigt habe. „Viele empfinden den Begriff des Museums als verstaubt“, sagt Kohla. „Viel wichtiger ist der Erlebnisfaktor.“ Es gehe darum, verschiedene Interessen buchstäblich unter einem Dach zusammenzuführen, darunter den Wunsch der Einheimischen, ihre eigene Geschichte aufzuarbeiten und den der Gäste, die Historie ihres Urlaubsortes kennen zu lernen.

Außerdem, zu diesem Schluss kommt Kohla, sollte die bisherige Bezeichnung „Schleimusem“ abgelegt werden. „Der Name trägt nicht mehr“, sagt sie. Vor allem deshalb nicht, weil er dem Themenbereich, den die verfügbaren Exponate abdecken können, nicht gerecht wird. Zwar spielt das Maritime nach wie vor eine Rolle, aber eben nicht die alleinige. Viel präsenter sind nach Kohlas Worten etwa der kunstgeschichtliche Aspekt der Stadt oder die handwerkliche Entwicklung – beides Ansätze, die es erlauben, den historischen Wandel Kappelns nachzuvollziehen. Die durch Exponate aus Museen der Umgebung unterstützt werden könnten. Und die dazu beitragen könnten, dem Museum einen eindeutigen Schwerpunkt sowie der Stadt eine gehaltvolle Identität zu verleihen.

„Aber“, sagt Christina Kohla, „noch gibt es keine Räume für ein Museum“. Ein richtungsweisendes Fundament, um zielgerichtet zu entscheiden, was tatsächlich wichtig genug ist, um ausgestellt zu werden. Fünf Seiten widmet die Expertin daher dem Mühlenumfeld, das in der Vergangenheit immer wieder erwähnt wurde, wenn es darum ging, einen Standort für ein Museum auszugucken. Erst im vergangenen Jahr hatte der Architekt Gregor Sunder-Plassmann dazu detaillierte Pläne vorgelegt. Aber Kohla weiß: „Wenn das Museum ein Baustein der Überlegungen um die Mühle sein soll, dann muss sich der Museumsverein bewegen.“ Denn: Die Gestaltung des gesamten Areals setzt eine aktive Bürgerbeteiligung voraus, der Verein müsste also Stellung beziehen.

Für Jürgen Ostwald, Kunstkenner der Fielmann AG, gibt es derweil gar keine Alternative zu einem Stadtmuseum in Kappeln. „Das ist sachlich wirklich begründet“, sagt Ostwald. „Ein Museum ist eine Belastung und vor allem am Anfang mühsam, aber inhaltlich ist es hier wirklich machbar.“ Und er hat auch schon eine ganz konkrete Idee davon, wie eine Eröffnungsausstellung eines künftigen Stadtmuseums aussehen könnte: Ostwald hat erst kürzlich Aquarelle des Kappelner Malers Kay H. Nebel erworben.

100 Quadratmeter plus Magazinfläche, das müsste laut Christina Kohla am Ende drin sein, um ein vernünftiges Museum auf die Beine zu stellen. Ihre 73 Seiten sind der Leitfaden dafür.

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