Schleibrücke in Kappeln : „Langeweile kommt hier nicht auf“

Bernd-Uwe Hansen ist seit 28 Jahren Brückenwärter in Kappeln.
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Bernd-Uwe Hansen ist seit 28 Jahren Brückenwärter in Kappeln.

Immer alles im Blick: Der Posten des Brückenwärters in Kappeln erfordert selbstständiges Arbeiten und viel Verantwortung.

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14. März 2018, 06:08 Uhr

Kappeln | Die Uhr des Handys geht fünf Minuten vor. „Das ist nur sicherheitshalber, aber eigentlich hat man die Uhrzeit hier schon ein bisschen im Blut“, berichtet Oliver Warncke. Immer um Viertel vor sorgt er dafür, dass die Klappbrücke über der Schlei sich öffnet. Er ist einer der Brückenwärter in Kappeln.

Ende dieses Monats ist für die Schleibrücke die Winterzeit zu Ende. Winter – das sind hier die Monate von November bis März. Dann ist die Brücke nur von 7 bis 18 Uhr besetzt. Oliver Warncke wechselt sich tageweise mit Bernd-Uwe Hansen ab. Die beiden arbeiten beim Landesbetrieb für Straßenbau und Verkehr Schleswig-Holstein.

Jetzt im März stellt sich langsam alles wieder auf die kommende Saison ein. Die zuständigen Firmen für Hydraulik, Elektrik und Maschinenbau kommen für die Wartungsarbeiten vorbei, damit die Schichten reibungslos laufen, denn ab April ist die Schleibrücke wieder von 5 bis 22 Uhr besetzt. Drei Brückenwärter sind dann im Wechsel im Einsatz, vier Aushilfen springen bei Krankheit und Urlaub ein, damit der Verkehr – an Land und auf der Schlei – jederzeit geregelt wird.

Seit 28 Jahren ist Bernd-Uwe Hansen (55) Brückenwärter in Kappeln. Der gelernte Elektroinstallateur kennt noch die alte Drehbrücke gut. Oliver Warncke (53) kam 2006 dazu. Er war vorher als Schlosser in der Straßenmeisterei Flensburg. Darüber, dass sie immer wieder gefragt werden, ob es nicht langweilig ist, wenn man nur einmal in der Stunde etwas zu tun hat, können die beiden nur schmunzeln. Selbst in den Wintermonaten gibt es an der Schleibrücke jede Menge zu tun.

Wenn morgens der Dienst beginnt, werden im Brückenhaus erstmal die Rechner hochgefahren. Dann muss die komplette Brücke kontrolliert werden: Die Fahrbahnen, die Fußwege, die Schranken, die Stege, die Maschinenräume, die Klappenkeller. „4200 Quadratmeter müssen wir hegen und pflegen“, so Hansen. 565 Treppenstufen sind bei einem Kontrollgang zu bewältigen. „Wir laufen einmal am Tag mindestens den Kölner Dom rauf und runter“, sagt Oliver Warncke. Im Winter müssen die Straßen und Wege, vorallem aber die Klappen, von Schnee und Eis befreit sein. Denn alles, was drauf liegen bleibt, fällt in den Klappenkeller. „Und der wird jeden Tag gespült.“

Um 7.45 Uhr müsste die Brücke das erste Mal öffnen. „Das machen wir im Moment nur nach Aufforderung“, sagt Hansen. „Wenn uns niemand ein Zeichen gibt, wird der Straßenverkehr auf der vierspurigen Bundesstraße nicht gestoppt.“ Die „N-Flagge“ muss gehisst werden, wenn jemand auf die Brückenöffnung wartet. „Das ist eine blau-weiß karierte Flagge. Wir akzeptieren auch ein Geschirrhandtuch – alles schon da gewesen“, sagt Hansen und lacht. Aber auch das Brückensignal, über UKW-Funk Kanal 11 oder telefonisch können Seefahrer sich melden, wenn die Brücke für sie öffnen soll. In den Sommermonaten ist das meist nicht nötig. „Wenn da schon mehrere Schiffe liegen, ist es ja klar“, sagt Hansen. Manchmal gibt es auf dem Seeweg Gedrängel. „Alle wollen zuerst und einige unbedingt vor den Ausflugsschiffen durch“, hat Warncke beobachtet. „Aber eigentlich kommen alle, die um Viertel vor vor der Brücke sind, auch mit“, so Hansen.

Auch auf der Bundesstraße ist die Reaktion der Autofahrer unterschiedlich. „Es gibt einige, die noch schnell vor der Schließung durchfahren“, sagt Hansen. „Da ist die Ampel manchmal schon sehr dunkelrot und die Schranke schrammt fast über das Autodach“. Dabei fließt der Verkehr nach höchstens 15 Minuten ja wieder. Um den aufgestauten Verkehr wieder abzubauen, braucht es höchstens zehn Minuten, hat Bernd-Uwe Hansen festgestellt.

Die Brückenwärter stehen in regelmäßigem Kontakt mit der Polizeistation und der Rettungsleitstelle in Harrislee. So werden sie rechtzeitig informiert, wenn ein Rettungsdienst die Brücke noch vor der Öffnung passieren muss. „Dann müssen alle warten, der Rettungswagen hat Vorrang“. Wenn die Brücke geöffnet ist, sei mehr Fingerspitzengefühl gefragt, denn ein Schiff könne ja nicht so abrupt anhalten. „Da müssen wir schon sehr spontan, flexibel und selbstständig reagieren. Für Schnarchnasen ist das nichts“, sagt Warncke.

Neben den vielen Kontrollgängen, Pflege- und Reinigungsarbeiten an der Brücke, sind auch Schreibarbeiten zu erledigen. Wenn Wartungsarbeiten anstehen, stellen die Brückenwärter den Kontakt zu den Firmen her, holen Angebote ein und koordinieren ihren Einsatz. Auch kleine Reparaturen übernehmen sie selbst. „Man muss schon handwerklich und technisch versiert sein“, sagt Oliver Warncke. Genau wie Bernd-Uwe Hansen mag er seinen Arbeitsplatz gern. „Der Job ist sehr vielfältig. Man arbeitet eigenverantwortlich und erlebt jeden Tag andere Dinge. Langeweile kommt hier nicht auf.“

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