Landwirtschaft anno dazumal

Club-Gründungsmitglied Piet Tramsen mit einem Stiftendrescher 'made in Quern'.  Foto: uk
Club-Gründungsmitglied Piet Tramsen mit einem Stiftendrescher "made in Quern". Foto: uk

Oldiclub Quern bewahrt in seinem Museum Agrar-Geräte vergangener Tage / Oldtimer-Treffen in Habernis

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17. Juni 2011, 06:24 Uhr

Quern | Zu jedem Exponat im Museum des Oldiclubs Quern weiß Piet Tramsen aus Groß-Quern etwas zu erzählen. Auch zu einer Heuharke aus den 50er Jahren. Es war die Frau eines Kätners, die sich in Ermangelung eines Pferdes vor dieses Gerät spannte, um auf einer Wiese das gemähte Gras "tosamen to rehm" - aufzunehmen. Tramsen nennt das Gerät auch "Hungerharke": Jeder Grashalm wurde aufgenommen - als Futter für die Tiere.

Im Museum des Oldiclubs, das seit Mitte der 1980er Jahre in einem einstigen Kuhstall in Quern-Jürgensby besteht, stehen alte Schlepper, Pflüge, Eggen, Dreschmaschinen und viele andere landwirtschaftliche Gerätschaften dicht an dicht. Darunter auch ein Stiftendrescher aus der Werkstatt des Querner Maschinenbauers Johannes Petersen - gefertigt Anfang des 20. Jahrhunderts. Zuletzt war diese Maschine mit einer von Hand betriebenen Stiften-Walze - mit ihr wurden die Körner aus den Ähren geschlagen - für die Schwensbyer Mühle im Einsatz. Als sie dort ausrangiert wurde, griff Piet Tramsen zu, "bezahlte" mit einer Flasche Wein. Das, so erinnert er sich, war einst eine übliche Währung, wenn es galt, Besitzern alte Gerätschaften "abzuschnacken". Es gab Zeiten, da waren die Besitzer froh, sich von überflüssig gewordenen Geräten zu trennen. Doch das, so Tramsen, sei längst Vergangenheit.

Er und die übrigen Mitglieder des Oldiclubs sammeln alles, was an die Landwirtschaft von anno dazumal erinnert. Dabei sind die Oldtimerfreunde voller Respekt für die Altvorderen und ihren Möglichkeiten, den Agrar-Alltag zu meistern. Viel Muskelkraft war nötig - die Exponate auf einer Fläche von rund tausend Quadratmetern legen davon Zeugnis ab.

Dabei ist das, was im Oldtimer-Museum zu sehen ist, nur ein Bruchteil dessen, was sich im Besitz der heute knapp 50 Clubmitglieder befindet. Viele Gerätschaften stehen bei ihnen daheim - liebevoll restauriert. Und weil sich im Laufe der Zeit des seit knapp 30 Jahren bestehenden Clubs viel angesammelt hat - alles wird derzeit von Meike Hansen katalogisiert -, ist das, "was wir über haben", an andere Museen abgegeben worden: nach Hamburg, Schleswig und Unewatt.

Bei alledem sind die Mitglieder nicht nur im "stillen Kämmerlein" aktiv, sondern lassen auch andere an ihrer Freude an alten Maschinen teilhaben. Sie besuchen mit ihren Oldies Veranstaltungen befreundeter Clubs und laden einmal im Jahr zum eigenen Oldtimer-Treffen rund um die Schleuse von Habernis ein. In Vorbereitung ist auch wieder ein "Tag der offenen Tür" im Museum. Wer das Museum außer der Reihe in Augenschein nehmen möchte, kann sich mit Arne Cieplin ( 04636 / 97 64 13) oder Piet Tramsen ( 04632 / 13 60) in Verbindung setzen.

Die Ursprünge des Clubs, gehen auf eine Privatinitiative von Piet Tramsen und Piet Carstensen aus Neukirchen zurück. Alles begann mit einem Lanz Bulldog, Baujahr 1957, und einem ebenso alten 15-PS-Deutz. Seit der Gründung stand Tycho Hansen aus Philippsthal an der Spitze des Clubs - seine Nachfolge trat vor wenigen Jahren Peter Stark aus Kalleby an. Anfangs eine Männer-Domäne gehören dem Club heute etliche Frauen an. Von November bis Juni gibt es monatliche Zusammenkünfte mit Klönschnack, Fachsimpelei und Informationsaustausch.

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